Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.12.2011

10:48 Uhr

Euro-Gipfel

Europa lässt Großbritannien zurück

VonMichael Maisch

Um Londons Finanzzentrum zu schützen verweigerte sich Cameron den Vorschlägen von „Merkozy“. Die Euro-Zone auf dem Kontinent hält er nicht auf. Aber die Briten zahlen dafür einen hohen Preis. Nicht zuletzt die Banken.

Der britische Premier David Cameron verteidigt beim Gipfel seine starre Haltung. Reuters

Der britische Premier David Cameron verteidigt beim Gipfel seine starre Haltung.

LondonEs war von Anfang an klar, dass dies ein extrem schwieriger EU-Gipfel für den britischen Premierminister David Cameron werden würde. Aber, dass das Ergebnis derart desaströs ausfallen würde, überrascht doch. Am Ende wird die Weigerung Camerons, eine Änderung der EU-Verträge mitzutragen, den Briten weitaus mehr schaden, als den restlichen Europäern.

Cameron steckt seit Monaten in einem europapolitischen Dilemma, aus dem es eigentlich keinen Ausweg gibt. Auf der einen Seite treibt den Premier die Angst um, dass die EU-Mitglieder, die nicht zur Währungsunion gehören, an den Rand gedrängt werden und Großbritannien am Katzentisch der Union landet. Auf der anderen Seite wird zu Hause der Chor der Europaskeptiker, die einen Rückzug oder gar einen Austritt aus der EU fordern immer lauter. Cameron kann diese Stimmen aus der eigenen Partei und aus der Kernwählerschaft der Tories nicht ignorieren, zumal auch die Labour-Opposition zunehmend eurokritischer wird.

Das neue Europa

Karte vom „neuen“ Europa.

Angesichts dieser Ausgangslage reiste Cameron mit der Agenda nach Brüssel, dass er Vertragsreformen nur zustimmen würde, wenn der Rest der EU gleichzeitig ein Protokoll akzeptiert, dass das Finanzzentrum der Londoner City vor der Regulierungswut aus Brüssel schützt. Aus Camerons Sicht ist diese Forderung verständlich, schließlich klagt der Premier seit Monaten über die Dauerattacken der EU auf das Nervenzentrum der britischen Wirtschaft. Vor allem die von Paris und Berlin vorangetriebene Transaktionssteuer auf Finanzgeschäfte ist für die Briten ein absolutes Tabu.

Mit seiner harten Verhandlungsstrategie fuhr Cameron allerdings gegen die Wand. Nicht nur für den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy waren die britischen Forderungen unakzeptabel, sondern auch für Bundeskanzlein Angela Merkel und einige andere Regierungschefs der Euro-Zone.

Dokumentation: Der Masterplan gegen die Eurokrise

Dokumentation

Der Masterplan gegen die Eurokrise

Auf dem EU-Gipfel haben sich Europas Staatschefs vergangene Nacht auf weitreichende Maßnahmen zur Rettung der Eurozone geeinigt. Lesen Sie in der offiziellen Beschlussfassung, wie die Union aus der Krise finden will.

Innenpolitisch wird Cameron mit seiner Blockadetaktik sicherlich Punkte machen. Wieder einmal steht Großbritanniens seit jeher zwiespältiges Verhältnis zur europäischen Einigung vor einer Neudefinition, und das dürfte der Mehrheit der Wähler gefallen. Außenpolitisch hat sich Cameron allerdings weit ins Abseits manövriert. Quasi seit Jahrhunderten ist es eines der vorrangigen Ziele der britischen Europapolitik zu verhindern, dass sich auf dem Kontinent ein übermächtiger Block bildet, auf den die Insulaner keinen oder kaum Einfluss haben. Aber genau diese Gefahr droht jetzt.

Kommentare (50)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Schlaumeier

09.12.2011, 11:04 Uhr

Wenn der Tommy keine Finanzindustrie mehr hat, hat er garnichts mehr. Zurück in die Steinzeit (genau wie in den USA). Also, was hat Cameron zu verlieren?

hamp

09.12.2011, 11:31 Uhr

Um Londons Finanzzentrum zu schützen verweigerte sich Cameron den Vorschlägen von „Merkozy“.

das ist einfach falsch..die haben diesen vereinbarung nicht unterschrieben weil es einen massiven verlust an sovereignität bedeutet...sagt cameron selber...die transactionsteuer hätte es sowieso nicht gegeben...weil GB einen veto hätte einlegen können und trotzdem mit allen andere mitmachen..

GB will einfach nicht ein teil einen neuen EU superstaat sein..zu recht...die wollen frei bleiben..sovereign...das ist vollkommen normal...es ist NORMAL wenn man nicht von undemokratischen bürokraten regiert sein will...

bitte kein halbwahrheiten verbreiten um von viel wichtigere sachen ablenken zu können..nähmlich...deutschland wird bald nicht mehr existieren...und leute wie juncker würden der kompletten kontrolle uber eure finanzen kriegen..

schlimm..wirklich..

sterbende_demokratie

09.12.2011, 11:32 Uhr

Hoffentlich stehen die Briten nicht bald genauso "arm" und "Isoliert" da wie beispielsweise die "einsamen" Schweitzer.

*Ironie aus

Das war ja wieder mal ein populistischer EU-Propaganda-Artikel erster Güte, Respekt!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×