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24.09.2012

15:23 Uhr

ESM-Hebelung

Euro-Retter wollen doppeltes Sicherheitsnetz

VonJan Mallien

Die Euro-Länder wollen die Schlagkraft des Rettungsschirms ESM durch einen Hebel erhöhen. Damit soll er die gleichen Möglichkeiten bekommen wie sein Vorgänger EFSF. Ob der Hebel im Krisenfall viel bringt, ist umstritten.

Der Rettungsschirm ESM soll durch einen Finanzhebel noch größer werden. dpa

Der Rettungsschirm ESM soll durch einen Finanzhebel noch größer werden.

DüsseldorfAllein auf die schützende Hand von EZB-Chef Draghi wollen sich die Euro-Retter nicht verlassen. Zwar hat er unbegrenzte Käufe von Anleihen der Krisenländer in Aussicht gestellt und damit für Beruhigung an den Märkten gesorgt. Doch so ganz trauen die Euro-Retter ihm nicht.

Nach Meldung des Magazins "Der Spiegel" arbeiten sie an Plänen, um dem Rettungsschirm ESM mehr Schlagkraft zu verleihen. Konkret geht es um die Möglichkeit, das ursprüngliche Kreditvolumen des ESM von 500 Milliarden Euro durch einen Hebel auszuweiten. Die Garantien der Euro-Staaten sollen dabei bei maximal 500 Milliarden Euro bleiben. Jedoch soll das Volumen möglicher Kredite durch die Einbeziehung privater Investoren auf bis zu 2 Billionen Euro steigen - was das Ausfallrisiko für die staatlichen Garantien erhöhen könnte. Ein Volumen von 2 Billionen Euro würde reichen, um auch große Euro-Länder wie Spanien und Italien zu stützen.

Die größten Schuldenmacher in der Euro-Zone

Irland

Das höchste Defizit in der Euro-Zone hat Irland. Es beträgt 8,3 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Griechenland

Rund 7,3 Prozent beträgt das Haushaltsdefizit Griechenlands für 2012.

Spanien

Der Krisenstaat auf der Iberischen Halbinsel kommt auf ein Haushaltsdefizit von 6,9 Prozent.

Slowakei

Platz vier unter den größten Schuldensündern belegt mit einem Defizit von 4,8 Prozent die Slowakei.

Portugal

Knapp hinter der Slowakei reiht sich Portugal ein: Hier schlägt 2012 ein Defizit von 4,7 Prozent des Bruttosozialprodukts zu Buche.

Frankreich

Mit Hilfe von Steuererhöhungen und Einsparungen will Frankreich sein Haushaltsdefizit im nächsten Jahr eindämmen. Dieses Jahr beträgt es noch 4,5 Prozent.

Niederlande

Rund 20 Milliarden Euro müssten die Niederlande sparen, um ihr Defizit unter drei Prozent zu drücken. Derzeit liegt es bei 4,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Slowenien

Auch Slowenien ringt mit steigender Verschuldung und schrumpfendem Wirtschaftswachstum. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 4,3 Prozent.

Zypern

„Sparen, kürzen, streichen“: So lautet auch das Motto in Zypern. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 3,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Finanzstaatssekretär Steffen Kampeter (CDU) bestätigte, dass es Gespräche zwischen den Euro-Ländern gäbe. Sollten die Euro-Länder sich auf eine „Hebelung“ des ESM einigen, werde selbstverständlich auch der Deutsche Bundestag einbezogen, sagte er. Eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums bestätigte am Sonntag, nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum ESM würden in Europa nun die Leitlinien erarbeitet. Dazu gehöre auch eine Teilabsicherung durch den ESM und die Einbeziehung privater Investoren, was eine Art Hebelung bedeuten würde.

Schäubles Sprecher, Martin Kotthaus, bezeichnete Zahlen von bis zu zwei Billionen Euro allerdings als „völlig illusorisch“. Zwar werde über eine höhere Schlagkraft durch eine „Hebelung“ diskutiert. Die in Medienberichten genannten Zahlen seien aber in überhaupt keiner Form nachvollziehbar.

So viel kostet Europa

Rettungsfonds EFSM

Beim Rettungsfonds EFSM stehen 60 Milliarden Euro zu Buche. Der deutsche Anteil beträgt dabei 12 Milliarden Euro.

