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10.01.2007

07:45 Uhr

EU-Energiebericht

EU will mehr Atomkraftwerke

Die EU-Kommission tritt Medienberichten zufolge mit Nachdruck für den Ausbau der Atomenergie in Europa ein und stärkt damit den Befürwortern in der neu aufgeflammten Debatte um Kernkraft in Deutschland den Rücken.

Die deutschen Befürworter der Atomenergie erhalten Unterstützung aus Brüssel. Einem Medienbericht zufolge tritt die EU für den Ausbau der Atomenergie ein. Foto: AP

Die deutschen Befürworter der Atomenergie erhalten Unterstützung aus Brüssel. Einem Medienbericht zufolge tritt die EU für den Ausbau der Atomenergie ein. Foto: AP

HB BERLIN. Dies berichtete die „Frankfurter Rundschau“. Wenn sich an der gegenwärtigen Entwicklung bei Stromverbrauch und Energiemix nichts ändere, werde die Europäische Union (EU) im Jahr 2030 bis zu 65 Prozent ihres Energiebedarfs importieren müssen, heißt es im Energiebericht der EU-Kommission, der der Zeitung vorliege. Er wird heute in Brüssel vorgestellt.

Trotz „erheblicher Probleme beim Handhaben des nuklearen Abfalls und der Endlagerung“ bezeichnet die Kommission darin die Atomenergie als kostengünstigste Form, Strom zu erzeugen, ohne die Umwelt durch Treibhausgase zu belasten. Die EU-Kommission prognostiziert dramatische wirtschaftliche Folgen, wenn der Klimawandel nicht gebremst werde. In ihrer Klimastudie, die ebenfalls am Mittwoch vorgelegt wird, warnt sie nach Informationen des Blattes, die Zahl der Hitze- und Kältetoten werde sich um bis zu 36 000 beziehungsweise 86 000 Menschen erhöhen, sollte sich das globale Klima bis 2071 im Durchschnitt um 2,2 bis drei Grad Celsius im Vergleich zu 1990 erwärmen. Die Ernteerträge könnten in Südeuropa um mehr als ein Fünftel zurückgehen.

Nach Angaben von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) setzt die EU-Kommission für Europas künftige Energiepolitik gleichzeitig verstärkt auf erneuerbarer Energien. Bei der Vorstellung ihrer Energie-Strategie am heutigen Mittwoch wolle die Kommission den Ausbau erneuerbarer Energien um 20 Prozent bis 2020 erstmals als verbindliches Ziel festlegen, sagte Gabriel in Berlin.

Vor dem Hintergrund der unterbrochenen Öllieferungen aus Russland forderte auch Gabriel den Ausbau erneuerbarer Energien. Die Entwicklung von Biokraftstoffen müsse verstärkt werden, sagte er der „Financial Times Deutschland“. Kraftstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen sollten mit deutscher Technik entwickelt werden. Künftig könnten sie Benzin und Diesel schrittweise ersetzen.

In der neu aufgeflammten Debatte um eine Revision des deutschen Atomausstiegs kritisierte Gabriel Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU), weil dieser Atomenergie auch als Ausgleich für den Lieferstopp bei russischem Öl verlange. „Hier geht es nur darum, mit der Angst der Bevölkerung die wirtschaftlichen Interessen der Atomindustrie zu betreiben“, sagte Gabriel. „Was hat eigentlich Öl mit Atomstrom zu tun?“ Ölimporte brauche man zur Herstellung von Kraftstoffen. Atomkraftwerke seien dagegen zur Stromproduktion da.

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