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04.09.2013

14:41 Uhr

EU-Vorschlag

Berlin mit Schattenbanken-Regulierung unzufrieden

Schattenbanken waren ein Auslöser der Finanzkrise. Die EU will sie jetzt bändigen: Ein Kapitalpuffer soll dafür sorgen, dass Hedgefonds nicht pleitegehen. Der Bundesregierung ist der Vorschlag nicht streng genug.

Bankentürme von Frankfurt: Im Gegensatz zu den Geschäftsbanken agieren Schattenbanken im Graubereich des Finanzmarkts. Sie wachsen rasant und setzen jährlich Billionensummen um. dpa

Bankentürme von Frankfurt: Im Gegensatz zu den Geschäftsbanken agieren Schattenbanken im Graubereich des Finanzmarkts. Sie wachsen rasant und setzen jährlich Billionensummen um.

Brüssel/BerlinGeldmarktfonds und Vermögensverwalter ohne Banklizenz sollen künftig schärferen Regeln der EU unterliegen. Die EU-Kommission hat am Mittwoch entsprechende Auflagen für sogenannte Schattenbanken und Geldmarktfonds vorgeschlagen. So sollen diese Fonds leicht zu verkaufende Vermögenswerte horten und Kapitalpuffer aufbauen.

Damit will die EU den Geldmarkt- und Hedgefonds den Spielraum für das Eingehen von übermäßigen Risiken verringern und die Branche sicherer machen. Binnenmarktkommissar Michel Barnier will verhindern, dass sie bei möglichen Panikverkäufen der Anleger ins Wanken geraten und damit den übrigen Finanzsektor in Schieflage bringen. Der Graubereich des Finanzmarktes wächst rasant und setzt jährlich Billionensummen um. Global wird der Schattenbankensektor auf 51 Billionen Euro geschätzt, in der EU soll sich das Volumen auf 24 Billionen Euro belaufen.

Nach den Vorstellungen sollen bestimmte Geldmarktfonds, die ein konstantes Nettovermögen aufweisen (CNAV), künftig drei Prozent ihres verwalteten Vermögens als Kapitalpuffer vorhalten. Geldmarktfonds sollen zudem zehn Prozent ihrer Vermögensanteile vorhalten, die innerhalb eines Tages auslaufen. Darüber hinaus sollen weitere 20 Prozent der Anteile gehalten werden, die innerhalb einer Woche auslaufen.

Schattenbanken

Ein großes Problem der Finanzkrise

Vor fünf Jahren hat die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers die Welt in Schock versetzt. Viele Banken hatten Risiken ausgelagert - in sogenannte Schattenbanken („shadow banking“). Auch heute noch sind Geschäfte in diesem Graubereich sehr einträglich und wachsen rasant.

Was versteht man überhaupt unter Schattenbanken?

Darunter fallen Unternehmen, die ähnliche Funktionen wie Banken wahrnehmen - aber im Gegensatz zu Banken fast keiner Kontrolle unterliegen. Sie bewegen sich in einer Schattenwelt oder Grauzone, daher der Name. Dazu gehören Geldmarktfonds, börsengehandelte Indexfonds und spezielle Zweckgesellschaften. Bekanntere Beispiele sind Hedgefonds oder Private-Equity-Firmen (externe Kapitalgeber, die Unternehmen außerbörslich Eigenkapital zur Verfügung stellen).

Wie groß ist dieser Graubereich?

Gigantisch. Zwischen 2002 und 2010 haben die Schattenbanken ihren Umsatz weltweit auf 46 Billionen Euro verdoppelt - das entspricht mindestens einem Viertel des globalen Finanzmarktes. Diese Zahlen nennen die Finanzaufseher des Financial Stability Board. In den USA bewegen die „Nichtbanken“ ein größeres Kreditvolumen als herkömmliche Banken. Für Deutschland beziffert die EU-Kommission den Anteil auf fünf Prozent, in Großbritannien auf 13 Prozent.

Der Trend zeigt nach oben. Wie arbeiten diese Unternehmen?

Schattenbanken sammeln Kapital ein, sind als Kreditvermittler tätig oder sichern Kredite ab. Dabei arbeiten sie vor allem mit Fremdkapital und nutzen oft Hebelwirkungen, um eine Summe zu vervielfachen. Diese Strategie gilt als risikoreich.

Warum sind Schattenbanken so gefährlich?

