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08.06.2012

11:45 Uhr

EU-Haushalt

Wer füllt die europäischen Kassen?

VonThomas Ludwig

Die Wirtschaftskraft eines Landes ist ausschlagegebend für ihren Beitrag zum EU-Haushalt. Zieht man jedoch die Bevölkerungsgröße mit hinzu, ergibt sich ein ganz anderes Bild. Wer finanziert die EU wirklich?

Deutschland zahlt aktuell am meisten in die europäischen Kassen ein. dpa

Deutschland zahlt aktuell am meisten in die europäischen Kassen ein.

Düsseldorf/BerlinDer Beitrag der Mitgliedstaaten zum EU-Haushalt bemisst sich vor allem an ihrer Wirtschaftskraft. Darum zahlt Deutschland die mit Abstand höchste Summe in die Kassen der Europäischen Union ein. 2010 überwies die Bundesrepublik 23,8 Milliarden Euro nach Brüssel. Das waren rund 9,2 Milliarden Euro mehr, als sie über Strukturhilfen und andere Fördermittel zurückerhielt. In der Liste der großen Nettozahler folgten hinter Deutschland zuletzt Großbritannien mit 5,6 Milliarden Euro, Frankreich mit 5,5 und Italien mit 4,5 Milliarden Euro. Zahlen für 2011 fehlen noch.
Bezieht man die Zahlungen auf die Bevölkerung, ergibt sich jedoch ein anderes Bild. Dann zahlte ein durchschnittlicher Belgier mit 135 Euro am meisten in die EU, gefolgt von den Schweden mit 130 und den Deutschen mit 113 Euro. Die Steigerungsraten sind jedoch enorm: 2004 zahlte ein Bundesbürger erst 73 Euro an Brüssel.

Rechnet man die Nettozahlungen des vergangenen Jahrzehnts zusammen, dann liegt Deutschland mit einem Beitrag von insgesamt 79 Milliarden Euro unangefochten an der Spitze. Der zweitgrößte Nettozahler Frankreich zahlte mit 34 Milliarden Euro nicht einmal halb so viel. Größter Nettoempfänger der Jahre 2000 bis 2010 war Spanien mit über 60 Milliarden Euro vor Griechenland.
Die Bundesregierung will nun aber verhindern, dass ihre Leistungen an Brüssel einfach immer weiter steigen und der deutsche Anteil immer höher wird. Derzeit laufen die Verhandlungen zwischen den Staaten, dem EU-Parlament und der Kommission über den neuen siebenjährigen Finanzrahmen für die Zeit von 2014 bis 2020 auf Hochtouren. Die Kommission will das Budget um fünf Prozent im Jahr steigern, womit seine Obergrenze erstmals die Ein-Billion-Euro-Marke überschreiten würde. Das kritisieren Haushaltspolitiker in Berlin als fernab der Realität. Sie wollen, ebenso wie andere Nettozahler, den neuen Sieben-Jahres-Etat um mindestens 100 Milliarden Euro senken.

Kommentare (3)

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EuroSkeptiker

08.06.2012, 13:08 Uhr

schön zu wissen, wer die größten Netteozahler sind.

Aber wer seind die größten Nettoempfänger und das seit Jahren.

ich tippe mal auf ....

DIE GRIECHEN ??

Bingo !!!!!!

noch irgendwelche Fragen ?

Wirtschaftler

08.06.2012, 14:52 Uhr

... Zitat: "schön zu wissen, wer die größten Netteozahler sind."

Und da wir ja nun wissen, dass die Belgier mit 135 €/Kopf den größten Beitrag liefern, die Schweden mit 130 €/Kopf an 2. Stelle stehen und die Deutschen mit nur 113 €/Kopf erst an 3. Stelle folgen, können wir uns beruhigt wieder an die Arbeit machen und die paar Cent, die uns der EU-Haushalt täglich kostet, in wenigen Minuten erarbeiten.

Schön, dass dieses Märchen vom ach so armen deutschen Zahlmeister der EU endlich beerdigt wird.

so_what

08.06.2012, 16:15 Uhr

Target2-Forderungen der Bundesbank wachsen im Mai beschleunigt

Die Forderungen der Deutschen Bundesbank gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB) im Rahmen des Zahlungsverkehrssystems Target2 haben im Mai wieder stärker zugenommen. Wie aus Daten der Bundesbank hervorgeht, beliefen sie die Forderungen der Bundesbank gegenüber der EZB per 31. Mai 2012 auf 698,6 Milliarden Euro gegenüber 644,2 Milliarden Euro Ende April.

Die Target-Forderungen nahmen damit um 8,4 Prozent zu, nachdem sich der Zuwachs im April auf 4,6 Prozent belaufen hatte und im März auf 12,5 Prozent.

Die Target2-Salden der nationalen Zentralbanken des Eurosystems gegenüber der EZB spiegeln derzeit vor allem die erhöhte Nachfrage nach Zentralbankgeld in den südlichen Ländern des Euroraums. Spanische, italienische oder griechische Banken erhalten immer weniger Kredite aus nordeuropäischen Ländern, die sie zur Finanzierung ihrer Leistungsbilanzdefizite normalerweise bräuchten. Da sie aber dem Euroraum angehören, haben sie Zugang zur Refinanzierung über die EZB, die auf diese Weise die private Kreditvergabe ersetzt.

Verbindlichkeiten und Forderungen von Defizit- und Überschussländern werden bei der EZB saldiert, wobei sich für Deutschland ein stetig steigender Forderungsbetrag ergibt.
Die Deutsche Bundesbank betrachtet die Zunahme der Target-Forderungen als Ausdruck der Unterschiede in der Wettbewerbsfähigkeit der Eurozone-Länder.
Sie ist dafür, wieder strengere Regeln für den Zugang zu Zentralbankgeld einzuführen. Auf diese Weise würde die Menge des über Target2 umzuverteilenden Geldes begrenzt.

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