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13.01.2011

09:08 Uhr

Euro

Die Chronik einer Dauerkrise

VonMichael Brackmann, Jens Münchrath

Die Geschichte des Krisenmanagements in der Euro-Krise - sie ist eine Geschichte des Leugnens, Revidierens und Draufsattelns. Immer dann, wenn die europäischen Politiker neue Hilfspakete in Milliardenhöhe verkündeten, reagierten sie lediglich auf den Druck der Märkte.

Die Bundeskanzlerin kämpft an vorderster Front für die Währung. Quelle: dpa

Die Bundeskanzlerin kämpft an vorderster Front für die Währung.

BERLIN . Das ist das Grundmuster der Euro-Schuldenkrise - die Politiker, einst Treiber des europäischen Einigungsprozesses, sind zu Getriebenen der Finanzmärkte geworden. Erst Griechenland, dann Irland, bald vielleicht Portugal und anschließend womöglich Spanien. In Europa grassiert die Angst, die Angst um das europäische Prestigeobjekt: die Währungsunion. Die Regierungen starten eine Rettungsaktion nach der nächsten, die Krise in den Griff bekommen sie nicht.

23. April 2010, Bundeskanzlerin Merkel: "Es geht nicht um Griechenland, das Allerwichtigste ist jetzt die Stabilität der Währung."

Mit diesen Worten reagierte die Kanzlerin auf Griechenlands offizielle Bitte um finanzielle Hilfen von der EU. Zuvor hatten sowohl Griechenlands Premier Giorgos Papandreou als auch führende europäische Politiker noch betont, das Land benötige keine finanzielle Hilfe. Doch der Markt erzwang die Hilfe. Denn Griechenland musste Käufern seiner zehnjährigen Staatsanleihen gut 8,6 Prozent Rendite zahlen.

2. Mai 2010, Finanzminister Wolfgang Schäuble: "Die Stabilität der Euro-Zone als Ganzes zu verteidigen, das ist unsere Aufgabe, das ist unser Auftrag."

Griechenland bekommt eine Finanzhilfe von 110 Milliarden Euro. Die Finanzminister der 16 Euro-Staaten beschließen ein auf drei Jahre angelegtes Hilfspaket. Denn die Renditen zehnjähriger griechischer Staatsanleihen hatten ein Rekordniveau von fast zehn Prozent erreicht. Die Hellenen konnten sich kaum noch refinanzieren. Nach der Aktion gaben die Renditen um zwei Prozentpunkte nach, zogen dann aber wieder kräftig an.

10. Mai 2010, Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Wir schützen das Geld der Menschen in Deutschland."

Um Euro-Mitglieder vor dem Staatsbankrott zu retten, spannen die EU und der IWF einen Rettungsschirm in Höhe von 750 Milliarden Euro auf. Die Renditen griechischer Staatsanleihen waren trotz der Stützungskredite für Griechenland auf über zwölf Prozent gestiegen. Außerdem drohte ein Dominoeffekt. Die Risikoaufschläge irischer und portugiesischer Anleihen hatten kräftig zugelegt. Nach der Ankündigung des Rettungsfonds gaben die Renditen kräftig nach, allerdings nur kurzfristig.

Kommentare (2)

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Stefan L. Eichner

13.01.2011, 11:10 Uhr

ich finde es sehr verdienstvoll, dass das Handelsblatt einmal so übersichtlich an all die Ereignisse erinnert die davon zeugen, dass es die Regierungen – wie die „Euro-Krise“ zeigt – seit dem beginn der Finanzmarktkrise nicht geschafft haben, sich von den Finanzmärkten zu emanzipieren (siehe dazu: http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2010/11/irland-krise-regierungen-bleiben-eine.html).

Spätestens Anfang Mai – man erinnere sich an den bis heute offenbar nicht wirklich aufgeklärten, plötzlichen Kurssturz an der Wall Street, der die Finanzmärkte in Europa laut EZb an den Rand des neuerlichen Kollapses führte und die EU dazu zwang, den Rettungsfonds aufzulegen – war klar, dass massiv gegen den Euro und auf Staatspleiten in der EU spekuliert wird (siehe dazu auch: http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2010/05/bewahrungsprobe-der-europaischen-union.html).

Es wird kein Entrinnen aus dieser Situation geben, so lang sich die Regierungen von „den Finanzmärkten“ diktieren lassen, was die zentralen europäischen Probleme sind und was dagegen zu tun ist. Es kann nicht funktionieren, gleichzeitig die Finanzmarktakteure zu stützen und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu fördern, noch dazu bei einem Spiel, dass Volkswirtschaften um des Profites willen offensichtlich in den Ruin treibt, und sie zu disziplinieren, um Systemstabilität zu bekommen. Es kommt nicht darauf an, was die Finanzmärkte wollen, sondern was man ihnen gibt. Das sollte vielleicht zum Leitgedanken in der Euro-Krise werden.

Davon unabhängig hat die Krise natürlich Schwächen des Wirtschaftsmodells der EU aufgedeckt, die aber weder überwältigend noch unlösbar sind. Die gilt es sinnvoll zu lösen. Vor allem eines darf dabei nicht aus dem blick geraten: Europa als Ganzes ist die Wachstumsstory abhanden gekommen.

halloaberauch

13.01.2011, 11:46 Uhr

Hosenanzug sagt:
Physikalisch gesehen hat das europäische Wirtschaftsmodell Schwächen. Ob es wirklich wirtschaftliche Schwächen hat, entzieht sich meinen physikalischen Kenntnissen.

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