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03.12.2014

17:03 Uhr

EU-Abwicklungsfonds

Frankreichs Banken müssen eine Milliarde weniger zahlen

ExklusivDer Beitrag der französischen Banken am neuen EU-Abwicklungsfonds fällt wohl eine Milliarde Euro niedriger aus als geplant. Die Entlastung wurde mit Hilfe eines komplexen Übergangsmechanismus erreicht.

Ohne den „Phase-in“-Mechanismus hätten die französischen Banken 16,52 Milliarden Euro zahlen müssen. dpa

Ohne den „Phase-in“-Mechanismus hätten die französischen Banken 16,52 Milliarden Euro zahlen müssen.

BrüsselDer französischen Regierung ist es gelungen, den Beitrag der französischen Großbanken an den neuen EU-Abwicklungsfonds um mehr als eine Milliarde Euro nach unten zu drücken. Das geht aus einem neuen Arbeitspapier der EU-Kommission zur „Beiträgen zum Einheitlichen Abwicklungsfonds“ der Banken der Euro-Zone hervor, das dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe) vorliegt. Demnach sollen Frankreichs Geldhäuser von 2015 bis 2024 insgesamt rund 15,48 Milliarden Euro in den Fonds einzahlen. Der Beitrag der deutschen Institute ist mit 15,35 Milliarden Euro fast genauso hoch.

Erreicht wurde die Beitragsentlastung für Frankreichs Institute mit Hilfe eines komplexen Übergangsmechanismus („Phase-in“). Ohne diesen Mechanismus hätten die französischen Banken 16,52 Milliarden Euro zahlen müssen.

Die deutsche und französische Wirtschaft im Vergleich

Wachstum

Frankreich: Die Industriestaaten-Organisation OECD hat die Wachstumsprognose erst vorige Woche mehr als halbiert. 2014 wird das Bruttoinlandsprodukt demnach nur um 0,4 Prozent zulegen, nachdem im Frühjahr noch 0,9 Prozent vorausgesagt worden waren. Für kommendes Jahr wurde die Prognose von 1,5 auf 1,0 Prozent zurückgenommen.

Deutschland: Auch bei Europas Nummer eins hat die OECD den Daumen gesenkt. Für das laufende Jahr wurde die Prognose von 1,9 auf 1,5 Prozent zurückgenommen, für 2015 von 2,1 auf ebenfalls 1,5 Prozent.

Arbeitslosigkeit

Frankreich: Wegen der Konjunkturflaute leidet der Nachbar unter einer Rekordarbeitslosigkeit. Die EU-Kommission sagt für dieses Jahr einen Anstieg auf 10,4 Prozent voraus, 2015 soll es leicht nach unten gehen auf 10,2 Prozent. Das entspricht etwa dem Durchschnitt aller 28 EU-Staaten.

Deutschland: Hier ist die Arbeitslosenquote nur halb so hoch. Nach der Prognose der EU-Kommission wird sie in diesem Jahr auf 5,1 Prozent fallen und 2015 auf diesem Niveau verharren. Mit Österreich weist die Bundesrepublik damit die niedrigste Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone auf.

Staatsschulden

Frankreich: Erst 2017 will die Regierung die jährliche Neuverschuldung unter die in den EU-Verträgen erlaubte Höchstgrenze von drei Prozent im Verhältnis zur Wirtschaftskraft drücken. Eigentlich sollte das schon 2015 der Fall sein, doch sieht sich die Regierung in Paris wegen der schwachen Konjunktur dazu nicht in der Lage. Der Schuldenberg wird nach Prognose der EU-Kommission bis 2015 auf 96,6 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt wachsen. Die EU erlaubt eigentlich nur 60 Prozent.

Deutschland: Der Staat könnte 2014 bereits das dritte Jahr in Folge einen leichten Überschuss aufweisen. Zum Halbjahr wurden 16 Milliarden Euro mehr eingenommen als ausgegeben. Alle übrigen Euro-Staaten dürften hingegen rote Zahlen schreiben. Allerdings ist der Schuldenstand mit rund 76 Prozent immer noch höher als erlaubt.

Wettbewerbsfähigkeit

Frankreich: Ein Grund für die Misere ist die gesunkene Wettbewerbsfähigkeit. Eine Arbeitsstunde kostet private Arbeitgeber durchschnittlich 35,00 Euro. In der besonders stark dem internationalen Wettbewerb ausgesetzten Industrie sind es sogar 36,70 Euro - in der EU sind die Kosten nur in Schweden, Belgien und Dänemark höher. Das ist auch einer der Gründe dafür, warum Frankreich im weltweiten Standortranking des World Economic Forum (WEF) nur Platz 23 belegt.

Deutschland: Die Arbeitskosten liegen niedriger als in Frankreich. In der Privatwirtschaft sind es 31,70 Euro, in der Industrie 36,20 Euro. Im Standortvergleich des WEF belegt Deutschland den fünften Rang, wobei besonders die gut ausgebildeten Fachkräfte und innovative Unternehmen gelobt werden.

Industrie

Frankreich: Zwar kann das Nachbarland mit großen Unternehmen wie den Autobauern Renault und Peugeot Citroen oder dem Atomkonzern Areva aufwarten. Allerdings fehlt es an einem breiten und exportstarken Mittelstand, der die Absatzkrise in der Euro-Zone durch wachsende Geschäfte in Asien und anderen Boomregionen ausgleichen kann. Die Industrie ist deshalb auf dem Rückzug: Sie trägt nur noch 10,25 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei, der EU-Schnitt liegt bei 15,3 Prozent.

Deutschland: Hierzulande haben viele "hidden champions" ihre Heimat - also unbekannte mittelständische Unternehmen, die Nischen besetzt haben und mit ihren Produkten zu den Weltmarktführern gehören. Die Industrie erlebt in Deutschland eine Renaissance, weil diese Firmen in den Boomregionen aktiv sind. "Nur Deutschland hat es geschafft, zwischen 2007 und 2012 Jobs in der Industrie aufzubauen", stellte die EU-Kommission in ihrem europaweiten Vergleich fest. Der Industrie-Anteil an der Wirtschaftsleistung liegt mit 22 Prozent klar über dem EU-Schnitt.

Frankreichs Finanzminister Michel Sapin sei damit immer noch nicht zufrieden, erfuhr das Handelsblatt von hochrangigen EU-Diplomaten. Sapin wolle den Banken außerdem erlauben, ihre Abgabe nicht in bar einzuzahlen, sondern eine Bürgschaft dafür zu leisten. Damit sei Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nicht einverstanden.

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