1. Rettungspaket für Griechenland (IWF und EU)

Griechenland erhielt durch das erste Rettungspaket 110 Milliarden Euro, 24 Milliarden davon kamen aus Deutschland.

Einlagensicherungsfonds (von Experten geschätzt)

Nach Schätzung der Citigroup müsste der von der EU-Kommission geforderte Einlagensicherungsfonds ein Volumen von 197 Milliarden Euro haben. Der deutsche Anteil läge dann bei bis zu 55 Milliarden Euro.

EZB-Staatsanleihenkäufe

Die Europäische Zentralbank hat Staatsanleihen für 209 Milliarden Euro eingekauft. Der Bund ist daran mit 57 Milliarden Euro, also mehr als einem Viertel, beteiligt.

IWF-Beitrag zu den Rettungspaketen

Der Internationale Währungsfonds zahlte 250 Milliarden Euro für die Rettungspakete. Deutschland gab dafür 15 Milliarden.

Geplanter ESM

Der dauerhafte Rettungsschirm soll ein Volumen von 700 Milliarden Euro haben. Deutschland wäre daran mit 190 Milliarden Euro beteiligt.

Bürgschaften im Rettungsfonds EFSF

Der Rettungsfonds bürgt mit 780 Milliarden, Deutschland allein mit 253 Milliarden Euro.

Target-Verbindlichkeiten

Die Target-Verbindlichkeiten liegen innerhalb des EZB-Verrechnungssystem bei 818 Milliarden Euro. Der deutsche Anteil daran beträgt 349 Milliarden Euro.

Kommentare (34)

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MikeM

24.09.2012, 15:37 Uhr

Das hat nichts mit einem doppelten Sicherheitsnetz zu tun. ESM und EZB agieren Hand in Hand. Die EZB darf keine Anleihen direkt von Staaten kaufen. Dies tut der ESM, der sie anschließend an die EZB weiterreicht. Der ESM ist das Vehikel, das es ermöglicht, die Käufe der EZB praktisch ins Unbeschränkte zu steigern. Auch wenn die 190 Mrd. sich dadurch nicht erhöhen: Die Möglichkeit eines Totalausfalls dieses Betrags steigt erheblich. Und: Der ESM ermöglicht das schlimme Treiben der EZB auf Kosten Deutschlands.

Account gelöscht!

24.09.2012, 15:53 Uhr

Aber das haben alle doch schon vorher gewusst . Wer uns zu gehört hätte der hätte es auf alle fälle gewust. schaut mal unter www.ddp-niedersachsen.de nach

Account gelöscht!

24.09.2012, 16:02 Uhr

Irrer Hebel oder irre Politiker?
Es läuft darauf hinaus, dass am Ende nur die Deutschen mit 190 Mrd. haften sollen http://www.fortunanetz.de/index.php

Es werdren 400 Mrd. aus dem EFSF in den ESM überführt (Altschulden ohne Eigenkapital). Und allein mit Spanien, das 100 Mrd. braucht, wären es schon 500 Mrd. Dabei ist die ganze Finanzierung auf Sand gebaut, und zwar mit einer einfachen Begründung:
Länder wie Spanien Portugal, Griechenland, Italien usw. können nicht für sich selber haften. Wie soll denn Spanien seine Haftungssumme einzahlen wenn schon Kredite in exorbitanter Höhe vorher verfrühstückt werden. Damit bleibt primär die Haftungssumme Deutschlands übrig. Schäuble sollte sich schon `mal bemühen die 190 Mrd. aus dem Urteil des BVerfG aufzutreiben und die Wähler aufrichtig zu informieren, wenn sich schon Dr. Merkel nicht soweit vorwagt. Wenn am Ende nur Deutschland haftet, ist die Haftung 10% vom Gesamtvolumen. Das wäre so als hätten Sie für ein Haus, das 250.000 Euro wert ist, mit Schulden von 2,5 Millionen, eben das zehnfache. Und die Politiker werden vergeblich auf Privatinvestoren warten. Hoffentlich ist niemand von privaten Geldgeben so doof den Bankrott zu finanzieren. Dann wäre die Horror-Geschichte Euro endlich vorbei!

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