Weil sie sich oft sehr kurzfristig finanzieren. Das kann zu einem Kollaps führen, wenn viele Kunden auf einmal ihr Geld abziehen wollen („Bank-Run“). Schattenbanken machen Geschäfte mit wenig Kapital, aber einem hohen Schuldenanteil, was bei einer Krise einen hohen Schaden anrichten kann. Diese Unternehmen unterliegen nicht der Einlagensicherung und haben keinen Zugriff auf Notenbankgeld. Ungeordnete Insolvenzen könnten verheerende Folgen haben, warnt die EU-Kommission: „Schattenbanken und ihre Tätigkeiten können eine Reihe von Risiken bergen.“

Und wieso wird der Graubereich größer?

Es ist eine praktische Sache: Viele Geldhäuser nutzen Schattenbanken als Handelspartner, um Risiken loszuwerden. Beispielsweise ist eine Bank verpflichtet, ihre Kreditrisiken immer mit Eigenkapital abzusichern. Lagert sie diese Risiken in eine Zweckgesellschaft aus, kann sie diese Regel umgehen - unbemerkt von den Aufsehern. In der Finanzkrise brachte diese Geschäftspolitik Banken wie die Hypo Real Estate oder die IKB ins Taumeln. Aber auch in jüngster Zeit nimmt diese Tendenz wieder zu: Je mehr die EU Banken kontrolliert, desto größer ist der Anreiz, auszuweichen. Damit wächst wiederum das Risiko einer Krise - ein Teufelskreis.

In Europa sind Geldmarktfonds vor allem in Frankreich, Irland und Luxemburg beheimatet. Insbesondere Banken besorgen sich von diesen Fonds Kapital. „Wir haben bereits Banken und Märkte reguliert“, sagte Barnier, „jetzt müssen wir uns um die Risiken kümmern, die vom System der Schattenbanken ausgehen.“ Dieser Bereich spiele eine wichtige Rolle bei der Finanzierung der Realwirtschaft, weshalb er transparent sein müsse.

Der EU-Vorschlag ist allerdings nicht so streng wie von internationalen Aufsehern gefordert. Damit die Initiative Gesetz werden kann, ist die Zustimmung von Europaparlament und EU-Staaten nötig. Auch beim Treffen der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) in St. Petersburg geht es um schärfere Regeln für Schattenbanken.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Dienstag das schleppende Tempo bei der Regulierung von Hedgefonds bemängelt. Der Vorschlag geh der Bundesregierung nicht weit genug. Der Sprecher des Bundesfinanzministeriums, Martin Kotthaus, sagte am Mittwoch in Berlin, die Kommissionspläne blieben hinter den Vorschlägen der Experten zurück. Deutschland und Frankreich wollten, dass die Empfehlungen eins zu eins umgesetzt würden. So reiche nicht aus, dass Fonds, die ein konstantes Nettovermögen auswiesen, nur drei Prozent des verwalteten Vermögens als Kapitalpuffer vorhalten sollten.

Kotthaus sagte, die Experten hätten vorgeschlagen, dass Geldmarktfonds mit festen Anteilen so gestaltet werden sollten, dass diese in variable Anteile umgewandelt werden könnten, damit die Fonds im Falle einer Krise nicht leergesaugt werden könnten. Sei das nicht möglich, sollten sie den Anforderungen an Banken entsprechen.

Auch den Sparkassen gehen die Regeln nicht weit genug. „Die Vorschläge zur Regulierung von Teilen des Schattenbanksektors sind völlig unzureichend“, kritisierte Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV).

Kommentare (6)

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04.09.2013, 13:28 Uhr

Handelsblatt berichtet
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EU will strenge Regeln für Schattenbanken
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Der EU-Vorstoß setzt an der falschen Stelle an.

Wenn Vehikel Kapital verbrennen ist das eigentlich wurscht.

Wenn dadurch Banken pleite gehen, die diese Risiken mithilfe von Vehikeln versteckt hatten, dann ist das nicht wurscht.

Die Art und Weise, in der Banken Risiken aus Ihren Bilanzen nehmen ohne sie tatsächlich losgeworden zu sein schreit zum Himmel.

Die IFRS-Regeln sollten entsprechend überarbeitet oder durch EU-eigene Regeln ergänzt werden.

...

Gewohnheitsmäßig schüttet die Kommission das Kind mit dem Bade aus.

Sie sollte personell mit Kompetenz ausgestattet werden.

Als Abstellgleis für auf nationaler Ebene gescheiterte Polit-Kasper ist sie zu wichtig.

Account gelöscht!

04.09.2013, 15:36 Uhr

Mensch, lassen wir doch diese Schattenbanken endlich kaputt gehen!

Kein deutsches Geld für russische Oligarchen, Griechen, Zyprioten, Chaoten...

Es reicht!

Account gelöscht!

04.09.2013, 15:57 Uhr

..und ich bin mit der Schattenregierung unzufrieden.

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