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21.05.2013

07:20 Uhr

EU-Austritt

Ein teurer Spaß für Großbritannien

Der EU-Austritt ist in Großbritannien mittlerweile ein gern diskutiertes Thema – mit vielen Befürwortern. Doch das „Goodbye“ von der EU würde den Briten viele Handelsvorteile kosten, Finanzdienstleister würden abwandern.

In David Camerons Partei gibt es nicht wenige, die den EU-Austritt gerne sehen würden. ap

In David Camerons Partei gibt es nicht wenige, die den EU-Austritt gerne sehen würden.

GenfNicht wenige Parteifreunde des konservativen britischen Premierministers David Cameron dringen auf einen EU-Austritt. Lieber heute als morgen würden sie ihr Land lösen aus dem Staatenverbund, der ständig zerstritten ist und wegen der hohen Schulden mitten in der Krise steckt. Cameron hat signalisiert, dass er sich ein Referendum darüber bis 2017 vorstellen kann, sollte er 2015 wiedergewählt werden. Umfragen zeigen, dass die Briten durchaus für eine solch radikale Kehrtwende stimmen könnten. Wirtschaftlich wäre dies aber hochriskant, wie Experten betonen. Großbritannien müsste seine Handelsbeziehungen mit den jetzigen EU-Partnern neu verhandeln. Auch die Rahmensetzungen für Geschäfte mit Ländern außerhalb der EU, womöglich auch die Position innerhalb der Welthandelsorganisation WTO bedürften einer Überarbeitung. Der in Großbritannien besonders wichtige Finanzsektor könnte unter Druck kommen.

„Ich sehe keinerlei Vorteile, die das bringen würde“, sagt der Brite Roderick Abott, ehemals einer der Top-Leute in der WTO und auch der EU-Handelsbehörde. Ob die EU im Falle eines Austritts noch bereit wäre, Großbritannien in den Genuss der Handelsvorteile eines einheitlichen EU-Binnenmarktes kommen zu lassen, wäre fraglich. „Wenn man sagt, wir wollen die Tür zu euch zuschlagen und nicht mehr in euer Budget einzahlen, kann man dann fordern: ermöglicht uns freien Handel, und zwar ohne Gegenleistung?“ Möglich sei zwar alles, aber sicher sei nichts, so Abott.

Großbritannien würde wahrscheinlich im Handel schlechter gestellt werden. Denn die EU erhebt auf Waren aus Ländern außerhalb des eigenen Binnenmarktes Importzölle - die würden dann auch britische Exporteure treffen. Diese Zölle beliefen sich im Jahr 2011 im Güterverkehr auf durchschnittlich 5,3 Prozent, im Agrarbereich sogar auf 13,9 Prozent. Über die Hälfte der britischen Waren-Exporte und ein Drittel der Dienstleistungen wie etwa Finanzgeschäfte gingen 2011 in die Union - mit einem Volumen von umgerechnet 356 Milliarden Euro.

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Würde es Großbritannien nicht schaffen, einen vorteilhaften Deal mit der EU auszuhandeln, wäre die Insel noch schlechter gestellt als Konkurrenten wie Norwegen, die Schweiz, Südafrika oder Südkorea. Diese profitieren nämlich immerhin von Sonderregelungen mit der EU. Der Vorteil dadurch: Importzölle auf beiden Seiten werden nach und nach abgebaut. Scheiden die Briten aus der Union aus, profitierten sie nicht mehr davon.

Kommentare (10)

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Koboldo

21.05.2013, 07:49 Uhr

Ein Austritt hätte sicher gravierende Folgen für GB, aber auch für die EU. Man kann davon ausgehen, dass die Politik sich arrangieren würde, nur würde der politische Einfluss von UK darunter leiden.
Die Frage ist jedoch, warum so viele Briten einen Austritt befürworten. Und für mich ist darauf die Antwort klar: Die Bürokratie der EU ist ein ineffizienter aufgeblähter Apparat, der zudem Unsummen verschlingt. Die letzte Entscheidung Brüssels sagt doch alles: Es soll künftig kein abgefülltes Öl auf den Tisch der Gastronomie gelangen....

Michael

21.05.2013, 08:36 Uhr

UK scheint ja gerade noch viel mehr Probleme zu haben. Privatisierung und Zerfall der Währung.

Vielleicht hilft der EU-Austritt, vielleicht nicht. Ich stecke nicht in der Materie drin.

Account gelöscht!

21.05.2013, 09:18 Uhr

Klassischer FUD (Fear, Uncertainty and Doubt) Artikel zur Verwirrung der Menschen. Ist das schon das Werk der neuen EU-Propaganda-Hit-Squads?

In der Realität wäre genau das Gegenteil der Fall. UK wäre endlich wieder in der Lage eigene Verträge mit Handelspartnern abzuschließen.

Die Profiteure und Systemlinge der EU fürchten ihren Machtverfall.

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