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16.10.2015

03:21 Uhr

EU kritisiert Russland

Frieden in Syrien nur ohne Assad möglich

Beim EU-Gipfel in Brüssel ist auch die politische Lösung des Syrienkonflikts Thema. Ein Frieden mit Assad ist laut den Regierungschefs nicht möglich. Angela Merkel mahnte, dass ein „ein langer Atem“ notwendig sei.

„Assad nicht die Zukunft“: Laut François Hollande ist ein Frieden für Syrien nur ohne Assad möglich. AFP

Francois Hollande

„Assad nicht die Zukunft“: Laut François Hollande ist ein Frieden für Syrien nur ohne Assad möglich.

Die EU-Staats- und Regierungschefs haben auf ihrem Gipfel ihren vollen Einsatz bei der Suche nach einer politischen Lösung des Syrienkonflikts zugesagt. Die Regierung von

Machthaber Baschar al-Assad trage „die größte Verantwortung“ für die 250.000 Bürgerkriegstoten, heißt es in der Gipfelerklärung. Mit Assad könne es daher auch keinen „dauerhaften Frieden“ geben. Frankreichs Präsident François Hollande, dessen Land Teil der US-geführten Koalition ist, die Luftangriffe auf Extremisten in Syrien fliegt, bestand darauf, dass „Assad nicht die Zukunft sein kann“. Die russische Intervention könne „das Regime festigen, aber nicht das Schicksal von Baschar retten“.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mahnte, für eine Überwindung des Konflikts sei „ein langer Atem“ notwendig. Sie hatte sich - anders als Hollande - für Gespräche mit Assad im Rahmen der UN-Bemühungen offen gezeigt. Gemeinsam bekundete der Gipfel seine „Sorge über die russischen Angriffe auf die syrische Opposition und Zivilisten und die Gefahr weiterer militärischer Eskalation“.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Bürgerkrieg in Syrien

Seit mehr als vier Jahren tobt in Syrien ein Bürgerkrieg. Dem Regime in Damaskus steht eine Vielzahl von Gegnern gegenüber, die Lage ist unübersichtlich. Längst werden die Rebellen von islamistischen und radikalen Gruppen dominiert.

Regime

Die Armee kontrolliert noch immer die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Unterstützt werden Assads Anhänger von der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah sowie von iranischen Kämpfern.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz ist die stärkste Kraft in Syrien. Sie kontrolliert im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in diesem Jahr mehrere Niederlagen gegen die syrischen Kurden einstecken.

Dschaisch al-Fatah

Dabei handelt es sich um ein Bündnis verschiedener moderater und radikaler Gruppen, darunter die radikale Al-Nusra-Front, die islamistische Miliz Ahrar al-Scham und Brigaden, die sich als Teil der moderaten Freien Syrien Armee (FSA) sehen. Das Bündnis beherrscht im Nordwesten Syriens die Provinz Idlib.

Al-Nusra-Front

Der Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida vertritt eine ähnliche Ideologie wie IS, beide Gruppen sind aber miteinander verfeindet. Die Nusra-Front ist vor allem im Nordwesten des Landes stark, kämpft aber auch im Süden.

Ahrar al-Scham

Die islamistische Miliz ist neben der Nusra-Front die wichtigste Kraft des Rebellenbündnisses Dschaisch al-Fatah. Sie gibt sich pragmatischer und weniger radikal als der Al-Kaida-Ableger.

Freie Syrische Armee

Die FSA ist keine Armee im eigentlichen Sinne, es gibt auch keine einheitliche Führung. Mehrere moderate Gruppen rechnen sich ihr jedoch zu. Stark sind diese im Nordwesten, wo sie auch zu dem Rebellenbündnis gehören, sowie im Süden.

Kurdische Volksschutzeinheiten

Mit Hilfe der US-Luftwaffe konnte die YPG den IS aus großen Gebieten im Norden Syriens zurückschlagen. Dort haben die Kurden eine Selbstverwaltung aufgebaut. Sie kooperieren mit dem Regime, aber auch mit dessen Gegnern. Zuletzt kam es jedoch zu Zusammenstößen mit Rebellengruppen in Aleppo.

Die EU warnte vor einer militärischen Eskalation in Syrien und die russischen Angriffe auf moderate syrische Rebellen kritisiert. Internationale Militäreinsätze in dem Bürgerkriegsland sollten koordiniert werden und sich auf die Terrormiliz Islamischer Staat und andere Extremisten fokussieren, hieß es in der Nacht zum Freitag in einer Abschlusserklärung des EU-Gipfels in Brüssel. Es sei dagegen falsch, mit dem Einschreiten den Machthaber Baschar al-Assad zu stützen.

Russlands Luftangriffe in Syrien in diesem Monat erscheinen das Ziel zu haben, die syrische Regierung zu stützen. Durch das Eingreifen Moskaus kamen Sorgen auf, dass es in Syrien zu einem Stellvertreterkrieg mit dem Westen kommen könnte.

Von

afp

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