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27.07.2017

09:34 Uhr

EU-Vorrat

Die Spitze des Milchpulverbergs

Die Agrarpreis-Krise der vergangenen zwei Jahre trieb tausende Milchbauern zur Aufgabe. Die Europäische Union griff helfend ein – und sitzt nun auf einer gigantischen Menge Milchpulver.

Ein Mitarbeiterin von Nordfrost in einer Lagerhalle für Magermilchpulver. dpa

Milchpulver-Lager

Ein Mitarbeiterin von Nordfrost in einer Lagerhalle für Magermilchpulver.

Brüssel/WilhelmshavenDie EU hat zur Unterstützung notleidender Bauern den größten Milchpulver-Berg seit über 20 Jahren angehäuft. Derzeit sind europaweit knapp 358.000 Tonnen Magermilchpulver auf Lager, so viel wie seit Mitte der 90er Jahre nicht mehr. Seit Dezember 2016 sind nach Angaben der EU-Kommission in Brüssel lediglich 140 Tonnen bei Auktionen verkauft worden.

„Die Mengen wurden bewusst sehr niedrig gehalten“, sagt der für die Landwirtschaft zuständige Sprecher Daniel Rosario auf Anfrage. „Mehrfach wurden sämtliche Gebote abgelehnt, weil diese als zu niedrig eingeschätzt wurden.“

Im vergangenen Jahr sank der EU-Durchschnittspreis für die von den Bauern angelieferte Rohmilch auf einen Tiefstand von etwa 25 Cent pro Kilogramm, in manchen Regionen lagen die Erzeugerpreise sogar noch tiefer. Da die Preise unter dem von Brüssel festgesetzten Eingriffsniveau lagen, kaufte die Kommission. Die Milch wird in Form lange haltbaren Magermilchpulvers gelagert, denn Vollmilchpulver würde wegen des höheren Fettgehalts ranzig werden.

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Exemplarisch besichtigen lassen sich die Auswirkungen der Milchpreis-Krise in Wilhelmshaven. Dort steht auf dem Gelände des Tiefwasserhafens eine hundert mal hundert Meter große Halle mit 12.500 Stellplätzen für Paletten. Drinnen stapeln sich turmhoch Säcke mit Magermilchpulver. „Derzeit sind hier 5700 Tonnen eingelagert, das entspricht ungefähr der Milchleistung von 7000 Kühen“, sagt Mario Albers von der Tiefkühl-Logistikgruppe Nordfrost. Das Gebäude ist nur eines von 26 Lagern in Deutschland, die die EU als Puffer im Fall schwerer Marktstörungen nutzt.

In Deutschland kümmert sich die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in Bonn um diese öffentliche und private Lagerhaltung. „Nach dem Zweiten Weltkrieg war ein gemeinsamer europäischer Markt für Agrarprodukte wichtig, um die Bevölkerung mit preiswerten Nahrungsmitteln sicherzustellen“, beschreibt Frank Lenz von der BLE die Anfänge dieser Lagerhaltung.

BLE-Oberprüfer Josef Herbers hat über Jahrzehnte die Entwicklung des Milchmarktes hautnah erlebt. Er testet regelmäßig den Zustand der eingelagerten Ware bei Nordfrost in Wilhelmshaven. „Magermilchpulver ist wichtig zur Herstellung von Schokolade, Eis, Cappuccino-Beuteln und Babynahrung“, erklärt der Kontrolleur. Vorsichtig öffnet er einen verschweißten 25-Kilo-Papiersack für eine Probe. Diese untersucht er auf den Wasser-, Eiweiß- und Fettgehalt.

Wann die Lagerhäuser in Wilhelmshaven und anderswo wieder geleert werden, lässt sich nicht absehen. „Das Tempo des Verkaufs wird von den Marktbedingungen abhängen“, sagt Rosario.

Die Preiskrise hatte mehrere Ursachen. Die EU schaffte 2015 die Milchquote ab, mit deren Hilfe die Produktion vorher begrenzt worden war. Und während die Erzeugung stieg, sank die globale Nachfrage nach Milchprodukten – unter anderem gab es einen unerwarteten Rückgang chinesischer Vollmilchpulver-Importe. Allein in Bayern – Heimat der meisten Milchbauern in Deutschland – gaben von November 2015 bis November 2016 gut 1600 Landwirte die Milchproduktion auf, ein Rückgang von fast fünf Prozent.

Inzwischen haben die Erzeugerpreise laut Zahlen der EU im Schnitt wieder auf etwa 33 Cent pro Kilo angezogen. Auch für Europas Milchbauern wächst die Abhängigkeit vom Fernen Osten, obwohl China in absoluten Zahlen betrachtet für die meisten Milchprodukte nicht der größte Markt ist.

„Alle Prognosen gehen dahin, dass China mehr importieren wird“, sagt Monika Wohlfarth, Chefin der Zentrale Milchmarkt-Berichterstattung in Berlin. „Mehr Käse, mehr Butter, mehr Milch.“ Magermilchpulver importieren die Chinesen nur in vergleichsweise geringen Mengen.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr J R

27.07.2017, 16:35 Uhr

Wie schrieb DIE WELT so schön: die Russland-Sanktionen jucken die Bauern nicht, die wären Kummer schließlich gewohnt. Dekadentes Medien-Pack.

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