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22.07.2014

20:01 Uhr

Eskalation im Nahostkonflikt

Mehr als 600 Tote nach zwei Kampfwochen

Das Sterben findet kein Ende, die Trauer auch nicht: In den israelisch-palästinensischen Kämpfen zeigen sich beide Seiten unversöhnlich und auf Konfrontationskurs. Spitzendiplomaten fordern Dialog – bisher vergebens.

Luftschlag im Osten von Gaza-Stadt: Sowohl israelisches Militär als auch die palästinensische Hamas gehen mit ungebrochener Härte vor. Betroffen sind vor allem palästinensische Zivilsten ohne Schutzmöglichkeit. dpa

Luftschlag im Osten von Gaza-Stadt: Sowohl israelisches Militär als auch die palästinensische Hamas gehen mit ungebrochener Härte vor. Betroffen sind vor allem palästinensische Zivilsten ohne Schutzmöglichkeit.

Gaza/ Tel AvivDie israelische Militäroffensive im Gazastreifen geht in die dritte Woche und fordert immer mehr Menschenleben. Unter den mehr als 600 Toten im blockierten Palästinensergebiet ist auch eine siebenköpfige deutsch-palästinensische Familie. Auch die Flugverbindungen nach Israel werden inzwischen in Mitleidenschaft gezogen. Die US-Luftfahrtbehörde FAA untersagte wegen der Raketenangriffe aus dem Gazastreifen amerikanischen Fluggesellschaften zunächst für 24 Stunden Flüge zum wichtigsten internationalen Flughafen des Landes, Ben Gurion bei Tel Aviv.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und US-Außenminister John Kerry forderten ein sofortiges Ende der Gewalt. „Hört auf zu kämpfen und fangt an zu verhandeln!“, rief Ban am Dienstag bei Besuchen in Tel Aviv und Ramallah Israelis und Palästinensern zu. Die US-Fluglinie Delta stellte ihre Flüge nach Israel wegen des Raketenbeschusses aus Gaza vorerst ein.

Kerry appellierte am Dienstag in Kairo insbesondere an die radikal-islamische Hamas, einer Feuerpause mit Israel zuzustimmen. „Die Hamas muss eine grundlegende Entscheidung treffen, die eine erhebliche Auswirkung auf die Menschen in Gaza hat“, sagte Kerry nach einem Treffen mit seinem ägyptischen Kollegen Samih Schukri.

Die Führungsriege der Hamas

Führer der radikal-islamischen Hamas

Sie leben gefährlich - und häufig im Exil. Die Führer der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas müssen ständig Angriffe Israels fürchten. Viele hochrangige Mitglieder wurden von Israel getötet. Wer sind derzeit die bekanntesten Führer?

Chaled Maschaal

Der Kopf des Exil-Politbüros wurde 1956 nahe Ramallah im Westjordanland geboren. Seine Familie floh während des Sechs-Tage-Krieges 1967 nach Kuwait, wo Maschaal Physik studierte. Als Teenager schloss er sich der Muslimbruderschaft, später auch der Hamas an. 1990 zog er nach Jordanien, wo er die Leitung der Hamas übernahm. Israel wirft ihm vor, die erste Intifada (palästinensischer Volksaufstand) mitorganisiert zu haben. 1997 überlebte Maschaal in Amman einen Tötungsversuch des israelischen Geheimdienstes. Im Dezember 2012 besuchte er nach der letzten Konfliktrunde den Gazastreifen - zum ersten Mal seit Jahrzehnten. Tausende Palästinenser jubelten ihm zu. Er lebt heute in Katar.

Ismail Hanija

Hanija kam in einem Flüchtlingslager in Gaza zur Welt, wo er auch heute lebt. Er studierte an der Islamischen Universität in Gaza arabische Literatur. Als einer von etwa 400 Aufständischen wurde Hanija 1992 von Israel in den Südlibanon ausgewiesen. Nach seiner Rückkehr wurde er Büroleiter der Hamas, 2006 Ministerpräsident in dem von der Hamas beherrschten Gazastreifen. Hanija gilt als vergleichsweise pragmatisch. In einigen Interviews deutete er die Bereitschaft zu einem Kompromiss über eine Zwei-Staaten-Lösung an.

Mussa Abu Marsuk

Die Nummer zwei der Hamas-Führung im Exil studierte in Ägypten und den USA. Marsuk soll gute Beziehungen zu muslimischen Spendern unterhalten, die die Hamas immer wieder finanziell unterstützten. Er soll außerdem an der Planung mehrerer Attentate in Israel beteiligt gewesen sein. In den vergangenen Monaten trieb er die Versöhnung mit der rivalisierenden Fatah voran. Der 63-Jährige lebt derzeit in Kairo.

Mahmud al-Sahar

Der ausgebildete Chirurg gehört zu den Gründungsvätern der Hamas. Als Sohn einer Ägypterin und eines Palästinensers wurde er 1945 in der Stadt Gaza geboren. Seine Jugend verbrachte er in Ägypten, wo er auch studierte. Nach seiner Rückkehr nach Gaza lehrte er an der örtlichen Islamischen Universität. In den 1970er-Jahren gründete er erst die Muslimbruderschaft im Gazastreifen und später zusammen mit Scheich Ahmed Jassin die Hamas. Die israelische Armee versuchte, Al-Sahar 2003 mit einer Bombe zu töten; er überlebte leicht verletzt, verlor aber einen Sohn. Nachdem Israel Scheich Jassin ein Jahr später gezielt getötet hatte, stieg Al-Sahar in den Führungszirkel der Hamas auf. Vor wenigen Tagen wurde sein Haus von der israelischen Armee zerstört.

Ägypten hatte eine Waffenruhe vorgeschlagen, die die Hamas jedoch ablehnt. Kernforderung der Hamas für eine Waffenruhe ist eine Aufhebung der Blockade des Gazastreifens durch Israel und Ägypten. Sie ist in dem ägyptischen Vorschlag nicht enthalten.

Bei der getöteten deutsch-palästinensische Familie handelt es sich nach palästinensischen Angaben um den 53-jährigen Ibrahim al-Kilani, seine 47 Jahre alte Frau Taghrid und fünf Kinder im Alter von 4 bis 12 Jahren. Der Familienvater hatte in den 1990er Jahren in Nordrhein-Westfalen und Hessen gelebt. Die Familie sei am Montagabend bei einem Luftangriff auf ein Gebäude in der Stadt Gaza getötet worden. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts sagte in Berlin: „Wir müssen aufgrund mehrfacher Hinweise davon ausgehen, dass es sich bei den Toten um diese Familie handelt.“

Im Fall eines israelischen Soldaten, der angeblich in der Hand der Hamas ist, soll Israel Deutschland um Hilfe gebeten haben. Nach Informationen des arabischen Senders Al-Arabija geht es dabei möglicherweise um Vermittlungsbemühungen. Der israelische Soldat, der an der Bodenoffensive beteiligt war, könnte demnach tot oder lebendig in den Händen der militanten Palästinenser sein. Eine Bestätigung Israels dafür gab es zunächst nicht.

Kommentare (1)

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Herr peter Spirat

22.07.2014, 20:46 Uhr

600 Tote semiten (Ureinwohner)
10 ??? Tote, Gäste (Israeliten


Totzdem, endlich erkennt die Welt wirklich, was Israel (undd as Weltjudentum) WIRKLICH ist

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