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28.09.2014

19:09 Uhr

Eskalation der Proteste

Studenten blasen in Hongkong zum Rückzug

In Hongkongs Finanzdistrikt ist es zu Zusammenstößen zwischen prodemokratischen Aktivisten und der Polizei gekommen. Nun fordert eine Studentengruppe angesichts massiver Polizeigewalt das Ende der Proteste.

Occupy Central will Hongkonger Finanzbezirk lahmlegen

Video: Occupy Central will Hongkonger Finanzbezirk lahmlegen

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HongkongBei den Demonstrationen für mehr Demokratie in Hongkong hat eine Studentengruppe angesichts massiver Polizeigewalt zum Ende der Proteste aufgerufen. Die Studentenvereinigung veröffentlichte am späten Sonntagabend im Internet eine Erklärung, in der sie ihre Anhänger vorerst zum Rückzug aufforderte.

Als Grund nannte die Organisation die Sorge, die Polizei könnte auch Gummigeschosse einsetzen, um die Demonstranten zu vertreiben. Einige folgten dem Aufruf. Gleichwohl verharrten Tausende Bürger weiterhin auf den Straßen, um ihrer Forderung nach freien Wahlen Nachdruck zu verleihen. Ein Anführer der sogenannten Occupy-Central-Bewegung erklärte, seine Mitstreiter und er würden auf keinen Fall weichen und sich notfalls festnehmen lassen.

Zuvor hatte sich die Lage in der ehemaligen britischen Kronkolonie dramatisch zugespitzt: Angesichts der immer größer werdenden Demonstrationen für freie Wahlen setzte die Polizei am Sonntag Tränengas ein, um die Menge im Regierungsviertel der Wirtschaftsmetropole auseinanderzutreiben. Einsatzkräfte gingen auch mit Schlagstöcken gegen Demonstranten vor. Der Verwaltungschef von Hongkong, Leung Chun Ying, forderte die Bevölkerung auf, sich nicht an den "illegalen" Protesten zu beteiligen. Die Polizei sei bereit, entschlossen und im Rahmen der Gesetze zu handeln.

Wie es zum Massaker am Tiananmen-Platz kam

15. April 1989

Der beliebte Reformer Hu Yaobang stirbt. Aus Trauerkundgebungen werden erste politische Proteste. In den folgenden Wochen nimmt die Zahl der Teilnehmer rasch zu.

22. April 1989

Zehntausende Studenten ziehen mit Transparenten auf den Platz vor dem Tor des Himmlischen Friedens (Tiananmen-Platz) in der Nähe des Regierungssitzes.

Mai 1989

Auch in anderen Städten demonstrieren Studenten. Die Teilnehmerzahlen gehen in die Hunderttausende. Staatsmedien verdammen die jungen Leute als Aufrührer. Diese wiederum verleihen ihren Forderungen durch einen Hungerstreik Nachdruck. Sie bauen Zelte auf und bleiben rund um die Uhr dort, um eine Räumung zu verhindern.

19. Mai

KP-Chef Zhao Ziyang versucht mit den Studenten eine Einigung auszuhandeln und scheitert. Zhao selbst wäre zu Reformen bereit; Betonköpfe in der Partei verhindern jedoch einen Kompromiss.

20. Mai

Truppen der Volksbefreiungsarmee erscheinen auf der Straße. Bürger schützen die Studenten, indem sie den Vormarsch blockieren. Die Pekinger Soldaten weigern sich, auf ihre Mitbürger zu schießen.

2. Juni

Nachdem der Militäreinsatz ausgeblieben ist, herrscht auf dem Tiananmen-Platz Partystimmung. Die Führung nutzt die Zeit jedoch, um ahnungslose Einheiten aus entfernten Provinzen in die Hauptstadt zu verlegen. Plötzlich steigt die Nervosität wieder steil an.

3. Juni spätabends bis 4. Juni frühmorgens

Die frischen Truppen führen ihren Befehl aus. Sie schießen sich ihren Weg zum Tiananmen-Platz frei. Mehrere hundert, einigen Quellen zufolge bis zu 2600 Menschen sterben, die meisten von ihnen solidarische Bürger, aber auch viele Unbeteiligte.

1992

Deng Xiaoping reißt das Land durch seine „Südreise“ aus der Lethargie, in die es nach dem Blutbad geraten ist. Er kündigt einen neuen Schub von Wirtschaftsreformen an. Eine neue Generation wächst seitdem im Wohlstand, aber weitgehend unpolitisch auf.

Die Polizei setzte auch Pfefferspray ein. Viele Demonstranten trugen zum Schutz davor Sport- oder Schwimmbrillen, Masken und Plastikumhänge. Fast 80 Menschen wurden bislang festgenommen, darunter auch der 17-jährige Joshua Wong, einer der Anführer der Proteste. Die Demonstranten lehnen sich gegen einen Beschluss der kommunistischen Führung Chinas auf, bei der Wahl des Chefs der Sonderverwaltungszone 2017 nur vorab ausgewählte Kandidaten zuzulassen. Damit ist eine Kandidatur von Regierungskritikern praktisch unmöglich.

Als Sonderverwaltungszone genießt Hongkong bislang weitgehende Autonomie, insbesondere auf wirtschaftlichem Gebiet. Trotz des offiziellen Slogans "Ein Land, zwei Systeme" sind der Regierung in Peking die Proteste in Hongkong ein Dorn im Auge. Die politische Führung der Volksrepublik fürchtet, dass die Rufe nach Demokratie auch auf China überschwappen könnten.

Von

rtr

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