Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.01.2011

09:38 Uhr

EU-Pläne

Ratingagenturen fürchten polititsche Einflussnahme

VonRuth Berschens

Die EU will mit einem Gesetzentwurf zur Regulierung von Ratingagenturen deren Einfluss auf die Finanzmärkte senken. Standard & Poor?s warnt: EU-Kommission öffnet die Tür für politische Einflussnahme auf die Benotung von Staatsanleihen.

Die großen Ratingagenturen haben laut EU zu großen Einfluss. Quelle: dpa

Die großen Ratingagenturen haben laut EU zu großen Einfluss.

BRÜSSEL . Der geplante Rechtsrahmen der EU für Ratingagenturen gerät ins Kreuzfeuer der Kritik. Der weltgrößte Bonitätsprüfer Standard & Poor?s (S&P) läuft Sturm gegen die Pläne der Kommission. Auch die Finanzaufsichtsbehörden in Großbritannien äußern schwere Bedenken. Der Vorwurf: Die Brüsseler Behörde wolle die Tür öffnen für eine politische Manipulation der Benotung von Staatsanleihen in der Euro-Zone. "Unsere analytische Unabhängigkeit gerät in Gefahr", warnte S&P-Deutschland-Chef Torsten Hinrichs.

Die EU-Kommission legt im Herbst den - mittlerweile dritten - Gesetzentwurf zur Regulierung von Ratingagenturen vor. Ziel ist es, den Einfluss der drei großen Agenturen S&P, Moody?s und Fitch auf die Finanzmärkte drastisch einzuschränken. Die Brüsseler Behörde denkt deshalb über die Gründung einer (halb)öffentlichen europäischen Ratingagentur nach. Die britischen Finanzaufseher halten das für eine ganz schlechte Idee. Eine solche Institution sei politischen Einflüssen ausgesetzt und könne daher keine unabhängigen Ratings liefern, heißt es in einer Erklärung des britischen Finanzministeriums, der Bank von England und der Finanzaufsichtsbehörde FSA.

Die EU-Kommission will zudem die Regeln speziell für die Benotung von Staatsanleihen ändern. Derzeit müssen die Ratingagenturen das betroffene Land zwölf Stunden vor der Veröffentlichung einer neuen Note informieren. Diese Frist will die EU-Behörde auf drei Tage ausdehnen. Die zusätzliche Zeit könnte eine Regierung nutzen, "um eine geplante Bond-Platzierung abzuwandeln oder der neuen Note auf andere Weise zuvorzukommen", warnen die britischen Finanzbehörden. Damit entstehe die Gefahr von Insidergeschäften, fürchtet auch S&P-Manager Hinrichs.

Die Ratingagenturen stuften die Anleihen hochverschuldeter Euro-Staaten in den letzten Monaten immer wieder herab und erregten damit großen Unmut in der Politik.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Thomas Melber, Stuttgart

20.01.2011, 21:48 Uhr

"Die Ratingagenturen stuften die Anleihen hochverschuldeter Euro-Staaten in den letzten Monaten immer wieder herab ..." ... außer?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×