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13.07.2011

13:09 Uhr

EU-Pläne

Brüssel will Fischerei revolutionieren

Fischer müssen sich auf neue Regelungen einstellen. Statt Quoten soll es bald Managementpläne geben. Die EU reagiert damit auf sinkende Fischbestände.

Ein Fischer bei der Arbeit. Quelle: ap

Ein Fischer bei der Arbeit.

BrüsselAngesichts schwindender Fischbestände, die das Überleben für viele europäische Fischer immer schwieriger machen, setzt die EU nun zum lang erwarteten Befreiungsschlag an. Am Mittwoch stellte EU-Fischereikommissarin Maria Damanaki in Brüssel ihre Reformpläne vor. Darin schlägt sie vor, das bisherige jährliche Aushandeln der Quoten zwischen den Mitgliedsländern durch langfristige Managementpläne zu ersetzen, die sich streng nach wissenschaftlichen Kriterien richten.

Dies wäre eine drastische Kehrtwende: Bislang lagen - trotz aller Lippenbekenntnisse - die von den Agrarministern verabschiedeten Fangmengen in der Regel deutlich über denen, die die Wissenschaftler gerade noch für vertretbar hielten.

Auch mit dem ungewollten Beifang soll nun Schluss sein. Schätzungen zufolge wird derzeit fast jeder vierte gefangene Fisch wieder zurück ins Wasser geworfen - die meisten davon tot oder fast tot. Die EU-Kommissarin will die Fischer nun zwingen, alle Fische - auch die unerwünschten - mit ans Land zu nehmen. Allerdings sollen sie dafür künftig bei anderen Fischern in ihrem Land Lizenzen kaufen können, mit denen sie zu viel gefangene Fische doch noch auf den Markt bringen können. Der Lizenzhandel soll die Fischer flexibler machen und ihnen Grund geben, auch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten schonender mit den Ressourcen des Meeres umzugehen.

Auch die Fischerei außerhalb der EU soll nachhaltiger werden: So soll künftig bei allen Fischereiabkommen sichergestellt werden, dass diese nicht die Lebensgrundlage der dortigen Bevölkerung gefährden. Um zusätzliche Härten für die Fischer zu vermeiden, soll die Reform von umfangreichen Hilfen für die Branche flankiert werden.

Seit Jahren sinken die europäischen Fischbestände. Im Mittelmeer sind schon jetzt vier von fünf Fischarten überfischt. Selbst der Kabeljau in der Nordsee ist Wissenschaftlern zufolge durch jahrzehntelange Überfischung fast ausgerottet. Viele Fischer haben bereits aufgegeben. Mehr als die Hälfte des Fischs, der in Europa gegessen wird, wird mittlerweile von außerhalb der EU importiert.

Von

dapd

Kommentare (1)

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zarakthuul

13.07.2011, 13:59 Uhr

Die absolut kontraproduktive Beifangregelung soll wirklich reformiert werden? Gibt es wirklich intelligentes Leben in Brüssel? Ein Hoch!! auf die EU!

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