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07.04.2011

16:39 Uhr

EU-Finanzhilfen

Portugal hat Angst vor der Zukunft

Die Hilfe aus Brüssel kommt. Aber für die meisten Portugiesen ist das kein Grund zum Feiern. Im Gegenteil: Man blickt am Tejo in eine düstere Zukunft. Das Land ist strukturschwach und kaum wettbewerbsfähig.

Die portugiesische Flagge am Gebäude des portugiesischen Finanzministeriums in Lissabon. Quelle: dapd

Die portugiesische Flagge am Gebäude des portugiesischen Finanzministeriums in Lissabon.

LissabonWeltuntergangsstimmung statt Erleichterung: Nach dem Hilfsantrag an die EU hat in Portugal erst recht das große Zittern eingesetzt. Die Auflagen für die Kredite aus Brüssel würden die Rezession dramatisch verstärken und das ärmste Land Westeuropas ins Grab bringen, warnten nicht nur linke Politiker am Donnerstag. Auch Konservative, Unternehmer und der einfache Bürger blicken düsterer denn je in die Zukunft. „Da kommt ein Tsunami auf uns zu“, räumte auch der Staatssekretär für Industrie, Carlos Zorrinho, ein.

„Hilfe“, titelte am Donnerstag die seriöse Zeitung „Público“ in riesigen Lettern eindeutig zweideutig auf Seite Eins. Alle Portugiesen sind sich darüber im Klaren, das nach den drastischen Sparmaßnahmen der vergangenen 15 Monate nun weitere große Opfer zu erbringen sind. Die große Frage aber ist, ob Portugal ähnliche Kraftakte leisten kann wie etwa Irland oder Griechenland. Die meisten Experten bezweifeln das.

Portugal benötigt Wachstum, ist aber, im Gegensatz zu anderen EU-Sorgenkindern, strukturschwach und kaum wettbewerbsfähig. Das Mindestgehalt in Irland liegt zum Beispiel bei über 1400 Euro, in Portugal bei mageren 475 Euro. Und das, obwohl die Portugiesen nach einer jüngsten Studie etwa für Medikamente mit die höchsten Beträge der EU zahlen müssen. „Immer mehr Menschen kommen zu uns, weil sie sich entscheiden müssen, ob sie Lebensmittel oder Medikamente kaufen“, erzählt eine Sprecherin des Wohlfahrtverbandes Cáritas Portugal.

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