Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.12.2011

09:53 Uhr

Euro-Krise

Die Euro-Retter suchen den Umweg zur Notenpresse

VonNicole Bastian

Am liebsten wäre den Euro-Rettern, die Notenbanken würden direkt Geld drucken, um Schuldenstaaten am Markt zu stützen. Doch die Währungshüter sträuben sich dagegen. Also gehen die Länder einen Umweg - über den IWF

Die Euro-Retter wollen, dass die Notenbanken den Schuldenstaaten über den Internationalen Währungsfonds (IWF) neue Kredite geben. dpa

Die Euro-Retter wollen, dass die Notenbanken den Schuldenstaaten über den Internationalen Währungsfonds (IWF) neue Kredite geben.

DüsseldorfWenn Kinder etwas nicht direkt bekommen, versuchen sie, es mehr oder weniger subtil einfach auf anderem Weg zu erhalten. Genauso machen es dieser Tage die Regierungen der Euro-Staaten. Sie wollen von den Notenbanken ein noch stärkeres Eingreifen in die Finanzmärkte, um diese zu beruhigen. Dass die Europäische Zentralbank bisher für 207 Milliarden Euro Anleihen der Euro-Schuldenländer angekauft hat, reicht ihnen nicht. Sie wünschen sich eine "Bazooka", mit der Notenbank-Mittel direkt in den Markt gefeuert werden.

Vor allem die Bundesbank aber stellt sich gegen eine Staatsfinanzierung durch Notenbanken. Das Argument: Die Währungshüter verlieren darüber langfristig Glaubwürdigkeit und Vertrauen - ihr wichtigstes Gut.
Was also tut die Politik in Europa als Reaktion? Sie ersinnt Umwege, um an das Ziel zu kommen. Man könnte doch etwa für den europäischen Rettungsfonds eine Banklizenz basteln, damit er sich so über die Europäische Zentralbank refinanzieren kann. Auf verwinkelten Umwegen hätte man so die Notenpresse angeworfen. Der Versuch scheiterte. Zu Recht.

Nicole Bastian leitet das Handelsblatt-Finanzressort. Pablo Castagnola

Nicole Bastian leitet das Handelsblatt-Finanzressort.

Jetzt soll nach den Beschlüssen des jüngsten EU-Gipfels der Internationale Währungsfonds (IWF) als Umweg zum Notenbankgeld herhalten. Im krassesten Fall geben die Notenbanken der Euro-Zone 200 Milliarden Euro zusätzliche Kredite an den IWF, der diese dann an die Euro-Staaten zahlt. Das wäre allerdings zu deutlich als Finanzierung der Staaten durch die Notenbanken erkennbar.

Also legt die Bundesbank - wieder zu Recht - Wert darauf, dass die Kredite nicht nur für Europa verwandt werden und die Lasten für die Kredite an den IWF sich gerecht auf die IWF-Anteilseigner verteilen. Das heißt ganz klar: Wenn die USA als größter Geldgeber jetzt signalisieren, nicht mitzumachen, dann darf die Bundesbank, die 45 Milliarden Euro stemmen soll, auch nicht mitziehen. Auch dann nicht, wenn der Druck aus der europäischen Politik weiter wächst. Die Politiker Europas sollten die Idee des IWF-Umwegs in diesem Fall einfach schnell wieder begraben.

Europa hat auf dem jüngsten Gipfel glaubhafte Langfristrezepte gefunden, um an den Finanzmärkten wieder Vertrauen zurückzugewinnen. Jetzt müssen die Staaten zeigen, dass den Zielen auch Taten folgen. Das ist ein langwieriger Prozess, auf dem es immer wieder Aufs und Abs geben wird - aber die Richtung ist gefunden.

Jetzt für eine kurzfristige Milderung auf Umwegen die Notenpresse auf höhere Touren zu bringen ist nicht der richtige Weg. Für kurzfristige Milderung gibt es einen vorübergehenden und einen permanenten Euro-Rettungsfonds. Sie sind aus Fiskalmitteln aufgesetzt und damit genau für den Zweck gedacht, zu dem jetzt die Notenbankmittel herhalten sollen. Wenn diese Mittel nicht reichen sollten, müssen die Parlamente eben mehr bewilligen. Oder haben sie nur davor Angst?

Die Autorin leitet das Finanzressort. Sie erreichen sie unter: bastian@handelsblatt.com

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Petra

16.12.2011, 10:07 Uhr

Das Problem, das durch zu viel Geld entstand, soll nun mit noch viel mehr Geld gelöst werden. Das ist, als wenn man einem Patient mit Bluthochdruck noch blutdrucksteigernde Medikamente gibt.

Account gelöscht!

16.12.2011, 12:05 Uhr

Was nützen Notenpresse und Rettungsschirme wenn die Ursachen nicht beseitigt werden. Wollen die Politiker nicht kapieren oder sind die Politiker dumm?
Europa driftet rasend auseinander wie das Polareis. Wir brauchen mindestens eine zweite Einheitswährung, die schwächer ist als der Euro. Eine schwächere Einheitswährung wäre der Grundstein und die Voraussetzung für einen wirtschaftlichen Erfolg in den betroffenen europäischen Ländern. Erst danach kann national die sorgfältige Umstrukturierung in der Wirtschaft, im kulturellen Bereich sowie im Sozialwesen behutsam erfolgen. Nahezu alle europäischen Staaten werden zunehmend Problem mit dem harten Euro bekommen.
Die Vorstellungen der Politiker eines gemeinsamen Europas mit nur 1 Einheitswährung, ist langfristig unrealistisch. Überhaupt zeigt Europa allgemeine Auflösungserscheinungen. erledigt. Selbst diese Warnzeichen können die Politiker nicht erkennen.

Alle europäischen Länder haben unterschiedliche wirtschaftliche Erträge. Die Produktivität in den Ländern ist sehr unterschiedlich und das Wirtschaftseinkommen ist unterschiedlich. Mein Gott, was soll eine Fiskalunion an diesen vorhandenen Strukturen ändern.
Die wirtschaftlichen Leistungen der europäischen Länder können sich niemals angleichen. Dieser Tatsache sollten unsere Politiker endlich ins Auge sehen. Erst dann, sehen unsere Politiker klar.

EUjaAber

16.12.2011, 14:29 Uhr

Ja genau , die Mentalitäten der EU -Länder sind noch viel zu weit voneinander entfernt. Viele gute Firmen haben schon in Griechenland oder Portugal Produktionsbetriebe eingerichtet um nach wenigen Jahren resigniert alles wieder abzubauen.
Da muß erst ein gemeinsames Wirtschafts- und Rechtsverständnis entstehen - und wer soll dieses Projekt managen?

Mit der Wiedervereinigung hat Deutschland alles andere als bewiesen, dass es das erfolgreich durchziehen kann.

Aber wir könnten ja EUROs drucken und die dann zu 10 %Zinsen an die USA verleihen ;-)

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×