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28.01.2011

13:15 Uhr

Eskalation in Ägypten

Mubarak setzt Militär gegen Demonstranten ein

In Ägypten eskaliert die Lage: Präsident Mubarak ist nicht länger bereit, Demonstrationen weiter zu dulden. Nach der von ihm verhängten Ausgangssperre fielen im Zentrum der Haupstadt Kairo bereits Schüsse. In die Stadt Suez rückten Panzer ein.

HB SUEZ. Ein Reporter der Nachrichtenagentur Reuters sah die Panzer auf den Straßen der Stadt, wo die Zusammenstöße in den vergangenen Tagen mitunter am heftigsten waren. Präsident Husni Mubarak hatte kurz zuvor eine Ausgangssperre verhängt und erklärt, das Militär werde der Polizei zu Hilfe kommen. Die Demonstranten fordern Mubaraks Rücktritt.

Das ägyptische Staatsfernsehen meldete am Nachmittag, die Ausgangssperre gelte von 18.00 bis 7.00 Uhr (17.00 bis 06.00 MEZ) in den Provinzen Kairo, Alexandria und Suez. Gleichzeitig wurden Einheiten der Armee mobilisiert, um der Polizei zur Seite zu stehen, die in einigen Stadtvierteln von Kairo, Ismailia, Alexandria und Suez von Demonstranten überrannt worden war. In Kairo hieß es außerdem, Mubarak wolle schon bald eine Ansprache im staatlichen Fernsehen halten. Es wird erwartet, dass er eine Kabinettsumbildung ankündigt.

Zuvor war der ägyptische Friedensnobelpreisträger Mohammed el Baradei unter Hausarrest gestellt worden. Dies bestätigten ägyptische Regierungskreise am Freitag. Der frühere Direktor der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA war erst am Donnerstag nach Ägypten zurückgekehrt. Er gilt vielen als Hoffnungsträger und als möglicher Nachfolger von Präsident Husni Mubarak. Am Freitag war er zunächst nach einem Besuch einer Moschee zusammen mit anderen am Verlassen des Gotteshauses gehindert worden. Die Polizei hatte dort eine Gruppe von Demonstranten eingekesselt.

Der Sender Al-Dschasira hatte berichtet, dem Politiker werde von der Polizei nicht erlaubt, ein bestimmtes Gebiet in Kairo zu verlassen. Der Sender präzisierte damit eine frühere Meldung, ElBaradei sei festgenommen worden.

In mehreren ägyptischen Städten kam es derweil erneut zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Tausenden Gegnern von Präsident Husni Mubarak und der Polizei. In Kairo setzte die Polizei Tränengas und Gummigeschosse gegen Steine werfende Demonstranten ein. Diese riefen „Nieder mit Mubarak“ und trampelten auf Plakaten mit dem Porträt des Präsidenten herum. Die Proteste begannen am Rande der Freitagsgebete, an denen auch ElBaradei teilnahm.

Kommentare (3)

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aruba

28.01.2011, 18:46 Uhr

Guten Tag,.... Wegen mir braucht er keine Ausgangssperre zu verordern. immer wenn ich Nachts in Arabischen Staedten unterwegs war, trug ich Pampers-boy. Dermassen hatte ich die Hosen voll ( und ich bin kein Hasenfuss ) besten Dank

KamilJan

28.01.2011, 19:10 Uhr

Tja, und was macht internationale Politik da... vielleicht bezieht da mal einer Stellung zu der Geschichte?

Peter Scholz

28.01.2011, 21:35 Uhr

Hierzulande scheint man dem fatalen irrtum zu unterliegen, daß eine Wohlstandsgesellschaft zu keiner Revolution fähig ist.
Der irrtum liegt darin, daß Wohlstand nicht glücklich macht und die fortdauernde Angst, ihn verlieren zu können, ihn schließlich so sehr entwertet, als hätte man nichts. Mit dem Gefühl der befreiung kommt das Glück zurück.
Eine Revolution ist nicht zwangsweise Gewaltanwendung, sie kann ebenso in der Wahl außerparlamentarischer Parteien liegen, wie z.b. die Familienpartei oder Die Freiheit.

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