Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.11.2011

14:13 Uhr

EU-Taskforce

Griechenland soll Steuern in der Schweiz erheben

Mit Sonderabgaben für Hausbesitzer und der Veröffentlichung von Steuersündern kämpft Griechenland gegen die Pleite. Nun hat die EU-Taskforce noch eine Idee: Ein Abkommen mit der Schweiz soll den maroden Haushalt retten.

Der Chef der EU-Taskforce Griechenland, Horst Reichenbach, will das Land bei einem Steuerabkommen mit der Schweiz unterstützen. dpa

Der Chef der EU-Taskforce Griechenland, Horst Reichenbach, will das Land bei einem Steuerabkommen mit der Schweiz unterstützen.

BrüsselDer Chef der „Taskforce Griechenland“, Horst Reichenbach, erhofft sich von einer effektiveren Steuereintreibung wichtige Impulse für eine Erholung der griechischen Finanzen. Neben Verbesserungen auf der Gesetzes- und Verwaltungsbene wollten die Krisenmanager der EU-Kommission das Land dabei auch bei seinem Bemühungen um ein Steuerabkommen mit der Schweiz unterstützen, kündigte Reichenbach am Donnerstag bei der Vorlage des ersten Quartalsberichtes der Taskforce in Brüssel an.

Darin gaben die Experten, die den griechischen Behörden bei der Umsetzung nötiger Strukturreformen helfen, einen ersten Überblick über bereits Geleistetes und Vorhaben. Die sogenannte EU-Taskforce wird von dem deutschen EU-Beamten Horst Reichenbach geleitet. Er arbeitete zuletzt für die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in London (EBWE) und war davor 30 Jahre lang Spitzenbeamter bei der EU-Kommission in Brüssel.

Reichenbach muss eine Herkulesaufgabe bewältigen: Die 30 Mitarbeiter der Taskforce sollen Griechenland helfen, wirtschaftlich wieder auf die Beine zu kommen. Anders als die Beamten der sogenannten Troika aus Europäischer Zentralbank (EZB), EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds (IWF) sollen sie der griechischen Regierung aber nicht bloß immer neue Sparvorgaben machen, sondern bei der Verbesserung und beim Aufbau einer modernen Verwaltung helfen. Gleichzeitig sollen sie Griechenland dabei unterstützen, Fördermittel der EU effektiver anzuzapfen und schneller abzurufen.

Weil Griechenland seinen Finanzierungsbeitrag oft nicht leisten kann, stehen viele Förderprojekte still. Geld, das eigentlich für Griechenland gedacht ist, wird nicht abgerufen. Der Kofinanzierungsanteil, den Griechenland leisten muss, wurde bereits deutlich abgesenkt.

Das größte Problem für Griechenland und für Reichenbachs Sanierungstruppe ist aber das marode Steuersystem. Griechenland ist auch deshalb Pleite, weil Steuerhinterzierung und Sozialbetrug in Griechenland jahrzehntelang Volkssport waren. Verheerender als die vielen Toten, an die Griechenlands Rentenfonds bis zu acht Milliarden Euro überwies, sind für den Staatshaushalt die Tausenden Griechen, die keine oder zuwenig Steuern bezahlen.

Die griechische Regierung schätzt, dass dem Staat dadurch jährlich zwischen 40 und 50 Milliarden Euro verlorengehen. Die Athener Sonderbehörde zur Bekämpfung der Wirtschafts- und Finanzkriminalität (SDOE) schätzt, dass ihre Fahnder bis Dezember fünf Milliarden Euro eintreiben können. In 433000 Fällen haben die Ermittler seit 2009 allein Mehrwertsteuerbetrug aufgedeckt - der Staat konnte so rund 600 Millionen Euro erbeuten. All das reicht aber immer noch nicht, um den Haushalt zu sanieren. Der griechische Finanzminister will deshalb sogar die Namen von Steuersündern im Internet veröffentlichen. Die wirklich reichen Griechen dürfte der Fiskus so aber nicht zu fassen bekommen - sie haben ihr Geld wahrscheinlich längst ins Ausland geschafft. Und genau da soll das Abkommen mit der Schweiz ansetzen.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

goldhamster

17.11.2011, 14:35 Uhr

Vielleicht sollten wir jetzt dann mal in den Weltraum funken, ob die Marsbewohner nicht nen paar Beutel Goldis übrig haben. Die EU-Polittrolle erfinden doch tatsächlich jeden Tag was anderes. Erstaunlich wie groß die Angst sein muss, wenn man irgendwann jahrelanges dümmliches Murksen zugeben muss. Mal sehen, wie die Bürger darauf reagieren, wenn die Schlussrechnung kommen wird.

Dumpfbacken

17.11.2011, 14:42 Uhr

... am besten noch den Tag und die Uhrzeit nennen, an dem das Steuerabkommen gelten soll, damit dann auch noch der letzte Grieche seine schweizer Konten leergeräumt hat.

Dumm, dümmer, Merkel, EU-Politiker.

Account gelöscht!

17.11.2011, 14:47 Uhr

Na endlich! Vielleicht kommt es statt diesem Gelddruck-Rumgeeiere mal zu konkreten Taten. Laut absolut seriösen Quellen wurden 200 Milliarden € (bitte nicht mit Millionen verwechseln) private Gelder von Griechenland in die Schweiz verschoben, auch das HB berichtete. 50% Steuer drauf (wie in anderen, insbesondere auch den Geberländern üblich) und die griechische Krankheit wäre nur noch eine Befindlichkeitsstörung. Mehr Mut zu sinnvollen und machbaren Taten, Ihr Volksvertreter, statt nur herumzuschwadronieren. Solange diese 200 Milliarden in Schweizer Tresoren liegen, kann ich keinen der vielen Vorschläge europäischer Politiker ernst nehmen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×