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29.01.2012

17:23 Uhr

EU-Embargo

Iran rüstet zum Ölkrieg

Irans Führung scheint entschlossen, einen Lieferstopp von Öl nach Europa im Parlament durchzusetzen. Rufe nach einer Deeskalation verhallen ungehört.

Wird von der internationalen Gemeinschaft beschuldigt, ein Atomwaffenprogramm voranzutreiben: Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad. dpa

Wird von der internationalen Gemeinschaft beschuldigt, ein Atomwaffenprogramm voranzutreiben: Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad.

TeheranIm Streit über das iranische Atomprogramm erwägt die Islamische Republik einem hochrangigen Parlamentarier zufolge der Europäischen Union (EU) langfristig den Ölhahn zuzudrehen. Fünf bis 15 Jahre könnten sämtliche Exporte in die EU unterbunden werden, sagte Mohammad Karim Abedi der Nachrichtenagentur Fars zufolge am Sonntag.

Die EU hat unlängst ein Import-Embargo für iranisches Öl ab dem 1. Juli beschlossen, um den Iran zum Einlenken im Atomstreit zu zwingen. Mitten in der Verschärfung des Konflikts reisten Beobachter der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in den Iran. Die Regierung in Teheran steht entgegen eigener Darstellung im Verdacht, heimlich an Atomwaffen zu arbeiten.

Das Teheraner Parlament verschob am Sonntag zunächst die Debatte über ein Notgesetz, das mit sofortiger Wirkung Öllieferungen in die EU stoppen würde. Noch sei kein solcher Entwurf vorgelegt worden, sagte ein Sprecher des Energie-Ausschusses im Parlament. Es gebe aber einen Vorschlag von Abgeordneten, der ernsthaft begutachtet werde. „Wir hoffen, dass wir unsere Diskussionen bis Freitag abschließen können“, sagte der Sprecher.

Mit dem Gesetz will das zweitgrößte Opec-Ölexportland den Plan der EU vereiteln, den geplanten Importstopp erst nach sechs Monaten voll wirksam werden zu lassen. In der Übergangszeit sollen sich besonders vom iranischen Öl abhängige Länder - wie das von der Schuldenkrise ohnehin schwer angeschlagene Griechenland - der Lage anpassen können.

Die EU wird aber nach Einschätzung von Bundesaußenminister Guido Westerwelle Wege finden, um Lieferausfälle zu kompensieren. „Wir lassen uns von Drohgebärden nicht von unserem Weg der Entschiedenheit gegen eine atomare Bewaffnung Irans abbringen“, sagte Westerwelle in der „Welt am Sonntag“.

Er forderte den Iran zur Mäßigung und zum Einlenken auf. Die Verantwortlichen in Teheran hätten eine Reduzierung der Spannungen selbst in der Hand. „Beim Iran erleben wir eine ebenso bedauerliche wie gefährliche Eskalation der Worte.“ Am Sonntag erklärte der Iran, mit den geplanten EU-Sanktionen drohe der Ölpreis bis auf 150 Dollar je Barrel zu steigen. Eine Spanne von 120 bis 150 Dollar sei denkbar, sagte ein Regierungsmitglied der amtlichen Nachrichtenagentur Irna zufolge. Derzeit kostet Rohöl zu knapp 100 Dollar. Analysten zufolge könnten Ersatz-Lieferungen aus Saudi-Arabien einen iranischen Ausfuhrstopp ausgleichen. Profitieren dürften dagegen China und Indien, die mehr vom iranischen Öl zu geringeren Preisen beziehen könnten.

Kommentare (30)

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Harald

29.01.2012, 17:46 Uhr

Unter "Einlenken des Iran" versteht man wohl, das dieses Land auf sein Atomprogramm verzichten und den USA die Füsse küssen soll? Denn es kann ja nicht sein, das ein Land sich mit Waffen gegen die USA wehren kann und vor allem den Papier-US-Dollar nicht mehr akzeptiert! Die schmarotzenden Amerikaner lernen einfach nichts dazu und wollen immer noch weiter auf Kosten anderer Völker leben. Ohne was dafür zu tun außer Kriege zu führen "zum Wohle der Menschheit". Mir wird speiübel! Und scheinbar bemerken es mal wieder nur wenige Menschen!

Satiriker

29.01.2012, 17:46 Uhr

Freu mich schon, wenn ich wieder mal sonntags mit dem Fahrrad die Autobahn entlangdüsen kann.

Account gelöscht!

29.01.2012, 18:09 Uhr

Ich bin der Überzeugung, jedes souveränes Land, kann und muss frei entscheiden können, ob es sich mit der Nuklearwissenschaft beschäftigt. Von wem wurde die EU beauftragt ein Öl-Embargo gegen den Iran zu verhängen???
Ist es nicht so, dass die Kriegstreiber USA, England die Ängstlichen und ohne Rückgrat dastehenden EU-Mitgliedsstaaten zu diesem Embargo gezwungen?
Es wird wie im Fall des Irak behauptet, der Iran baue an einem Atomprogram, und dies kann sich die Weltgemeinschaft (USA) nicht gefallen lassen.
Was für ein durchsichtiges Theater der USA.
Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis entweder die Israeli oder die USA den nahen Osten in einen weiteren Krieg verwickel, und somit auch die Europäischen Staaten.
Kein souveränes Land mit Krieg überziehen, sondern in Verhandlungen einen Weg suchen.
Keinen Glauben schenken, den Lügenmärchen der USA, Englands und Israels.
Es geht nur um die Wirtschaftlichen Interessen der USA und seines engsten Verbündeten Englands.
Danke

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