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04.07.2011

18:48 Uhr

Erstes Halbjahr 2011

Irisches Defizit über zehn Milliarden Euro

VonMichael Maisch

Das irische Haushaltsdefizit hat bis Ende Juni mehr als zehn Milliarden Euro betragen. Und das obwohl die Einnahmen erstmals seit Langem wieder zulegten.

Irische Flagge in Dublin. Quelle: dpa

Irische Flagge in Dublin.

LondonDas irische Haushaltsdefizit ist im ersten Halbjahr 2011 noch einmal um rund eine Milliarde Euro auf 10,8 Milliarden Euro gestiegen. Diese Zahlen liegen aber im Rahmen der Planungen der Regierung für die Sanierung des maroden Staatshaushaltes. Die Steuereinnahmen bleiben mit 15,3 Milliarden Euro zwar leicht hinter den Erwartungen zurück, Experten werteten die Zahlen dennoch als Erfolg, weil die Einnahmen in den ersten sechs Monaten ein Plus von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeuten. In den vergangenen drei Jahren waren die Steuereinnahmen kontinuierlich gefallen.

Irland musste im vergangenen Herbst nach einer schweren Immobilien- und Bankenkrise unter den Euro-Rettungsschirm von EU und Internationalem Währungsfonds schlüpfen, und erhielt ein Hilfspaket von 85 Milliarden Euro. Im Gegensatz zu Griechenland erfüllen die Iren bislang allerdings alle an das Paket geknüpften Bedingungen. Den Vorgaben zufolge soll das Haushaltsdefizit bis Ende des Jahres auf zehn Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung sinken und bis 2014 auf drei Prozent schrumpfen.

Im ersten Quartal wuchs die irische Wirtschaft um 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Diese Zahlen schürten die Hoffnung, dass es der Regierung in Dublin gelingt, wie geplant 2013 an die Kapitalmärkte zurückzukehren. Experten warnen allerdings, dass für die Erholung in den ersten drei Monaten nur die Exportwirtschaft verantwortlich war, während die Binnenwirtschaft mit einem Minus von 4,3 Prozent den heftigsten Einbruch seit Beginn der Statistik im Jahr 1997 erlebte. An den Finanzmärkten wird die Gefahr, dass es bei den irischen Staatsanleihen in den kommenden fünf Jahren zu einem Zahlungsausfall kommt derzeit mit etwa 45 Prozent bewertet.

Eine eindeutig positive Nachricht kam gestern für die irische Regierung von der jüngsten Bevölkerungsstatistik. Der letzten Volkszählung zufolge ist die Einwohnerzahl der Insel seit 2006 um 8,1 Prozent gestiegen. Damit wurden vorerst Befürchtungen zerstreut, dass es ähnlich wie während der Rezession der 80er Jahre zu einer Emigrationswelle kommt und junge und gut qualifizierte Arbeitskräfte massenhaft ins Ausland abwandern.

Kommentare (20)

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Thomas-Melber-Stuttgart

04.07.2011, 20:30 Uhr

Zusammengefaßt:
- Haushalt ca. 26 Mrd. EUR / 1. HJ
- dabei Einnahmen 15,3 Mrd. EUR / 1. HJ
- Unterdeckung >41%
- Stützung / Zufuhr bisher 85 Mrd. EUR

Irland hat ganz eindeutig ein selbstverschuldetes Einnahmenproblem! Wie soll jemals das Hilfspaket zurückgezahlt werden?

Account gelöscht!

04.07.2011, 21:40 Uhr

Wer sagt denn das die Iren jemals ihr Hilfspaket zurückzahlen werden oder das gar wollen?

Ich bin mir sicher das auch in Irland bald wieder Deutschlands-Kriegsschuld heraufbeschworen wird. Ich habe nicht den Eindruck das es in Irland ein Bewusstsein für selbstverschuldetes Handeln in der irischen Wirtschaftkrise gibt. Und deshalb trifft auch hier folgendes zu: "Le boche payera tout!".

Laut irischer Presse und Politik ist Deutschland ja schuld an der derzeitigen Situation da es leichtsinnig Kredite an Irland vergeben hat ohne die Liquidität der Schuldner zu prüfen. Und diesen Vorwurf kann man auch nicht so ohne weiteres von der Hand weisen. Mehr noch es wird argumentiert das Deutschland somit direkt verantwortlich ist für den Keltischer Tiger‎, der sich nun als lahmer subventionierter Bio-Bettvorleger entpuppt hat. Also "Le boche payera tout!".

https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=18123

Account gelöscht!

04.07.2011, 21:51 Uhr

irland geht im verlauf des jahres 2012 aus dem sowieso ende 2012 auslaufenden efsf-rettungsschirm heraus, und refinanziert sich wieder selber am kapitalmarkt.
über die rückzahlung im falle irland mach ich mir nun wirklich nicht die geringsten sorgen und gedanken.

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