Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.06.2012

06:44 Uhr

Euro-Krise

Britischer Finanzminister rät zur Schocktherapie für Deutschland

VonMichael Maisch

Der britische Finanzminister, George Osborne, provoziert einmal mehr die Euro-Länder. Ein Austritt Griechenlands aus dem Euro könne helfen, die Zustimmung Deutschlands zur Rettung der Gemeinschaftswährung zu sichern.

Der britische Finanzminister George Osborne fällt einmal mehr mit einem unerbetenen Kommentar zur Euro-Krise auf. dpa

Der britische Finanzminister George Osborne fällt einmal mehr mit einem unerbetenen Kommentar zur Euro-Krise auf.

LondonDer britische Finanzminister George Osborne sorgt mit unerbetenen Ratschlägen wieder einmal für böses Blut in der Eurokrise. Auf einer Veranstaltung der britischen Zeitung „Times“ dachte der Konservative laut darüber nach, ob ein Austritt Griechenlands aus dem Euro nicht der Preis sei, den die EU bezahlen müsse, um Deutschland endlich davon zu überzeugen, die Gemeinschaftswährung zu retten.

„Ich bin mir nicht sicher, ob die deutsche Regierung einen Austritt Griechenlands braucht, um der Öffentlichkeit zu erklären, warum sie gewisse Dinge wie eine Bankenunion oder Eurobonds einführen muss“, zitieren britische Medien den Finanzminister.

Gemeinschaftsanleihen - Euro-Bonds belohnen die Sünder

Um was geht es?

Auch bei Euro-Bonds sind sich Deutschlands Wirtschaftslenker und Bundeskanzlerin Merkel einig: Gemeinsame Anleihen würden verschuldeten Ländern den Anreize nehmen, durch Reformen wieder wettbewerbsfähiger zu werden. Und dennoch: Langfristig ist die Vergemeinschaftung von Schulden vorstellbar.

Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes

„Gemeinsame europäische Schuldversprechen verwischen Haftung und Anreize.“

Martin Wansleben, Chef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages

„Euro-Bonds sind der falsche Weg. Denn was für ein Signal sendet man damit? Doch nur, dass man Schuldenpolitik leichter machen will.“

Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank

„Euro-Bonds mit gesamtschuldnerischer Haftung verletzen das urdemokratische Prinzip von no taxation without representation.“

Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken

„Hierzu (für Gemeinschaftsanleihen, d. Red.) brauchen wir einen passenden institutionellen Rahmen, den wir noch nicht haben. Haftung darf es nur im Gegenzug zu ausreichenden Kontrollinstrumenten geben.“

Osborne sorgte bereits in der vergangenen Woche für Verärgerung bei seinen kontinentaleuropäischen Kollegen, als er andeutete, dass die Briten ein Referendum über die Mitgliedschaft in der EU abhalten könnten, möglicherweise schon in der nächsten Legislaturperiode.

Osborne und sein  Premierminister David Cameron kämpfen seit Wochen mit der wachsenden antieuropäischen Stimmung in ihrer eigenen konservativen Partei. In der Eurokrise steckt die Londoner Regierung in einer Zwickmühle, auf der einen Seite ist sie dringend darauf angewiesen, dass ihr größter Handelspartner, die Währungsunion seine Probleme schnell löst. Ansonsten droht Großbritannien noch tiefer in die Rezession zu rutschen.

Auf der anderen Seite fürchten Cameron und Osborne, dass eine stärkere Integration der EU, die für die britische Wirtschaft so wichtige Finanzindustrie schädigt. Das Nein der Briten zum EU-Fiskalpakt sorgte Ende vergangenen Jahres für Empörung in Berlin und Paris.

Cameron stellte sich damals stur, weil seine Amtskollegen, die von ihm geforderten Sonderregelungen für die Londoner City ablehnten. Osborne hat in der vergangenen Woche unmissverständlich klar gemacht, dass es eine Bankenunion, das heißt eine EU weite Aufsicht über die Finanzbranche und eine gemeinsame Krisenprävention mit den Briten nicht geben wird.

Kommentare (111)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Thomas-Melber-Stuttgart

13.06.2012, 07:10 Uhr

Seit wann ist GB Mitglied der Euro-Zone? Allerdings kann sich GB gerne am Rettungsschirm beteiligen, Geldgeber sind immer erwünscht.

smarty_32

13.06.2012, 07:21 Uhr

Die Engländer haben nur schlaue sprüche...mehr nicht.
Warum beteiligen sie sich nicht an den Rettungsschirmen?
Stattdessen wird daruf gesetzt die Finanztranaskationsteuer zu verhindern um die letzte, Industrie im Land zu "bewahren" -die der Zocker und Spekulanten-
Rohöl wird bereits beim Entlanden im täglichen zigfachen hin und Her bis zur Fahrt in den Hafen
gekauft und verkauft. Was für ein Schwachsinn!
Der einzigste der verdient sind die Zocker, wer bezahlt?
Der Verbraucher!
Daher liebe FDP, die Transaktionsteuer ist FÜR die Bürger!

Harald

13.06.2012, 07:22 Uhr

Sogar Diejenigen die ganz offen kein Geld geben, aber schmarotzen wollen, geben nun öffentlich Pläne preis wie man Deutschland am besten erpressen kann um weiter den Zahler für Alle zu spielen! Einfach nur widerwärtig :-( Wir sollten einfach aussteigen. Nach anfänglichem Crash kommen wir garantiert wieder auf die Beine. Ob die anderen das auch schaffen?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×