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31.01.2012

08:08 Uhr

EU-Gipfel

Griechenland muss jetzt liefern

Die Verhandlungen um die Griechenland-Rettung ziehen sich. Doch jetzt erhöht die EU nochmals den Druck. Griechenlands Ministerpräsident Papademos schließt derweil nicht aus, dass sein Land weitere Finanzhilfen braucht.

Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker fordert Griechenland auf, besser zu sparen. Reuters

Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker fordert Griechenland auf, besser zu sparen.

Brüssel, BerlinEurogruppenchef Jean-Claude Juncker hat Griechenland nach dem EU-Gipfel zu einer konsequenten Umsetzung seiner Sparpolitik aufgefordert. Die Partner hätten von dem hoch verschuldeten Land gefordert, nun Nägel mit Köpfen zu machen, sagte der luxemburgische Ministerpräsident am Dienstag im Deutschlandfunk. Allerdings sehe er die von Deutschland ins Gespräch gebrachte Notwendigkeit eines europäischen Sparkommissars für Griechenland nicht. Zugleich äußerte Juncker die Erwartung, dass Griechenland bis zum Ende Woche eine Einigung mit seinen privaten Gläubigern erreichen wird.

Nach dem EU-Gipfel in Brüssel hatte Juncker noch in kleiner Runde über die Lage des hochverschuldeten Griechenlands mit anderen Regierungschefs beraten. Bei dem Treffen sei keine Entscheidung getroffen worden, sagte Juncker. Nach Angaben von EU-Diplomaten nahmen an der Sitzung neben Juncker und dem griechischen Regierungschef Lukas Papademos auch EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso teil.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wurde demnach durch den Deutschen Jörg Asmussen vertreten. Papademos habe die Runde über die Gespräche der griechischen Regierung mit der sogenannten Troika informiert, sagte Juncker. Die Troika setzt sich aus Experten von EZB, EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds (IWF) zusammen, die in Griechenland die Umsetzung der vereinbarten Spar- und Reformmaßnahmen prüft. Von dem Ergebnis der Troika-Prüfung und den Verhandlungen der griechischen Regierung mit ihren privaten Gläubigern über einen Schuldenschnitt hängt auch die Größe des zweiten Hilfspakets der Euro-Länder und des IWF für das Land ab.

Die Gläubiger Griechenlands (Stand: Januar 2012)

Kredite

Das Volumen der Kredite beläuft sich insgesamt auf 92 Milliarden und teilt sich folgendermaßen auf:

IWF: 20 Milliarden

Euro-Länder: 53 Milliarden

Sonstige: 19 Milliarden

Staatsanleihen

Gesamt: 260 Milliarden Euro, davon 55 Milliarden Euro bei der EZB

Bei griechischen Banken

40 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Bei anderen europäischen Banken

40 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Bei griechischen Sozialversicherungsfonds

30 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Bei europäischen Versicherungen

15 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Bei Fonds

Bei Investment-, Staats-, Pensions- und Hedgefonds sind es 70 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Juncker sagte zu Journalisten, er erwarte, dass in den Verhandlungen noch ein gutes Ergebnis erreicht werde. „Wenn ich nicht zuversichtlich wäre, hätten Sie schon vor Monaten über meinen Selbstmord berichten können“, sagte der Eurogruppen-Chef.

Kommentare (25)

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31.01.2012, 09:55 Uhr

Irgendwie scheinen die Deppen selbst nach Jahren nicht verstanden zu haben dass dieses Land völlig pleite ist.

delvaux.leopold@skynet.be

31.01.2012, 10:05 Uhr

Als Belgier und Europa Burger ich finde ihre Zusammenfassung der Gipfel absolut beispielgebend. Ihre Artikel und Kommentar geben einer sehr objektiven und gleichzeitig erzieherischen Sicht. Ich wünsche das jeder in andere Länder von Europa könnte es lesen. Die würden viel besser verstehen den Standpunkt von A. Merkel , Juncker … und andere Politiker die sich bemühen eine Lösung zu finden.L.Delvaux de Fenffe

mx1

31.01.2012, 10:09 Uhr

Nicht nur völlig pleite, sondern auch unmöglich die notwendigen Reformen durhzuführen. Solange weiter Geld fließt, und das wird es de nächsten 20 Jahre (mind.), wird sich hier nichts wirklich ändern.

Geldhahn zu, dann dürfte es etwas schneller gehen. Nach den Reformen, kann man die griech. Wirtschaftbeim Wiederaufbau unterstützen. Vorher versickert alles.

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