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23.02.2012

17:05 Uhr

EU-Embargo

Teheran findet keine neue Öl-Kunden

VonMathias Brüggmann

Das Geschäft mit Erdöl ist lebenswichtig für Iran. Doch genau das ist mit dem Importverbot der EU massiv in Gefahr. Nun will auch Japan seine Importe reduzieren. Jetzt sucht Iran händeringend nach neuen Abnehmern.

Gasfeld in Asaluyeh, Persischer Golf. Reuters

Gasfeld in Asaluyeh, Persischer Golf.

Berlin, Asaluyeh, DubaiAm Horizont zeichnen sich die Umrisse von Tankern ab: Das Meer ist glatt wie ein Spiegel, die Sonne brennt, und ein Nebel aus Wüstensand und Chemieabgasen lässt die Szenerie gelblich flimmern. Irgendwo auf dem Festland lodern Flammen, als würden die Berge des Küstengebirges Feuer speien. Die Rauchsäulen steigen kilometerhoch in den Himmel. Wenn man ihnen entgegenfährt, werden rostige Schlote sichtbar, die aussehen wie Industrieschrott. Auf South Pars, dem größten Gasfeld der Welt, zeigt sich der Zustand von Irans Energiewirtschaft. Wo einst der französische Total-Konzern, Shell, BP und andere westliche Branchenriesen investieren wollten, sind nun zumeist iranische Öl- und Gasfirmen im Einsatz - unterstützt von technisch wenig fortschrittlichen Konzernen wie Chinas CNPC, Angolas Sonangol sowie Venezuelas PDVSA-Konzern.

Irans Öl- und Gasindustrie leidet massiv unter den immer schärferen Sanktionen des Westens. Das sei "ein regelrechter Krieg", sagte Irans Notenbankchef Mahmud Bahmani. "Diese Sanktionen haben eine Lage geschaffen, die sogar weit härter ist als ein physischer Krieg."

Und die Lage spitzt sich immer weiter zu. Wie die Wirtschaftszeitung „Nikkei“ ohne Angabe von Quellen berichtet, erwägt Japan, die die Rohöl-Importe aus dem Iran um mehr als 20 Prozent jährlich zu kürzen. Mit dem Schritt wolle das Land Strafmaßnahmen umgehen. Japan wolle sich mit den USA noch vor dem Monatsende auf den Schritt verständigen. Als Gegenleistung für die Reduzierung der Erdöleinfuhren sollen die japanischen Finanzinstitute, die Geschäfte mit dem Iran abwickeln, nicht unter die US-Sanktionen gegen die Islamische Republik fallen. Ein harter Schlag. Denn mit 327.000 Barrel Öl pro Tag ist Japan der zweitgrößte Kunde Irans.

Der durch die Sanktionen erzwungene westliche Investitionsstopp hat bereits dazu geführt, dass die Ölproduktion des zweitgrößten Opec-Förderlands von über vier Millionen Barrel (je 159 Liter) am Tag 2009 auf 3,6 Millionen Fass täglich (mbpd) gefallen ist. Im laufenden Jahr rechnen Iran-Experten mit einem weiteren Rückgang um neun Prozent. Grund: "Irans Ölindustrie bekommt nicht genügend Investitionen", meint Robin Mill, Ölanalyst in den Vereinigten Arabischen Emiraten. "Wenn weiter keine Investitionen fließen, wird das Bild immer trüber."

Aber das Regime lässt seine Muskeln spielen. Statt abzuwarten, bis das von der EU beschlossene Importverbot für iranisches Rohöl ab 1. Juli greift, hat Teheran bereits jetzt Frankreich und England den Ölhahn zugedreht.

Kommentare (24)

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kleinerMann

23.02.2012, 17:54 Uhr

Sehr geehrter Herr Brückner,
im Bericht "Wirtschaftskrieg Iran sitzt in der Falle" wurde die Kommentarfunktion deaktiviert. Warum? Kommen Sie mit Kritik nicht klar Herr Brückner?

Account gelöscht!

23.02.2012, 18:12 Uhr

Es ist auffallend, dass hier einseitige Wirtschaftskriegs-Propaganda geführt wird. Es gibt eine iranisches Atomprogramm. Es gibt kein iranisches Atombombenprogramm. Basta. Der ganze Zauber ist nichts als eine übelriechende Wiederholung der Kriegstrommeln gegen Saddam Husseins "Massenvernichtungswaffen". Ich finde diese Gleichschaltung für eine liberale Wirtschaftszeitung unwürdig. Warum wird nicht erläutert, worum es wirklich geht? Stichwort: Petrodollar.

Account gelöscht!

23.02.2012, 18:20 Uhr

Es ist schlimm, dass Teheran keine neuen Oel-Kunden findet. Aber noch schlimmer ist es, dass ich keine Kommentare mehr zu "Iran sitzt in der Falle" finde. Alle weg ;-)

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