Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.10.2017

15:06 Uhr

EU-Kommission

Brüssel will Mehrwertsteuersystem radikal verändern

Mit einer Mehrwertsteuerreform will die EU-Kommission Schlupflöcher schließen. Pro Jahr gehen den Staaten allein 50 Milliarden Euro durch Betrug verloren. Damit die Vorschläge Gesetz werden, müssen alle Länder zustimmen.

Brüssel will das Mehrwertsteuersystem grundlegend verändern dpa

Europaflaggen in Brüssel

Die EU-Kommission will Steuerbetrug vermeiden und die Gesetze ändern.

StraßburgAngesichts ausufernden Steuerbetrugs soll das Mehrwertsteuersystem in Europa nach dem Willen der EU-Kommission radikal reformiert werden. So soll die Mehrwertsteuerbefreiung für grenzüberschreitenden Handel zwischen Unternehmen in unterschiedlichen EU-Staaten aufgehoben werden, wie die Brüsseler Behörde am Mittwoch mitteilte.

Stattdessen sollen die Steuerbehörden des Ursprungslandes die Mehrwertsteuer erheben, dabei aber den Mehrwertsteuersatz des Ziellandes berechnen. Die eingesammelte Summe soll dann an die Behörden des Landes überwiesen werden, in dem die Güter letztlich genutzt beziehungsweise verbraucht werden.

Amazon und Apple müssen nachzahlen: EU-Kommission wird zum Steuereintreiber

Amazon und Apple müssen nachzahlen

EU-Kommission wird zum Steuereintreiber

Amazon muss 250 Millionen Euro Steuern in Luxemburg nachzahlen. Das Land habe dem US-Konzern unzulässige Steuernachlässe gewährt, urteilt die EU-Kommission. Auch im Fall von Apple in Irland macht die EU Druck.

Die bestehenden Mehrwertsteuerregelungen sind weitgehend seit knapp 25 Jahren in Kraft. Nach Angaben der EU-Kommission gehen den EU-Staaten durch Steuervermeidung, Betrug und Insolvenzen Einnahmen von mehr als 150 Milliarden Euro jährlich verloren. Allein durch grenzüberschreitenden Mehrwertsteuerbetrug entgehen den öffentlichen Kassen demnach etwa 50 Milliarden Euro pro Jahr.

Beim Mehrwertsteuerbetrug kaufen Firmen Güter in einem anderen Land, ohne dass Mehrwertsteuer berechnet wird. Wenn die Waren dann weiterverkauft werden, schlagen die Betrüger Mehrwertsteuer auf den Preis auf. Anstatt die Summe an die Behörden abzuführen, kassieren die Firmen sie als Zusatzgewinn. Teils werden dafür Scheinfirmen eingesetzt.

Damit die Vorschläge Gesetz werden können, müssten die EU-Staaten einstimmig zustimmen.

Von

dpa

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Michael Müller

04.10.2017, 15:59 Uhr

Endlich einmal ein vernünftiges Vorhaben, das Brüssel ändern will. Sehen wir mal was rauskommt dabei.

Grundsätzlich will die Mehrheit auch die völlig unsinnige Umstellung Sommer-/Winterzeit abschaffen. Das zieht sich auch schon sehr viele Jahre hin. Von der Harmonisierung der Erbschaftssteuer, bei welcher der Deutsche Mittelstand im Vergleich zu europäischen Mitbewerbern ausgeblutet wird, mal ganz zu schweigen. Und der ständige Nonsens--Umzug der EU-Parlaments von Brüssel nach Straßbourg und zurück ist auch schon seit Jahren bekannt.

Man sieht: Bei der EU liegen zwischen Erkenntnis eines Mißstandes und der Behebung oftmals JAHRZEHNTE!

Herr Peter Spiegel

04.10.2017, 17:06 Uhr

Nur keine Änderungen, sonst braucht mach einer ein anderes Geschäftsmodel. .

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×