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18.10.2011

18:33 Uhr

EU-Gesetz

Verbot von Spekulation auf Staatspleiten

Bestimmte Wetten auf eine Verschärfung der Euro-Krise will die EU untersagen. Ein Gesetz soll ungedeckte Kreditausfallversicherungen auf Staatsanleihen verbieten, doch es gibt eine Ausstiegsklausel.

Das Gesetz soll möglichst bald von den EU-Mitgliedstaaten verabschiedet werden. dpa

Das Gesetz soll möglichst bald von den EU-Mitgliedstaaten verabschiedet werden.

BrüsselDie Europäische Union will den Finanzmärkten bestimmte Wetten auf eine Verschärfung der Euro-Krise untersagen. Wie zwei EU-Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters sagten, steht die Gemeinschaft vor einem Verbot von Geschäften mit ungedeckten Kreditausfallversicherungen (CDS), mit denen etwa Hedge Fonds auf eine Staatspleite Griechenlands und anderer Länder spekulieren können. Allerdings soll EU-Staaten eine
Ausstiegsklausel vorbehalten bleiben, falls sie durch die neuen Regeln Schaden für ihren Anleihenmarkt befürchten.

Wie die EU-Mitarbeiter sagten, ebnet die Ausstiegsklausel nun den Weg für einen Kompromiss und damit eine Verabschiedung des Gesetzes, das seit Monaten wegen Differenzen zwischen den EU-Staaten und dem Europäischen Parlament festhängt. Beide Seiten wollten noch am Dienstag letzte Details dazu festzurren.

„Der letzte Punkt der Verhandlungen bezieht sich auf das Verbot von ungedeckten CDS, die nur zur Spekulation genutzt werden“, sagte der französische Grünen-Politiker Pascal Canfin, der das Verhandlungsteam der Abgeordneten leitet. Das Parlament hat sich bereits für ein Verbot der Papiere ausgesprochen. Den Staaten ging dieser Schritt jedoch bislang zu weit.

Mit ungedeckten Kreditausfallversicherungen können Investoren eine Versicherung gegen den Zahlungsausfall von Staatsanleihen abschließen, ohne diese Anleihen überhaupt selbst zu besitzen. Einige Experten machen solche Finanzwetten mitverantwortlich für die Turbulenzen den Märkten. Hedgefonds und andere Investoren sagen dagegen, der Markt für Kreditausfallversicherungen sei viel zu klein, um damit die Preise für die zugrundeliegenden Staatsanleihen zu beeinflussen.

Von

rtr

Kommentare (6)

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SvenMeyer

18.10.2011, 20:11 Uhr

Ungedeckte Kreditausfallversicherungen gegen Ausfall von Staatsanleihen die man nicht besitzt ist ist so als könnten Ihre Nachbarn sich dagegen versichern, dass ihr Haus abbrennt (das sie gar nicht besitzen) - aber wenn es abbrennt, dann bekommen ihre Nachbarn das Geld von der Versicherung. Könnten Sie dann noch ruhig schlafen? (siehe Tagesausblick von Dirk Müller auf www.cashkurs.de vom 18.10.2011)

Rene

18.10.2011, 21:04 Uhr

Es verstehen einige immer noch nicht! Damt sind die Staatsschulden auch nicht beseitigt.

Es wird nur an den Symptomen gearbeitet.

Es wird alles nichts helfen. Die Staatshaushalte müssen ausgeglichen und die Schulden abgebaut werden...

Account gelöscht!

18.10.2011, 21:37 Uhr

Da packt die Politik ja mal ein ganz heißes Eisen an!

Auch wenn ungedeckte CDS Versicherungen moralisch höchst bedenklich sind, so handelt es sich dennoch um Verträge die legal zustande gekommen sind.

Ein Verbot kommt somit einer Enteignung einer der beiden Vertragsparteien gleich. In einem Rechtsstaat ist sowas eigentlich ein sehr schlechter Weg. Akzeptabel wäre hier lediglich eine echte Rückabwicklung der CDS Verträge und ein anschließendes Verbot. D.h. der CDS Verkäufer müsste sowohl die Verkaufsgebühr als auch die Prämien an den Käufer zurückzahlen.

Oder man nutzt den ESFS und bietet den Marktteilnehmern an ihre ungedeckten CDS an diesen zu verkaufen. Anleihen hat der ESFS ja schon und so hätte er am Ende aus den ungedeckten gedeckte CDS gemacht ;)

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