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06.11.2012

14:13 Uhr

EU-Schätzungen

Kein Ende der Durststrecke für Spanien

Entgegen den Hoffnungen der Regierung erwartet die EU-Kommission auch im nächsten Jahr einen Konjunktureinbruch in Spanien. Premier Mariano Rajoy sieht indes Licht am Ende des Tunnels. Nächstes Jahr werde besser.

Ein Graffiti in Barcelona: „Zahlt eure Schulden, ihr Diebe“. dapd

Ein Graffiti in Barcelona: „Zahlt eure Schulden, ihr Diebe“.

MadridSpanien droht eine härtere und längere Durststrecke. Die EU-Kommission sagt dem Land einem Medienbericht zufolge für 2013 einen stärkeren Konjunktureinbruch voraus als ihn die Regierung in Madrid erwartet. Ministerpräsident Mariano Rajoy hingegen geht davon aus, dass sein Land die wirtschaftliche Talsohle in diesem Jahr hinter sich lässt.

"2014 wird es Wachstum in Spanien geben. 2012 wird das schlimmste Jahr gewesen sein und das nächste Jahr wird besser werden", sagte Rajoy am Dienstag in einem Hörfunk-Interview. Größtes Problem für die Wirtschaft seien Finanzierungsengpässe. Ob Spanien einen Antrag auf europäische Hilfsgelder stellen wird, ließ Rajoy erneut offen.

Spaniens Baustellen

Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosenquote beträgt laut Statistikbehörde 24,4 Prozent und befindet sich auf den höchsten Stand seit 18 Jahren. Insgesamt sind in Spanien 5,6 Millionen Menschen arbeitslos. Vor allem die Jugendarbeitslosigkeit ist ein Riesenproblem. Die europäische Statistikbehörde Eurostat berichtete unlängst, die Quote der Jugendarbeitslosigkeit sei in Spanien mit einem Wert von 50,5 Prozent am höchsten. Zum Vergleich: Mit 8,2 Prozent hatte Deutschland die niedrigste Quote.

Immobilienmarkt

In der Vor-Krisenzeit lockte die Kombination aus hohem Wirtschaftswachstum und niedrigem Zinsniveau die Spanier an den Immobilienmarkt. Viele legten sich eine zweite, dritte oder gar vierte Wohnung zu. Doch der Boom war größtenteils auf Pump finanziert. Nachdem auch internationale Anleger wie Pensions- und Investmentfonds in großem Stil einstiegen, wurden Immobilien rasch zu Spekulationsobjekten. Die Finanzkrise 2008 bereitete dem ein jähes Ende: Die spanischen Banken - anfangs noch gelobt wegen ihrer Zurückhaltung bei Schrottpapieren - gerieten in den Krisenstrudel und wurden Opfer der lockeren Kreditvergabe.

Haushaltslage

In der Eurozone war Spanien 2011 mit einem Fehlbetrag von 8,9 Prozent der drittgrößte Haushaltssünder. Das Haushaltsloch war zwar kleiner als 2010 (9,3 Prozent), aber deutlich höher als angestrebt. Die spanische Wirtschaft stürzte zudem zu Jahresbeginn in die Rezession. Mit drastischen Sparmaßnahmen und weitreichenden Reformen versucht die Regierung des konservativen Regierungschefs Mariano Rajoy gegenzusteuern. Ursprünglich sollte das Defizit schon 2013 wieder unter die erlaubten 3 Prozent der Wirtschaftsleistung sinken, nun soll Spanien dafür ein Jahr länger Zeit bekommen.

Bankenkrise

Die Lage am Immobilienmarkt schlägt voll auf den Bankensektor durch: Die Großbanken Santander und BBVA (Banco Bilbao Vizcaya Argentaria) verzeichneten wegen der Vorsorge für faule Immobilienkredite Gewinnrückgänge. Spaniens Regierung hatte höhere Rücklagen der Banken angesichts der kriselnden Wirtschaft verlangt. Anderen Geldhäusern erging es noch schlechter: Die Großbank Bankia will vom Staat mehr als 23 Milliarden Euro für ihre Sanierung.

