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20.11.2014

15:54 Uhr

EU-Kandidat

Tauziehen zwischen EU und Russland um Serbien

Serbien in der Zwickmühle: EU-Kandidat und enger russischer Verbündeter – passt das unter einen Hut? Brüssel und Moskau machen Druck. Wie lange kann Belgrad diesem Druck noch standhalten?

Der serbische Regierungschef Aleksandar Vucic will gerne der EU beitreten, sich den Sanktionen gegen Russland aber nicht anschließen. Reuters

Der serbische Regierungschef Aleksandar Vucic will gerne der EU beitreten, sich den Sanktionen gegen Russland aber nicht anschließen.

BelgradNach der Warnung von Bundeskanzlerin Angela Merkel vor einem zu großen Einfluss Russlands in Serbien wollen Brüssel und Moskau das Balkanland auf die jeweilige Seite ziehen. Der EU-Nachbarschaftskommissar Johannes Hahn forderte, der EU-Kandidat müsse sich den EU-Sanktionen gegen Russland wegen der Ukrainekrise anschließen. „Serbien ist dazu rechtlich verpflichtet“, sagte er der Belgrader Zeitung „Novosti“ (Donnerstag). Demgegenüber kritisierte der russische Außenpolitiker Alexej Puschkow die EU: „Tatsächlich erpresst man Serbien“.

Der serbische Regierungschef Aleksandar Vucic bekräftigte dagegen am Donnerstag noch einmal, sein Land wolle zügig der Union beitreten, aber keine Sanktionen gegen seinen engen Freund Russland einführen. Kritik am Druck der EU übte auch der russische Außenamtssprecher Alexander Lukaschewitsch: „Falls unsere europäischen Kollegen andere Länder zwingen sollten, sich der Sanktionskampagne und dem Druck gegen Russland anzuschließen, wäre das eine Methode, die zivilisierten Ländern fremd ist“.

So steht EU-Kandidat Serbien wirtschaftlich da

Wachstum

Mit zwei Prozent wächst Serbien im zu Ende gehenden Jahr so schnell wie kaum ein anderes europäisches Land. Allerdings dürfte sich der Wert nach einer Prognose der Regierung 2014 halbieren. Ein Grund dafür ist der Sparzwang des Staates. Die hohe Inflation von rund 8,5 Prozent drückt die Kaufkraft, weshalb der private Konsum, der für drei Viertel des Bruttoinlandsproduktes steht, schrumpften dürfte.

Wettbewerbsfähigkeit

Im Standortvergleich des Weltwirtschaftsforums kommt Serbien gerade einmal auf Rang 101 - hinter Ländern wie Nicaragua und Guatemala. Als größte Probleme gelten Korruption, übermäßige Bürokratie, ein schlechter Zugang zu Krediten sowie eine instabile Regierung und eine oft mangelhafte Infrastruktur. Pluspunkte sind günstige Lohnkosten und attraktive Steuersätze. Transparency International listet Serbien in seinem Korruptionswahrnehmungsindex auf Platz 72 und damit hinter Staaten wie Lesotho oder Namibia.

Finanzen

Um die Finanzen des osteuropäischen Landes ist es nicht besonders gut bestellt. Die Neuverschuldung dürfte der Regierung zufolge im kommenden Jahr bei 7,1 Prozent der Wirtschaftskraft liegen und damit die höchste in der Region sein. Die EU-Regeln erlauben eigentlich nur drei Prozent. Der Schuldenberg dürfte auf knapp 66 Prozent des Bruttoinlandsproduktes anwachsen. Hier sieht die EU ein Limit von 60 Prozent vor, das aber auch vom wirtschaftlich robusten Deutschland und vielen anderen Ländern weit übertroffen wird.

Handel mit Deutschland

Deutschland ist der wichtigste Handelspartner des Balkan-Staates. 2012 wurden Waren im Wert von 1,5 Milliarden Euro dorthin geliefert, die Importe lagen bei knapp einer Milliarde Euro. Deutschland bezieht vor allem Elektrotechnik, Maschinen und Nahrungsmittel aus Serbien. Geliefert werden vor allem Fahrzeuge, Maschinen und Chemieprodukte.

Für Unmut in westlichen Ländern hatten in den vergangenen Wochen Berichte gesorgt, Serbien wolle die verringerten EU-Nahrungsmittellieferungen nutzen, um seine Exporte nach Russland deutlich zu erhöhen. Die Boulevardzeitung „Kurir“ titelte am Donnerstag: „Letzte Ermahnung. Vucic, wähle: EU oder Russland!“

Von

dpa

Kommentare (6)

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Herr Otto Pankrath

20.11.2014, 16:29 Uhr

und die EU macht die gleichen Fehler immer und immer wieder...
wieso denn EU oder Russland?!
Serbien ist noch nicht mal Teil der EU und wird bereits bevormundet...

Herr Peter Weber

20.11.2014, 16:38 Uhr

Wieviele Milliarden muß der Deutsche Steuerzahler wieder einmal bezahlen und was wird es dann an weiteren, laufenden Subventionen/Krediten noch kosten?

Deutschland wird zur Zahlstelle für die ganze Welt!

Herr Nob Wahl-Strahl

20.11.2014, 16:40 Uhr

Nuland: Fuck the EU , dem ist nichts hinzu zufügen!

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