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28.02.2012

20:13 Uhr

Euro-Gruppenchef Juncker

Neuer EU-Kommissar soll griechische Wirtschaft beleben

Auch Jean-Claude Juncker hat den Glauben in die Selbstheilungskräfte der griechischen Politik verloren. Allerdings vermeidet der Euro-Gruppenchef den Begriff „Sparkommissar“. Er wünscht sich für Athen einen „Aufbaukommissar“.

Jean-Claude Juncker. dpa

Jean-Claude Juncker.

LuxemburgUnmittelbar vor dem EU-Gipfel am Donnerstag hat Jean-Claude Juncker, der Chef der Euro-Gruppe, einen eigenen EU-Kommissar mit Zuständigkeit für Griechenland gefordert. „Ich wäre sehr dafür, dass ein EU-Kommissar mit dem Aufbau der griechischen Wirtschaftsstruktur beauftragt wird“, sagte Juncker der Tageszeitung „Die Welt“. Das sei nötig, weil die Wirtschaftsstruktur des Landes „der unseren in keiner Weise vergleichbar“ sei, sagte der Premierminister von Luxemburg weiter. Die griechische Regierung habe es „bisher nicht vermocht“, die wirtschaftliche Infrastruktur des Landes an europäische Standards anzupassen.

„Deshalb müssen wir bei der Umsetzung selbst mit anpacken“, sagte Juncker der Zeitung. Juncker will seinen Vorschlag nicht als Neuauflage des im Januar von der Bundesregierung ins Spiel gebrachten „Sparkommissars“ verstanden wissen, eine Idee, die Deutschland viel Schelte eingetragen hatte.

Griechenlands Exportwirtschaft

Brennstoffe, technische Öle

Den größten Anteil an Exportgütern aus Griechenland haben Brennstoffe und technische Öle. Sie umfassen 27,1 Prozent des hellenischen Exports.

Vorerzeugnisse

Vorerzeugnisse wie Stahl haben bei den griechischen Exportgütern einen Anteil von 16,8 Prozent.

Lebende Tiere und Nahrungsmittel

Mit 14,2 Prozent sind lebende Tiere und Nahrungsmittel das drittgrößte Importgut Griechenlands. In Deutschland erreichen diese Produkte nur Platz fünf der Exportgüter (4,2 Prozent).

Maschinen und Fahrzeuge

Maschinen und Fahrzeuge machen in Deutschland mit 47,6 Prozent fast die Hälfte aller Exporte aus. In Griechenland sind es 13,9 Prozent und damit Platz vier im Landesvergleich.

Chemische Erzeugnisse

Mit 10 Prozent sind chemische Erzeugnisse die Produktgruppe, die Griechenland am fünfhäufigsten exportiert. In Deutschland landen sie mit 15,3 Prozent auf Platz zwei.

Gesamtexport

Insgesamt exportiert Griechenland Güter im Wert von 22,5 Milliarden Euro. Deutschland erreicht ein Exportvolumen von 1060 Milliarden Euro.

„Kein Sparkommissar, wie ehedem vorgeschlagen, sondern ein Aufbaukommissar, der alle Kompetenzen der EU-Kommission Griechenland betreffend bündelt“, sagte er. „Irgendjemand muss eben Hilfestellung bieten, die griechische Wirtschaftspolitik denken und vorausdenken. Es wird nicht reichen, dass wir uns einmal im Monat als Euro-Finanzminister damit beschäftigen“, sagte der Chef der Euro-Gruppe.

Deutschland hatte im Januar vorgeschlagen, einen sogenannten Sparkommissar mit der Haushaltsüberwachung für Griechenland zu beauftragen. Der Vorschlag war aber nicht nur von Athen abgelehnt worden, sondern hatte Deutschland insgesamt überwiegend Kritik eingetragen.

Kommentare (20)

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Account gelöscht!

28.02.2012, 20:22 Uhr

"Das sei nötig, weil die Wirtschaftsstruktur des Landes „der unseren in keiner Weise vergleichbar“

HAHAHA sorry ich kann echt nur noch laut lachen und bin froh dass ich mein Geld in Sicherheit gebracht habe vor diesem irren EU-HAufen. Denen fällt JETZT auf dass die dort eine andere Wirtschaft haben? Ich hau mich weg...vielleicht merken die am Donnerstag sogar dass die dort nicht deutsch sprechen und wo ganz anders wohnen als wir! :D

Rette sich wer kann oder macht zum Aufstand mobil und befreit uns von diesen ganzen Politikern die nichts als Kummer, Not und Elend bringen. Alles andere wird zum Desaster für alle führen und das ist zu 100% sicher.

Radiputz

28.02.2012, 20:48 Uhr

Das ist doch zu sich kriegen! Herr Juncker hat etwas bemerkt. Das hätte man schon vor zehn Jahren bemerken können und eine Aufnahme Griechenlands in die Euro-Zone verhindern und nicht befördern müssen. Die ganze Hirn-Vergessenenheit von Politikern nach der Machart des Herrn Juncker und seinesgleichen tritt ans helle Licht der Sonne wenn man sich derartige Sprüche anhören muss

R.Rath

28.02.2012, 21:10 Uhr

Herr Juncker und alle anderen waren nun mal der Meinung und haben dieses Dogma wie eine Monstranz vor sich hergehalten, die Euro-Zone werde Konvergenz zwischen Ihren Mitgliedsstaaten herstellen und zwar "ganz von allene" wie im Märchen. Da nun das Gegenteil zu verzeichnen ist und sie aus ihren Träumereien halbwegs aufzuwachen scheinen, verfallen sie in hektische Betriebsamkeit und merken trotz allem nicht wie ihnen das Gesamt-Konstukt so langsam unter den Händen zerrinnt.
Ideologen, Dogmatiker, Visionäre und Schönwetterpolitiker hatten das Ruder in der Hand und scheinen es leider immer nóch in der Hand zu halten. Ein europäisches Trauerspiel, eine Tragödie sondersgleichen, die man uns zumutet zur Kenntnis nehmen zu müssen.

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