Die EU-Kommission legt am Mittwoch in der Herbstprognose ihre Schätzungen für den Konjunkturverlauf in den EU-Ländern vor. Nach einem Zeitungsbericht sagt die Brüsseler Behörde Spanien für 2013 einen dreimal so starken Rückgang der Wirtschaftsleistung voraus wie die Regierung in Madrid. Das Bruttoinlandsprodukt werde demnach um 1,5 Prozent fallen, berichtete die Tageszeitung "El Pais" unter Berufung auf den Entwurf der Kommission.

Die Regierung geht nur von einem Minus von 0,5 Prozent aus. Für dieses Jahr rechnet die Kommission mit minus 1,6 Prozent. 2014 erwartet sie demnach ein Wachstum von 0,5 Prozent, während die Regierung dann sogar ein Plus von 1,2 Prozent anpeilt. Auch für den Abbau des spanischen Staatsdefizits sind die Experten in Brüssel deutlich pessimistischer als Rajoy und sein Kabinett.

Spaniens Wirtschaft kommt nach dem Platzen der Immobilienblase und der Finanzkrise nur schwer wieder auf die Beine. Derzeit steckt das Land tief in der Rezession und Rajoys Sparkurs bremst das Wachstum zusätzlich. Dies signalisieren auch neue Daten vom wichtigen Dienstleistungssektor. Die Service-Firmen verbuchten wie seit 16 Monaten schrumpfende Geschäfte, wie aus einer Markit-Umfrage hervorgeht.

Kommentare (12)

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Brasil

06.11.2012, 15:40 Uhr

Alles Schwachsinn, wie kommt man nur auf solche idiotischen Erkenntnisse? HB aund andere Mainstreamkaeseblaetter, bleibt endlich mal auf Linie und erzaehlt nicht jeden Tag einen anderen Stuss!
Spanien geht´s Bestens!

Wegweiser

06.11.2012, 16:30 Uhr

Das spanische Haushaltsdefizit kann nicht wirklich abgesenkt werden, die Arbeitslosigkeiten steigen, der tatsächliche Finanzbedarf der spanischen Banken ist bis heute noch nicht abschätzbar. Target 2, EFSF, Ankauf von spanischen Staatsanleihen, viele spanische Regionalregierungen sind de facto pleite. Der Immobilienbestand ist noch überhöht, überbewertet und muss im Wertansatz abgesenkt werden. Was wiederum zu Abschreibungen bei den Banken führt.

Viele Euroteilnehmerländer sind innerhalb dieser Währungszonenunion nicht ausreichend oder gar nicht leistungs- und wettbewerbsfähig und bedürfen erheblicher Fremdhilfen.

Die ökonomischen Ungleichgewichte bleiben weiterhin bestehen, die systemischen Risiken weiten sich von Tag zu Tag aus.

Griechenland, Zypern, Portugal, Spanien, Irland, Slowenien, möglicherweise in dessen Folge auch Italien sind potenzielle Risikokandidaten für die Eurorettung. Frankreich ist schon an seine Rettungsbelastungsgrenze angelangt, innenpolitische Konflikte um Euroreformanpassungspakete à la Gallois sind zu erwarten.

Ein dysfunktionaler Währungs- und Wirtschaftsraum mit einer nicht leistungsfähigen Bankenlandschaft, steigenden Verschuldungen, steigenden Defiziten, steigenden Arbeitslosigkeiten, weitere Rettungshilfen durch die EZB und durch Fondsaufstockungen sind absehbar.

Anleihenspezialist

06.11.2012, 18:00 Uhr

So gut geht es Spanien, dass man die vielen Millionäre dort schon auseinander treiben muß.

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=68kXz-O0wEM#!

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