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09.08.2011

14:32 Uhr

Erstes Todesopfer

London im Ausnahmezustand

VonKatharina Slodczyk

Die Krawalle haben einen ersten Toten gefordert, ein Fußballspiel fällt aus, 16.000 Polizisten sollen abends London sichern - dort liegen noch die rauchenden Trümmer der letzten Nacht. Ein Besuch auf dem Schlachtfeld.

Flug über London nach Krawallen

Video: Flug über London nach Krawallen

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Es hat fast etwas Surreales, wenn man nach der dritten Krawallnacht in Folge durch London radelt. Vor unserer Wohnung im Londoner Stadtteil Highbury sammelt ein Straßenkehrer ganz pedantisch auch wirklich die letzten Teile einer zerrissenen Zeitung zusammen, die der Wind durcheinander gewirbelt hat. Wenige Kilometer weiter schlendert ein Polizist an parkenden Autos vorbei und spricht mich an, weil ich gerade rechts in eine Straße abgebogen bin, wo ich eigentlich nicht hätte abbiegen dürfen.

Er fragt ganz nett und höflich, ob mir dieses Verbot bewusst sei. Ich antworte recht verdattert, ob er denn heute nicht irgendwo anders gebraucht werde – in Stadtteilen wie Hackney und Croyden oder Claphan und Lewisham, überall da in London, wo in der Nacht von gestern auf heute randaliert und geplündert wurde, wo Häuser brannten und die Menschen flüchteten, weil sie sich nicht sicher fühlten, wo gebrandschatzt und zerstört wurde. „Umso wichtiger ist es, dass wir jetzt in anderen Stadtteilen auf Ordnung achten, dass wir nichts durchgehen lassen“, kontert er.

Nicht nur Häuser gingen letzte Nacht zu Bruch: Erstmals ist in den Krawallen auch ein Mensch ums Leben gekommen. Ein 26-jähriger Mann, der während der Unruhen am Montag im Stadtteil Croydon in seinem Auto eine Schussverletzung erlitten habe, sei im Krankenhaus gestorben, teilte die britische Polizei am Dienstag mit. Croydon ist ein Stadtteil im Süden von London, wo während der Unruhen mehrere Gebäude in Brand gesteckt worden waren.

Die Webblogs der britischen Zeitungen sind voll von Erfahrungsberichten der Bewohner, die vor allem eines beklagen: eine überforderte Polizei, die vielerorts Schlimmeres nicht verhindern, den Randalierern nicht Einhalt gebieten konnte. Zwischen den Zeilen räumt die Polizei das auch ein: Man habe an der Belastungsgrenze gearbeitet. Mehr als 20 000 Notrufe seien in der Nacht eingegangen – vier mal soviel wie in normalen Zeiten. Sogar normale Streifenpolizisten ohne spezielle Ausbildung hätte man einsetzen müssen, räumte einer der diensthabenden Polizeichefs im Gespräch mit der BBC ein. „Wir hatten schlicht keine Einheiten mehr übrig.“

Die Fensterscheiben von Pubs und Geschäften in der Nähe der U-Bahn-Station Camden Chalk Farm haben die Randalierer eingeschlagen.

Die Ausschreitungen dehnten sich im großen Stile auf andere Städte wie Birmingham und Bristol aus. Und selbst Londoner Stadtteile wie das noble Notting Hill waren nicht mehr vor Randalierern sicher.

In Camden selbst ist am nächsten Morgen nicht mehr viel davon zu sehen. Eine Gruppe von gut einem Dutzend Helfer hat sich zwar an der U-Bahn-Station um Punkt zehn Uhr getroffen, alle ausgerüstet mit großen Besen, Handschuhen und Mülltüten. Sie wollen aufräumen nach den Krawallen.

Krawalle in England weiten sich aus

Video: Krawalle in England weiten sich aus

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Kommentare (4)

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watsolles

09.08.2011, 16:36 Uhr

Wie überall, Migrantenprobleme zu hauf. Man hat sie viel zu lange mit Glaceehandschuhen angefasst und jetzt wird man den Mob nicht mehr los. Das ganze steht uns noch bevor!

q.e.d.

09.08.2011, 18:07 Uhr

Dagegen hilft auch keine Videoüberwachung und Vorratsdatenspeicherung

Skyjumper

09.08.2011, 18:14 Uhr

Na also wirklich.....so geht das nicht. Das sind freiheitsliebende Menschen, teilweise Angehörige ethnischer Minderheiten, vor allem aber um in ihrer Existenz bedrohte Bevölkerungsteile die durch willkürliches Vorenthalten von sozialer Unterstützung zurecht ihren Forderungen nach einem Leben in menschlicher Würde Ausdruck verleihen.
Die UNO sollte schnellstens eine Resolution verabschieden in der Cameron aufgefordert wird die Gewalt gegen seine Bevölkerung und deren Unterdrückung zu beenden. Sollte dem nicht Folge geleistet werden ist auch der Einsatz von Nato-Luftangriffen zur Unterstützung der Aufständischen zu überlegen.
**** Ironie Ende ****

Ja, so ist das. Wenn man plötzlich militante Zivilisten im eigenen Land hat sieht die Sache ganz anders aus als in Syrien oder sonstwo in Nordafrika. Wenn der Mob durch Londons Strassen tobt ist es selbstverständlich pure Kriminalität.

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