Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.03.2013

18:01 Uhr

EU-Regel unter Beschuss

Die Boni-Banker schlagen zurück

VonJan Mallien

Die Schweizer Anti-Abzocker-Initiative hat die Debatte um überzogene Boni und Gehälter europaweit angeheizt. Nun rüsten die britischen Banken zum Gegenangriff. Sie prüfen juristische Schritte gegen die EU-Bonusschranke.

Die Londoner Großbanken wollen die EU-Bonusschranke zu Fall bringen.

Die Londoner Großbanken wollen die EU-Bonusschranke zu Fall bringen.

DüsseldorfFür die Spitzenverdiener in Europas Großbanken hat die Woche mit einem Tiefschlag begonnen. Mit Zweidrittel-Mehrheit stimmten die Schweizer am Sonntag für eine strenge Regulierung von Manager-Gehältern und Bonuszahlungen. Das eindeutige Votum kommt für das Top-Personal in den Handelssälen der Großbanken zur Unzeit.

Die Eidgenossen haben eine europaweite Debatte losgetreten. Sofort meldeten sich deutsche Politiker zu Wort, die auch hierzulande eine ähnliche Abstimmung fordern. Ende Februar hatten sich bereits das EU-Parlament und die Mitgliedsstaaten auf eine Bonusschranke geeinigt. Sie sieht vor, dass Bonuszahlungen künftig nicht höher ausfallen dürfen als das feste Grundgehalt.

Gehälter ausgewählter Dax-Chefs 2012

Infineon - Reinhard Ploss / Peter Bauer

Zum Ende des Infineon-Geschäftsjahrs (30. September 2012) wechselte auch der Vorstandschef. Reinhard Ploss übernahm von Peter Bauer den Posten.

Bauer hatte 2011/12 insgesamt 2,9 Millionen Euro verdient und damit etwas deutlich weniger als 2011 (3,7 Millionen Euro).

Kurt Bock - BASF

Der Chef des Chemiekonzerns, Kurt Bock, verdiente mit 5,29 Millionen Euro im Jahr 2012 nahezu unverändert im Vergleich zum Vorjahr. Er hatte sein Amt im Mai 2011 angetreten.

Marijn Dekkers - Bayer

Marijn Dekkers, Niederländer an der Spitze des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer, hat im Jahr 2012 insgesamt 5,06 Millionen Euro verdient, nach 4,49 Millionen Euro im Vorjahr.

Stefan Heidenreich - Beiersdorf

Ende April hatte Stefan Heidenreich beim Kosmetikkonzern Beiersdorf das Amt des Vorstandschefs übernommen. Im Jahr 2012 verdiente er 2,6 Millionen Euro.

Herbert Hainer - Adidas

Das Adidas-Ergebnis fiel 2012 vor allem wegen eines schwachen Geschäfts der Marke Reebok nicht so rosig aus. Adidas-Chef Herbert Hainer verdiente 2012 insgesamt 4,18 Millionen Euro und damit 28 Prozent weniger als 2011 (5,14 Millionen Euro).

Heinrich Hiesinger - Thyssen-Krupp

Bei Thyssen-Krupp kämpft Vorstandschef Heinrich Hiesinger mit der Aufarbeitung diverser Skandale und Fehlinvestitionen. Im Geschäftsjahr 2011/2012 (bis 30. September) verdiente er 3,85 Millionen Euro.

Karl-Ludwig Kley - Merck

Der Vorstandschef des Pharmakonzern verdiente 2012 insgesamt 5,52 Millionen Euro und damit fast ein Drittel mehr als 2011 (4,2 Millionen Euro).

Peter Löscher - Siemens

Der Österreicher verdiente im Geschäftsjahr 2011/2012 insgesamt 7,87 Millionen Euro, im Jahr zuvor waren es 8,74 Millionen Euro.

René Obermann - Deutsche Telekom

Ende 2013 gibt René Obermann sein Amt an den jetzigen Finanzvorstand Timotheus Höttges weiter. Obermann verdiente 2012 insgesamt 3,78 Millionen Euro und damit nahezu unverändert so viel wie 2011 (3,85 Millionen Euro).

Wolfgang Reitzle - Linde

Der Linde-Chef hat gesagt, kein Interesse an einer Vertragsverlängerung zu haben. Im Jahr 2012 verdiente er bei dem Industriegase-Spezialisten 6,9 Millionen Euro, fast genau so viel wie ein Jahr zuvor.

Kasper Rorsted - Henkel

Der dänische Chef des Konsumgüter- und Klebstoffkonzerns Henkel, Kasper Rorsted, hat im Jahr 2012 insgesamt 6,18 Millionen Euro verdient, ein sattes Plus von fast 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr (4,79 Millionen Euro).

Peter Terium – RWE

Zur Jahresmitte 2012 hatte Peter Terium den Spitzenposten beim Energiekonzern RWE angetreten. Er verdiente im Jahr 3,8 Millionen Euro, ein sinnvoller Vergleich zum Vorjahr ist nicht möglich.

