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28.09.2011

12:44 Uhr

Euro-Krise

Axel Weber warnt vor den „Technokraten in der EZB“

Der designierte UBS-Verwaltungsratschef und Ex-Bundesbanker geht mit seinen alten Kollegen ins Gericht: Weber fordert die Notenbanker auf, sich auf die Kernaufgaben zu konzentrieren - und der Politik Raum zu lassen.

Axel Weber, Wirtschaftsprofessor in Chicago. dpa

Axel Weber, Wirtschaftsprofessor in Chicago.

DüsseldorfAxel Weber kritisiert, dass seine früheren Kollegen in Europas Zentralbanken in der Euro-Krise voreilig finanzpolitische Aufgaben übernehmen, für die sie keine Legitimation - und keinen Auftrag - hätten.

„Wir sprechen hier über hoch politische Fragen, die man nicht einem Gremium von - in diesem Fall absolut wertfrei gesprochen - Technokraten überlassen darf, wie es die Zentralbanken sind und sein sollen“, formuliert der frühere Bundesbankpräsident in einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" vorsichtig. Und weiter: „Das Privileg, unabhängig zu sein, bringt die Verpflichtung mit sich, sich auf seine Kernaufgabe zu konzentrieren.“

Auf die Frage, ob das Krisenmanagemet der Politik nicht zu langsam sei und die Notenbanken zum Handeln zwinge, wird er deutlicher: „Ich halte die Sichtweise, dass Regierungen und Parlamente ihrer Verantwortung nicht gerecht werden, für eine unbewiesene Hypothese." Im Klartext: Es sind mitunter die Notenbanker, die das Handeln der Politiker unterlaufen. Weber wörtlich: "Wenn sich immer gleich die Zentralbank bewegt, wird sich die Politik nicht bewegen.“ Als Beispiel nennt er die Entscheidung über das Bankenrettungsprogramm im Jahr 2008: „Die Parlamentarier hatten erkannt, was auf dem Spiel stand, und handelten deshalb."

Weber war am 30. April 2011 als Bundesbankchef zurückgetreten. Bis dahin hatte er als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet gegolten, mit dem er sich in der Frage der Staatsanleihenankäufe der EZB überworfen hatte. Gegenwärtig ist Weber Gastprofessor in Chicago und soll spätestens 2013 Verwaltungsratsvorsitzender der Schweizer Großbank UBS wechseln. Derzeit verhandelt er offenbar mit der Bundesbank, ob er unter Umständen schon früher in den Privatsektor eingreifen kann.

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Weber war am vergangenen Wochenende bei der Herbsttagung des IWF in Washington aufgetreten, hatte inhaltliche Aussagen zur Eurokrise aber vermieden.

Kommentare (9)

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Adolf

28.09.2011, 13:03 Uhr

Bedingt durch ihre deutsch-nationale Einstellung sind solche Leute zur Eurozone was ein Kolbenfresser zum Motor ist.

Account gelöscht!

28.09.2011, 13:05 Uhr

Es ist erfreulich, dass Herr Weber einen Euro-Austritt Griechenlands nicht für unbedingt notwendig hält. Es verbreitet sich derzeit eine Ungelduldigkeit, die an 1914 erinnert. Im Herbst 1914 waren die Mächte Europas ungeduldig geworden. Man hatte sich schon so lange mit Worten beflegelt, dass die Hemmschwelle, den Worten auch militärische Taten folgen zu lassen, sank. Ein paar Schüsse würden die Luft schon wieder säubern und spätestens zu Weihnachten würde man wieder zurück sein. Weihnachten war es, aber erst 4 Jahre später. Dazwischen lag Zerstörung.

Die Hemmschwelle, sich in punkto Griechenland auf gefährliche Taten einzulassen, scheint mit jedem Tag zu sinken. Man möge ich nicht mit der Bombe spielen; sie könnte explodieren.

Ein Euro-Austritt hätte u. a. zur Folge, dass die inländischen Finanzvermögen der Griechen über Nacht um 30-40% weniger wert wären. Griechenland ähnelt nach den bisherigen Sparmassnahmen schon einem Tanz auf dem Vulkan. Wenn das jetzt mit einem dramatischen Vermögensverlust ergänzt wird, glaubt dann wirklich noch jemand, dass der soziale Friede und möglicherweise auch die Demokratie unbeschadet erhalten bleiben?

http://klauskastner.blogspot.com/2011/09/endspiel-um-griechenland.html

Realo

28.09.2011, 13:11 Uhr

Webers Ansichten sind vernünftig und nachhaltig. Mit Nationalismus hat das nichts zu tun, sondern mit Realismus.

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