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10.01.2011

16:22 Uhr

EU-Nothilfe rückt näher

Für Schuldensünder Portugal tickt die Uhr

Die Ausgabe neuer Staatsanleihen Portugals wird zur Zitterpartie. Muss auch das ärmste Land Westeuropas unter den milliardenschweren Euro-Rettungsschirm? Es gibt viele Spekulationen und wenig Antworten. Doch die Uhr tickt für dne hoch verschuldeten Staat: In wenigen Tagen könnte schon die Hilfe der EU nötig werden.

Portugiesische Flagge: Wie lange kann sich der Staat ohne EU-Hilfe halten? Reuters

Portugiesische Flagge: Wie lange kann sich der Staat ohne EU-Hilfe halten?

HB MADRID/BRÜSSEL. Die Ruhe war trügerisch. Über Weihnachten und Neujahr war von der europäischen Schuldenkrise nicht viel zu hören. Jetzt flammt sie wieder auf, denn die Krisenländer müssen an den Finanzmärkten Milliardensummen leihen. Nach Griechenland und Irland gilt nun vor allem Portugal als Wackelkandidat, der notfalls Milliarden-Stützen von europäischen Partnern und vom Internationalen Währungsfonds (IWF) braucht.

Der Härtetest für das ärmste Land Westeuropas ist für diesen Mittwoch programmiert. Lissabon wird langfristige Anleihen herausgeben, von denen Einnahmen von 750 Millionen bis 1,25 Milliarden Euro in die Staatskasse fließen sollen. Von der Höhe des Risikoaufschlags, den die Anleger bei der Verzinsung verlangen, wird es entscheidend abhängen, ob die Schuldenkrise sich weiter verschärft.

„Wenn Portugal bei diesem Test durchfällt, rückt es mit großen Schritten einer Situation entgegen, in der es die Europäische Union und den IWF um Hilfe bitten muss“, urteilte die Wirtschaftszeitung „Diário Económico“ am Montag.

Der Ökonom und frühere portugiesische Finanzminister Jacinto Nunes fügte hinzu: „Wenn für die Staatsanleihen ein Risikoaufschlag in einer Größenordnung von sieben Prozent verlangt wird, ist das kaum zu bezahlen.“ Die Regierung von Ministerpräsident José Sócrates könne da nicht mehr viel tun. „Sie kann allenfalls noch die Heilige Jungfrau von Fátima anrufen“, meinte Nunes mit Blick auf den berühmten Wallfahrtsort nördlich von Lissabon.

In Brüssel wird erwartet, dass Portugal sicher auf dem Programm der Euro-Finanzminister steht, die sich am 17. Januar treffen werden. Bisher heißt es immer noch hartnäckig, keiner in der EU mit Entscheidungsgewalt in Finanzsachen dränge Lissabon unter den Rettungsschirm von 750 Milliarden Euro. Nach dem Mittwoch könnte sich das aber durchaus ändern. Der Fall Portugal gilt politisch als äußerst heikel, da sowohl EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso als auch der Vize-Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Vitor Constâncio, aus dem traditionsreichen und stolzen Land am Westrand des Kontinents stammen.

Kommentare (2)

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grifos

10.01.2011, 17:58 Uhr

Hurra! Jetzt kann die Hb-Auflage weiter steigen! Man muß nur Krisen mit Hilfe von "Experten" herbeireden und Staaten in den Ruin treiben! Who ist next?

Michael_Mayer

10.01.2011, 19:01 Uhr

Europa ist wie die Titanic. Griechenland, irland und Portugal sind das bug.
Fr. Merkel und Hr. Sarkozy sind die Kapitäne. Was beide noch nicht ganz verstanden haben, ist dass der Eisberg immer das ganze Schiff versenkt, auch das Heck. Vielleicht einfach noch mal auf DVD anschauen. Na dann volle Kraft voraus ...

Eine Karrikatur hierzu wäre nicht schlecht ;)

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