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20.09.2012

07:50 Uhr

EU-Richtlinie

Wenn Porsche Politik macht

VonMichael Brächer

Mit einer neuen Richtlinie will die EU den Lärmpegel von Neuwagen begrenzen. Im Entwurf eines Abgeordneten tauchte nun der Name eines Porsche-Mitarbeiters auf. Wieder einmal kämpfen die Parlamentarier um ihr Ansehen.

Abgeordnete bei einer Abstimmung im Europäischen Parlament. dpa

Abgeordnete bei einer Abstimmung im Europäischen Parlament.

BrüsselAls der tschechische Europaabgeordnete Miroslav Ouzký seinen Entwurf für die Autolärm-Richtlinie verschickte, entging ihm ein wichtiges Detail: Der Name des ursprünglichen Autors war in der Datei gespeichert. Was nicht weiter schlimm wäre - wenn dieser nicht für den Autobauer Porsche arbeitete.

Nun ist Brüssel um einen Lobbyismus-Skandal reicher - und die Autolärm-Richtlinie steht womöglich vor dem Aus. Denn über Ouzkýs Kompromissvorschlag, der Grenzwerte für den maximal zulässigen Lärmpegel von Neuwagen enthält, sollte am Mittwoch im Umweltausschuss des Parlaments abgestimmt werden. Wenn da nicht dieser Name wäre. In den Eigenschaften des Dokuments, dort wo eigentlich „Ouzký, Miroslav“ stehen müsste, heißt es: „Gerhard, Hans-Martin, Porsche AG“.

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Der Ingenieur Hans-Martin Gerhard gilt als Akustik-Experte und arbeitet im Entwicklungszentrum des Zuffenhausener Autobauers. Und dessen Produkte sind nicht gerade bekannt dafür, leise zu sein. Das weiß auch Ouzký, der sich vor einiger Zeit selbst einen Porsche Panamera gekauft hat.

Porsche habe sich als „Ghostwriter“ der Politik betätigt, wettert die Deutsche Umwelthilfe. Und auch die Umweltschutzorganisation Transport&Environment, die Gerhards Namen in der Datei entdeckt hat, glaubt, dass der Kompromissvorschlag „unrechtmäßig von der Autoindustrie beeinflusst wurde“.

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Der Sportwagenhersteller bestreitet die Vorwürfe. „Das Papier wurde nicht von Porsche initiiert“, sagte ein Sprecher. Dafür, dass der Name von Hans-Martin Gerhard in der Datei auftaucht, präsentiert Zuffenhausen eine andere Erklärung: Der Ingenieur engagiere sich beim Weltverband der Automobilhersteller (OICA). Dort sei er als Experte in einer Arbeitsgruppe zum Lärmschutz tätig. Das Papier sei im Auftrag der OICA erstellt worden, nicht im Auftrag der Porsche AG.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

20.09.2012, 09:14 Uhr

Das die Konzerne die EU Gesetzgebung beeinflussen, sollte allen klar sein, aber dass sie die Gesetze und Bestimmungen selber schreiben, sollte uns wach rütteln!
Ich denke da steckt schon so viel Routine dahinter, dass dieser "Flüchtigkeitsfehler" früher oder später passieren musste.
Was lernen wir daraus? Weg mit der EU und dieser, von den Konzernen gelenkten, Figuren!

Bankster

20.09.2012, 10:51 Uhr

Nicht nur Porsche macht Politik sondern alle Industriezweige sowie Banken und Versicherungen. Die machen die "Gesetzentwürfe" und diese werden dann der Kommision zur Abstimmung vorgelegt.

Nur mancher Beamter hat nicht mal gelernt ein Worddokument zu bearbeiten aber bekommt aberwitzige Beträge damit er seinen Namen irgendeinem Lobbyist leiht.

dirkreimer

20.09.2012, 14:47 Uhr

Es ist meines Wissenhs erklärte offizielle Absicht und Strategie im Rahmen der Verschlankung der Behörden in Brüssel, eigenes Fachpersonal für die jeweiligen Ressorts abzubauen und statt dessen, je nach Fall sich das Fachwissen der Industrie und anderen Organisationen, auch Protestorganisationen, zu sammeln und zu kanalisieren und dann schließlich zu einer Entscheidung zu kommen. Peinlich wird es aber natürlich, wenn rauskommt, dass eine einzige Firma die Gesetzesvorlage geschrieben hat. so war das natürlich nicht gedacht. Aber die oder einzelne Konzerne Industrie verfügen natürlich über größere "finazielle Argumente" als besipielsweise Greenpeace. Klar. Und haben natürlich immer das Druckmittel "Arbeitsplätze".

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