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08.04.2011

15:39 Uhr

Euro-Krise

Deutsche Bank erwartet Umschuldung in Griechenland

VonThomas Hanke

Die EZB will von einer Umschuldung in Griechenland nichts wissen, doch Deutsche-Bank-Vorstand Fitschen erwartet sie sogar noch vor 2013. Auch Peer Steinbrück glaubt nicht, dass die Griechen ihre Schulden begleichen.

Deutsche-Bank-Vorstand Jürgen Fitschen glaubt an einen baldigen Schuldenkollaps der Griechen: "Das hält nicht bis 2013." Quelle: dpa

Deutsche-Bank-Vorstand Jürgen Fitschen glaubt an einen baldigen Schuldenkollaps der Griechen: "Das hält nicht bis 2013."

Das deutsch-spanische Forum ist eine Veranstaltung für die Elite aus Politik und Wirtschaft der beiden Länder, bei dem der ruhige Meinungsaustausch gepflegt wird. Gegenseitige Freundschaftsbekundungen gibt es viele, raue Töne wenig, und ein Mittagessen mit dem spanischen König ist der Höhepunkt des Treffens.

Ganz anders war es diesmal: Defilée und Mittagessen mit "Rey Juan Carlos I." und Bundespräsident Christian Wulff auf Schloss Bellevue am Donnerstag waren zwar der protokollarische Höhepunkt, doch das wirkliche Highlight gab es am Freitag. Bei einem Panel über "Solidargemeinschaft - Die Zukunft der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion" lösten Steinbrück und Fitschen eine handfeste Kontoverse mit der EZB aus.

Steinbrück griff die Zentralbank frontal an: Sie argumentiere nur deshalb gegen eine Umschuldung für Griechenland - die er befürwortet - weil sie mittlerweile "zu einer Art Bad Bank für Staatsanleihen" geworden sei. Sie halte mehr als 70 Milliarden Euro an Staatsanleihen der notleidenden Euro-Länder, vor allem Griechenland. Unter einem Schuldenschnitt würde sie deshalb selber leiden.

Die beiden anwesenden EZB-Direktoriumsmitglieder ließen diese erste Salve über sich ergehen. Gonzalez Paramo antwortete im gewohnten EZB-Sprech: "Auch die unkonventionellen Maßnahmen der EZB dienten nur dazu, alle Kanäle offenzuhalten, über die die Geldpolitik wirkt."

Doch Deutsche Bank-Vorstand Fitschen legte nach: "Ich hätte mir gewünscht, im April letzten Jahres sofort die Gläubiger zur Verantwortung zu ziehen". Er räumte ein, dass es ein Dilemma gebe: die Furcht, das dann das "Bankensystem auf einen Schlag nicht mehr funktionsfähig gewesen wäre". Mittlerweile sei diese Sorge aber übertrieben: "Viele gute Banken haben Abschreibungen gemacht. Es gibt genügend Erfahrungen mit Umschuldungen, jetzt muss man die Phantasie spielen lassen."

Dem Handelsblatt gegenüber ging Fitschen sogar noch weiter: "Das hält nicht bis 2013", sagte er nach der Diskussion. Bundeskanzlerin Angela Merkel verweise auf den vereinbarten Mechanismus für die Einbeziehung privater Gläubiger, der ab 2013 gelten soll. Die Frage sei aber, wie man mit der bereits aufgelaufenen Schuld umgehe. Das, so Fitschens Ansicht, lässt sich nicht bis 2013 aufschieben.

Kommentare (23)

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BerndK

08.04.2011, 15:49 Uhr

Brainfood für das tumbe Volk.....
Selbstverständlich kommt eine Währungsreform in Griechenland - und nicht nur dort.
Selbstverständlich bricht der Euro und die EU zusammen - und das in naher Zukunft !
Selbstverständlich wird die Bevölkerung weiter belogen und betrogen - dafür hat man ja die Politiker.
Ich könnte noch eine ganze Weile so weitermachen. Aber leider sind die meisten Menschen mit dem bischen schon überfordert......

SeriousSam

08.04.2011, 15:56 Uhr

Wie bitte?

"... Solidargemeinschaft, die aber in beide Richtungen funktionieren müsse: Wenn einige Länder Hilfe leisteten, müssten die anderen ihren Haushalt sanieren und ihre Wirtschaftskraft stärken"

Was ist Deutschland gegenüber solidarisch daran, wenn wir anderen Ländern neue Schulden finanzieren, und die mit der dadurch gewonnenen Zeit sich stärken und wettbewerbsfähiger machen?

Nein, daran ändern auch all diese durchsichtigen Versuche nichts, der Sache den gewünschten Spin zu geben: die Deutschen profitieren nicht, schon gar nicht 'am meisten' von der Eurozone. Und auf Gegenseitigkeit basiert das erst recht nicht. Wir sparen und zahlen uns für die anderen Länder zu Tode - Kohl, Schröder und Merkel sei Dank.

Gebetsmuehle_und_Hohle_Phrasen

08.04.2011, 16:04 Uhr

" Alle Verantwortlichen müssten "den Steuerzahlern klar machen, wie sehr wir davon profitieren." Bitte konkret belegen und nicht wieder brainwash-hohle Phrasen wie "Export-Mythos, Krieg und europäische Integration. Wieso profitiert der Steuerzahler in D, wenn die Exportnarren Deutschlands unter hohen Kapitalentzugseffekten leiden, und ihre Exporte in die PIGS selbst finanzieren, der Normalo einen geringeren Reallohn hat, D eine halb so hohe Wohneigentumsquote wie die PIGS, und nur Hochfinanz und Dax-konzerne vom Euro profitieren. Bitte erläutern, warum es dem Steuerzahler seit dem Euro besser gehen soll als vor dem Euro.

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