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02.01.2007

17:20 Uhr

Euro-Einführung

Ärger um Sloweniens Zwei-Cent-Münze

VonOliver Stock

Haider sei Dank! Gäbe es den strammen Kärtner Landeshauptmann Jörg Haider nicht, dann wäre die Euro-Einführung im Nachbarland Slowenien ganz und gar reibungslos über die Bühne gegangen. Doch so gab es Ärger. Grund: die slowenische Zwei-Cent-Münze.

Slowenische Euro- und Cent-Münzen: Das Motiv des Karnburger Fürstensteins (oben rechts) sorgt für Unmut in Österreich. Foto: ap

Slowenische Euro- und Cent-Münzen: Das Motiv des Karnburger Fürstensteins (oben rechts) sorgt für Unmut in Österreich. Foto: ap

LJUBLJANA. Fast hätte im restlichen Europa womöglich niemand bemerkt, dass die Slowenen die ersten Osteuropäer sind, die nun auch ganz offiziell mit dem Euro einkaufen gehen können. Schließlich benötigten die zwei Millionen Slowenen für den Anfang das überschaubare Sümmchen von 2,28 Milliarden Euro. So etwas erzeugt selbst bei den Währungshütern der Europäischen Zentralbank keine hektischen Flecken im Gesicht.

Dank Haider gibt es aber wenigstens eine kleine Unstimmigkeit am Rande – und die geht so: Die Zwei-Cent-Münze, die sich die Slowenen gegeben haben, trägt auf ihrer Rückseite die Abbildung des Karnburger Fürstensteins. Das ist der Kopf einer ehemals römischen Säule, auf der im siebten Jahrhundert jene Fürsten zu hocken hatten, die Karantanien regieren wollten. Das Land hat geographisch viel mit dem heutigen Kärnten gemeinsam, weswegen Haider den Stein zum Nationalheiligtum erklärte, ihn aus einem abseitigen Platz im Museum in den Eingang des Klagenfurter Landtags verfrachten ließ und vermutlich am liebsten auch seinen Amtseid darauf hockend abgelegt hätte.

Dass ausgerechnet dieses Symbol Kärtner Nationalgeschichte nun die Slowenen auf ihre Münze prägen, hängt mit dem Umstand zusammen, dass die Fürsten damals in slawischer Sprache vereidigt wurden. Karantanien stand unter slawischem Einfluss, bevor es später an Bayern fiel, weswegen das bröckelige Säulenfragment eben auch von den Slowenen als ein früher Beweis ihrer Eigenstaatlichkeit verehrt wird. „Und Grenzen“, so legte das slowenische Parlament in einer Replik auf Haider nach, „sind schließlich zum Überwinden da.“

Damit ist die Episode vorbei, die den Slowenen mehr europäisches Bewusstsein attestiert als dem Kärtner Spitzenmann. In der slowenischen Hauptstadt Ljubljana konnte in der Neujahrsnacht die Euro-Party ungestört ihren Lauf nehmen. Die Geldautomaten legten für zwei, drei Stunden eine Pause ein, dann spukten sie gegen viertel nach eins brav die druckfrischen Euro-Noten aus. „Geh mit Gott, Tolar“, hatte die größte slowenische Zeitung am Tag zuvor getitelt und damit freundlich von jener Währung Abschied genommen, die das Land als Symbol seiner Unabhängigkeit vom zerfallenden Jugoslawien im Oktober 1991 eingeführt hatte.

Viel Trauerarbeit war nicht nötig: „Behalten Sie ihn als Souvenir“, lacht der Mann hinter dem Schalter, der kurz hinter der österreichisch-slowenischen Grenze am Tag vor dem Jahreswechsel die Autobahngebühr kassiert und ein Zehn-Tolar-Stück als Wechselgeld herausrückt. Tonnenweise ist das neue Geld in den vergangenen Wochen per Flugzeug aus Wien herbeigeschafft worden. Die Nationalbank dort ist stolz, zur „Drehscheibe für die Euro-Versorgung in Osteuropa“ zu werden, wie der zuständige Direktor sagt. Slowenien war ein Testfall, andere werden – allerdings nicht allzu bald – folgen.

In den Geschäften der slowenischen Hauptstadt gibt es längst zwei Währungen, die an der Kasse akzeptiert werden. Alle Preisschilder nennen zuerst die Euro- und dann etwas kleiner die Tolarsumme. Ansonsten wären gute Kopfrechner gefragt, denn der Kurs von 239,64 Tolar, die einen Euro ergeben, ist alles andere als rund. „Der Tolar“, sagt Damjan Kozamernik, Chefvolkswirt der slowenischen Nationalbank, dem Handelsblatt, „hat sich ordentlich entwickelt.“ Nun aber hätten die Slowenen begriffen, dass ihre Wirtschaft stabil genug sei, um ins Euro-System integriert zu werden. Sie wollten es auch, fügt er hinzu und zitiert Umfragen, in denen sich rund zwei Drittel der Slowenen für die Einführung des Euros ausgesprochen haben. Nicht ohne Stolz stellt Kozamernik fest, dass die Slowenen ein Beispiel abgäben, das zum Nachahmen anregt. „Slowenien zeigt, dass es durch eine glaubwürdige und zielgerichtet Wirtschaftspolitik möglich ist, die Kriterien für die Euro-Einführung zu erfüllen.“

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