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07.02.2013

20:55 Uhr

EU-Parlament

Derivatemarkt zur Regulierung freigegeben

Die EU-Parlamentarier haben eine Resolution durchfallen lassen, die die Einführung neuer Regeln für Derivate verzögert hätte. EU-Kommissar Barnier ist erleichtert. Die Regeln sollen schon Mitte März in Kraft treten.

EU-Binnenmarktkommisar Michel Barnier: Mitte März sollen die neuen Regeln für den Derivatemarkt kommen. dpa

EU-Binnenmarktkommisar Michel Barnier: Mitte März sollen die neuen Regeln für den Derivatemarkt kommen.

Brüssel/LondonDas EU-Parlament hat nun doch den Weg für eine Regulierung des Derivatemarktes frei gemacht. Die Abgeordneten stimmten am Donnerstag gegen eine Resolution, die eine Einführung der Regeln verzögert hätte. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier sagte nach der Entscheidung, die Vorschriften könnten etwa Mitte März in Kraft treten. "Mit der Annahme dieser Standards erfüllt die EU ihre Verpflichtung im Rahmen einer mit der G20 vereinbarten Reform der Finanzdienstleistungen", fügte er hinzu.

Die neuen Regeln würden das Risiko im Zusammenhang mit Derivate-Geschäften verringern. Eine Verzögerung bei der Umsetzung hätte Banken und Marktteilnehmer verunsichert. Barnier hatte die Abgeordneten darum gebeten, die Vorschriften für den Derivate-Handel nicht wie angedroht zu blockieren.

Einige Parlamentarier hatten Ausnahmeregeln für bestimmte Nutzer von Derivaten - die nicht aus der Finanzindustrie stammen - als nicht flexibel genug ansehen. So nutzen beispielsweise Fluggesellschaften Derivate, um sich gegen Schwankungen von Kerosinpreisen abzusichern. In den bisher anvisierten Regeln müssen die Airlines ihre Derivate nicht über Clearingstellen laufen lassen, wenn das Geschäft unter einem bestimmten Volumen bleibt.

Mitglieder des Parlaments bemängelten, dass die vorgesehene Schwelle zu niedrig angesetzt wurde. Zudem kritisierten sie, dass Nicht-Finanzinstitute alle Arten von Derivaten über Clearingstellen laufen lassen müssen, selbst wenn nur eine Anlageklasse - wie beispielsweise Rohstoffe oder Währungen - eine festgelegte Schwelle überschreitet.

Das weltweite Marktvolumen von Derivaten wird auf rund 700 Billionen Dollar geschätzt. In der Finanzkrise 2008/09 hatten sich die 20 führenden Wirtschaftsnationen (G20) auf den Grundsatz geeinigt, dass jeder Markt, jedes Finanzprodukt und jeder Marktteilnehmer unter Aufsicht gestellt werden soll. Dadurch sollen Kettenreaktionen wie nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers in Zukunft vermieden werden. Vor allem soll der bisher außerbörsliche und unregulierte Handel für OTC-Derivate ("Over the Counter" - OTC) über Clearingstellen laufen, um Transparenz und Sicherheit zu erhöhen.

Von

rtr

Kommentare (9)

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Rainer_J

07.02.2013, 20:59 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Mazi

07.02.2013, 21:15 Uhr

1984 hat sich das damalige BAKred dem Thema angenommen und eine Verlautbarung herausgegeben. Damals hat man noch von "Finanzinnovationen" gesprochen.

Und jetzt 30 Jahre danach wacht einer in der EU auf?

Der Warrant Markt in Deutschland hat sich Ende der 80iger entwickelt und ist heute weltweit führend.

Was haben die Herrschaften in der Zwischenzeit gemacht? Es ist ihr professioneller Job diesen Markt zu überwachen.

Kann man jemandem das Vertrauen aussprechen, der so lange untätig war?

HOTSUMMER

08.02.2013, 00:41 Uhr

Tja, bleibt nur noch die Frage wann denn nun die 700 Billionen Blase platzt? Oder ist sie bereits geplatzt? Bundesdeutsche Politiker wie Steinbrück und Konsorten haben diesen Markt erst richtig "dereguliert" und spielen sich nun auch noch als Feuerwehr auf.

Man könnte auch behaupten der Kanzlerkandidat der SPD nebst seiner Genossen haben diesen Markt mit Siebenmeilenstiefeln für einige wenige zum Absahnen dereguliert. Nun soll er von der EU nachdem man die Bürger per Dekret zum Nutzen dieser "Geldelite" via ESM-Steuerzahlerhaftung ausgeplündert hat mit kleinen Trippelschrittchen wieder zurück reguliert werden.

Ich wage mal die Prognose: Wir werden einen heißen Frühling, einen noch heißeren Sommer und den wohl heißesten Herbst aller Zeiten in Europa dieses Jahr erleben.

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