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21.03.2016

15:12 Uhr

EU-Türkei-Abkommen

Griechenland droht ein Flüchtlings-Chaos

Noch immer fliehen Hunderte Menschen über griechische Inseln in die EU. Offiziell droht ihnen die Rückführung in die Türkei. Doch das neue Abkommen läuft schleppend an. Helfer warnen vor einer humanitären Katastrophe.

Flüchtlinge setzen weiterhin von der Türkei auf griechische Inseln über – obwohl sie befürchten müssen, zurückgeschickt zu werden. dpa

Schwimmwesten auf Lesbos

Flüchtlinge setzen weiterhin von der Türkei auf griechische Inseln über – obwohl sie befürchten müssen, zurückgeschickt zu werden.

AthenNoch immer versuchen Hunderte Flüchtlinge, über griechische Inseln in die EU einzureisen. Nach Angaben der griechischen Behörden kamen zwischen Sonntag- und Montagmorgen 1662 Migranten auf Ägäis-Inseln an, 698 allein auf Lesbos. Dabei war am Sonntag das EU-Türkei-Abkommen in Kraft getreten, wonach die Flüchtlinge grundsätzlich zurück in die Türkei geschickt werden sollen.

Die griechische Küstenwache rettete in der Nacht und am frühen Morgen rund 100 Menschen, die bei der Überfahrt von der Türkei in Seenot geraten waren. Sie wurden nach Lesbos gebracht, wo sie mit Bussen in die Erstaufnahme-Einrichtung Moria gefahren wurden. Die Zahl der Flüchtlinge, die sich in Griechenland aufhalten, stieg am Montag erstmals über die Marke von 50.000. Ein Krisenstab der griechischen Regierung bezifferte die Zahl auf 50.411.

Auf dem EU-Gipfel in Brüssel war am Freitag ein Flüchtlingsabkommen mit der Türkei vereinbart worden. Danach sollen illegal eingereiste Migranten ab dem 4. April zurück in die Türkei gebracht werden. Alle Asylsuchenden erhalten eine Einzelfallprüfung. Nur wer nachweisen kann, dass er in der Türkei verfolgt wird, darf bleiben. Nach dem 4. April soll auch die Umsiedlung von bis zu 72.000 syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen aus der Türkei nach Europa beginnen.

EU-Flüchtlingsabkommen mit Türkei

Hunderte Flüchtlinge wagen weiterhin Überfahrt nach Griechenland

EU-Flüchtlingsabkommen mit Türkei: Hunderte Flüchtlinge wagen weiterhin Überfahrt nach Griechenland

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Der griechische Umweltminister Panos Skourletis sagte am Montag, dass erst die Schlepperbanden gestoppt werden müssten, damit das Abkommen auch funktioniere. Auf dem Papier sei es eine gute Einigung, aber ob sie umsetzbar sei, würden erst die kommenden Tage zeigen, sagte er dem Sender Mega. EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos und der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras wollten noch am Montag über das weitere Vorgehen beraten.

Die Umsetzung des Flüchtlingspaktes kam am Montag zumindest einen kleinen Schritt voran: Die ersten türkischen Verbindungsoffiziere trafen griechischen Medienberichten zufolge am Morgen auf der Insel Lesbos ein. Auch auf der Ägäis-Insel Chios seien einige türkische Offiziere der Küstenwache angekommen, hieß es bei der griechischen Küstenwache.

Der Einsatz von türkischen Beamten vor Ort ist ein wesentlicher Bestandteil des vereinbarten Rückführungsprogramms. Diese Beamten sollten sozusagen in letzter Instanz entscheiden, welche Migranten, die kein Asyl in Griechenland erhielten, zurück in die Türkei gebracht würden, sagte der griechische Offizier weiter.

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