Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.04.2015

18:25 Uhr

EU-Kommission

Kaum noch Wachstum in Griechenland

Im Winter ging die EU-Kommission noch davon aus, dass das laufende Rettungspaket für Athen erfolgreich abgeschlossen werden könne. Nun hat sie Zweifel daran. Die Wachstumsprognose wird deutlich nach unten korrigiert.

Die Statue des griechischen Philosophen Sokrates, im Hintergrund die Nationalflagge: Am Freitag hat das griechische Parlament ein Dekret gebilligt, das öffentliche Einrichtungen und Behörden zur Überweisung ihrer Finanzreserven an die Zentralbank verpflichtet. ap

Sokrates-Statue

Die Statue des griechischen Philosophen Sokrates, im Hintergrund die Nationalflagge: Am Freitag hat das griechische Parlament ein Dekret gebilligt, das öffentliche Einrichtungen und Behörden zur Überweisung ihrer Finanzreserven an die Zentralbank verpflichtet.

DüsseldorfDie EU-Kommission will die Wachstumsprognose für Griechenland deutlich nach unten korrigieren. „Im Winter haben wir 2,5 Prozent Wachstum in Griechenland für dieses Jahr erwartet. Unsere Frühjahrsprognose für Griechenland wird pessimistischer ausfallen“, sagte der für die Euro-Zone zuständige Vizepräsident der EU-Kommission Valdis Dombrovskis dem Handelsblatt (Montagsausgabe).

Bei ihrer Winter-Prognose sei die Kommission noch davon ausgegangen, dass das laufende Rettungsprogramm für Griechenland erfolgreich abgeschlossen werden könne. Dies sei jetzt unsicher geworden, hieß es im Umfeld des Kommissars. Wachstumsprognosen für Griechenland seien daher jetzt mit großen Unsicherheiten behaftet.

Zahlen und Fakten zum griechischen Schuldendrama

Zwei Rettungspakete

Ausgezahlt wurden bis Anfang Februar: aus dem ersten Paket bilaterale Kredite der Europartner über 53 Milliarden Euro, aus dem zweiten Paket 141 Milliarden Euro.

Schuldenberg

Trotz eines Schuldenschnitts 2012 umfasste er nach zuletzt verfügbaren Zahlen immer noch rund 315 Milliarden Euro. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt sollen die Schulden von bislang über 170 Prozent bis auf 112 Prozent im Jahr 2022 gedrückt werden.

Laufzeiten

Die Hilfskredite unter dem Euro-Rettungsschirm EFSF haben jetzt schon eine durchschnittliche Laufzeit von rund 32 Jahren. Die ohnehin niedrigen Zinsen werden erst von 2022 an fällig. Auch die Tilgung beginnt beim EFSF erst 2022.

Verlängerung

Das laufende Kredithilfsprogramm der Europäer wurde bereits bis Ende Februar verlängert. Eine weitere Verlängerung müsste von Athen beantragt werden. Parlamente einiger Staaten müssten aber zustimmen. Es stehen im Programm noch 1,8 Milliarden Euro bereit.

Weitere Hilfen

Eine angedachte vorbeugende Kreditlinie von rund 11 Milliarden Euro soll es bislang nur dann geben, wenn das laufende Rettungsprogramm abgeschlossen ist, also die Spar- und Reformauflagen erfüllt werden. Seit kurzem dürfen griechische Banken keine Staatsanleihen des Landes mehr als Sicherheiten für Geld der Europäischen Zentralbank (EZB) hinterlegen. Vorerst bekommen die Banken noch Notkredite (ELA) der griechischen Notenbank. Dem Vernehmen nach hat der EZB-Rat bislang ein ELA-Volumen von bis zu 65 Milliarden Euro bewilligt.

Mit Sorge blickt Dombrovskis auf die finanzielle Lage Griechenlands. „Natürlich wissen wir, dass die Liquiditätssituation in Griechenland immer schwieriger wird“, sagte er.

Von

rut

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Klaus Hofer

27.04.2015, 09:16 Uhr

Woher soll denn in einem Land, in dem mehr als jeder vierte Arbeitnehmer direkt oder indirekt für den Staat arbeitet, Wirtschaftswachstum kommen ? Trotz des überbordenden Verwaltungsapparates zeichnet sich Griechenland durch eine total ineffiziente Administration aus und verfügt nicht einmal über ein geordnetes Katasterwesen. Jede unternehmerische Initiative wird durch eine ausufernde Bürokratie und Korruption auf allen Ebenen behindert. Wer Griechenland aus eigener Anschauung kennt, wundert sich nicht, daß eine Vielzahl von Griechen gerade aus diesen Gründen ihrem eigenen Land den Rücken gekehrt haben - und dies übrigens nicht erst seit der jüngsten Krise.
.

Herr Ingo Ulrich

27.04.2015, 10:17 Uhr

"Kaum noch Wachstum..."

Das ist unsere Qualität in Politik und Medien ! Einfach nicht zu fassen !

Herr Joachim Buch

27.04.2015, 11:03 Uhr

Wen wundert das? Mich nicht. Demnächst soll’s ja wieder mal Neuwahlen geben - dann wird das Problem vertagt, dann ist es wieder eng, dann werden Listen vorgelegt, deren dürftige Inhalte nicht umgesetzt werden, dann wird gerade das von der EU überwiesen, was nötig ist, um Griechenland bis zum nächsten Termin zu "retten" - und alles ist fern jeder Verträge, jeder Abmachung und vor allem gegen die Verfassung.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×