Martin Winterkorn - Volkswagen

Der VW-Chef erhält rund 14,5 Millionen Euro für das abgelaufene Jahr (2012) und damit 5,5 Millionen weniger, als ihm nach den zuletzt gültigen Kriterien zugestanden hätten.

Damit will VW verhindern, erneut ins Zentrum einer Diskussion um hohe Managementbezüge zu geraten wie 2011, als Winterkorn mehr als 17 Millionen Euro verdiente.

Dieter Zetsche - Daimler

Der Daimler-Vorstandschef hat im vergangenen Jahr inklusive Aktienoptionen 8,15 Millionen Euro verdient. Das war etwas weniger als 2011 (8,65 Millionen Euro).

Quelle

Geschäftsberichte / Hostettler, Kramarsch & Partner

Das jedoch wollen die Banken nicht auf sich sitzen lassen. Laut der britischen Finanzzeitung „Financial Times“ prüfen mehrere Londoner Großbanken eine Klage gegen die Bonusschranke. Sie sollen sich dabei auf eine Studie der Kanzlei Shearman & Steling berufen, wonach die Bonusschranke gegen Artikel 153 (5) der europäischen Verfassung verstoßen könnte. Der Artikel verbietet es der EU, die Gehälter in einzelnen Mitgliedsländern zu regulieren.

Die „Financial Times“ zitiert aus der vertraulichen Studie. Darin heißt es: Eine Regelung die ein maximales Verhältnis der Boni zu den Gehältern vorschreibe, verstoße nicht nur gegen EU-Recht, sondern auch gegen die Verfassungen einzelner Länder wie Österreich, Deutschland und Polen.

Wie gut die Aussichten einer Klage wären, ist allerdings umstritten. „Aus unserer Sicht ist eine Klage nur wenig erfolgsversprechend, “ sagt Anne-Kathrin Baran von der Forschungsgruppe Finanzmarktregulierung am Freiburger Centrum für Europäische Politik (CEP). Die EU könne sich auf ihre Binnenmarktkompetenz berufen, da die Bonusschranke Teil der schärferen Kapitalvorschriften für die Finanzbranche sei.

Kommentare (27)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

bananarepublican

05.03.2013, 18:27 Uhr

Das ist ja alles nur wieder Augenwischerei, Ablenkungsmanöver und Sandsteuen was da die (in meinen Augen) EU Bonzen und angeblichen Volksvertreter da treiben. Unsere Schwarzgelbe (ich würde am liebsten sagen Pest) Truppe schreit doch sonst immer nach dem Markt: hier könnten Sie mal beweisen dass sie auch wollen was sie immer sagen .... aber mal wieder nur Pfeifendeckel... Es ist zu trennen, was Firmen tun und was der Staat als Vertreter ALLER vor allem der numerischen Mehrheit (Nicht nur Banker, Bonzen und deren Lobbyisten) in Form von Rahmenregelungen zu tun hat.

Die Firmen beschliessen die Bezahlung. Der Staat kann durch Steuern steuern. Z.B. kann er, wenn er nur wollte, in Deutschland für Inlandswohnende und/oder alle deutsche Staatsbürger zum Beispiel einfach eine sagen wir 8. Einkunftsart erfinden, die er auf die festen und vaiablen Einkünften aus der Finanzwirtschaft erhebt, sagen wir einfach 90%; und zur Animation an die Eigentümmer, die die Boni beschliesen, die steuerliche Anerkennung der Abzugfähigkeit dieser Alimente und Zuwendugen deckeln auf 100.000€ pro Person und Jahr bei der Berechnung der Unternehmungsgewinne. Schon wäre dem Problem beigekommen .... aber ich denke das wollen unsere sogenannten Eliten nicht.... und unsere politisch verantwortlichen tun es deswegen dann nicht ..... also denkt daran, wenn Ihr das nächste mal zur Wahl gerufen werdet (in Deutschland am 22. September), wer wen mit dem Füllhorn überhäuft oder überhäufen lässt und wer nicht. Zum üblichen Totschaltargument des Wettbewerbs um die angeblich Besten Köpfe: die, die wegen der Gestzgebung unsere Land und die Reichweite unserer Gesetze serlassen (Sie mögen dann aber auch Ihre ganze Abkommenschaft mitzunehmen und Ihre Bruttoausbildungsaufwendungen, inklusive Vorhalteleistungen unserem Gemeinwesen erstatten), da bin ich mir absolut sicher, auf die können wir dann locker verzichten... "

Account gelöscht!

05.03.2013, 18:42 Uhr

Habe ich das richtig verstanden, dass diese Bonischranke in der EU nur für Angestellte von Kreditinstitute gilt? Oder gilt das auch für anderen Finanzmarktteilnehmer?

Account gelöscht!

05.03.2013, 19:34 Uhr

an der höhe der Boni sehe ich nichts falsches.
Es muss aber gelten:
- Die Aktionäre haben mitzureden.
- Die Bonie dürfen nur auf LANGFRISTIGE ZIELE (5-10 Jahre) ausgelegt werden. Damit muss langfristig gehandelt werden und das ist zum Wohle aller.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×