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05.06.2012

17:42 Uhr

Euro-Krise

Die Illusion der Bankenunion

VonJan Mallien, Dietmar Neuerer, Sebastian Ertinger

Die Banken sind der Schwachpunkt der Eurozone. EU-Kommissionschef Barroso will sie durch eine europäische Bankenunion stabilisieren. Doch sein Vorschlag hat ein Problem: Kurzfristig bringt er überhaupt nichts.

Eine Bankenunion ist das Zauberwort von EU-Komissionschef Barroso. Doch schnelle Hilfe können die Banken von dem Vorschlag nicht erwarten. Getty Images

Eine Bankenunion ist das Zauberwort von EU-Komissionschef Barroso. Doch schnelle Hilfe können die Banken von dem Vorschlag nicht erwarten.

Düsseldorf/BerlinGanze drei Monate gibt der US-Großinvestor George Soros der Eurozone noch. In dieser Zeit müsse die Euro-Krise gelöst werden, ansonsten sei die Währungsunion nicht mehr zu retten, sagte er am Wochenende auf einer

Konferenz im italienischen Trient. Was den US-Großinvestor und die Regierungschefs der Euro-Länder derzeit am meisten umtreibt ist eine große Sorge: Die Angst vor einem Bank-Run. Nicht nur in Griechenland sondern auch in Spanien ziehen inländische und ausländische Anleger immer schneller ihr Kapital ab. Im ersten Quartal 2012 flossen 100 Milliarden Euro aus Spanien ab, davon 66 Milliarden Euro im März. Dies könnte eine Lawine in Gang setzen: Jeder Euro der außer Landes fließt, fehlt den Banken, was wiederrum die Angst der Anleger um ihre verbliebenen Einlagen weiter erhöht. Setzt der Bank-Run erst bei einer Bank ein, könnte er sich schnell auf andere Banken und Länder ausbreiten.

Dieses Horrorszenario wollen die Euro-Länder unbedingt verhindern. EU-Kommissionschef Manuel Barroso hat deshalb eine europäische Bankenunion ins Spiel gebracht. Am Mittwoch legt der für die Finanzmarktregulierung zuständige EU-Kommissar Michel Barnier Pläne für Europas Banken vor, die nicht direkt mit Barrosos Idee einer Bankenunion zusammenhängen, aber neue Voraussetzungen für die Restrukturierung und Abwicklung von Geldhäusern schaffen sollen und damit ein Vorläufer für eine Bankenunion sein könnten.

Forderungen deutscher Banken und Versicherungen an Spanien

Deutsche Bank

Das größte deutsche Finanzhaus war Ende März laut Geschäftsbericht mit netto insgesamt 13,7 Milliarden Euro in Spanien engagiert. Rund die Hälfte der Summe (6,6 Mrd.) steht als Unternehmenskredite in den Büchern. Staatsanleihen und Kredite an die öffentliche Hand beliefen sich auf rund 1,4 Milliarden Euro. Weitere 3,6 Milliarden Euro verlieh die Bank an spanische Finanzinstitute. Hinzu kamen 1,9 Milliarden für den Bereich Retail.

Commerzbank

Die Bank bezifferte ihr Engagement Ende März auf mehr als 14 Milliarden Euro. Mit 2,9 Milliarden Euro standen Staatsanleihen in den Büchern. Gewerbliche Immobilienkredite beliefen sich auf 4,0 Milliarden Euro, Kredite an Unternehmen und sonstige auf 3,0 Milliarden. Auf 4,4 Milliarden Euro beliefen sich die Forderungen gegenüber Finanzinstituten.

DZ Bank

Das genossenschaftliche Institut hatte Ende 2011 Forderungen von 7,6 Milliarden Euro gegenüber der öffentlichen Hand sowie Unternehmen und Banken in Spanien. Rund 3 Milliarden entfielen auf Staatsanleihen. Der größte Teil mit rund 4 Milliarden Euro waren Wertpapiergeschäfte im nichtöffentlichen Bereich. Hinzu kamen Kredite an Unternehmen und die öffentliche Hand.

DekaBank

Das Institut war zum 31. Dezember 2011 mit insgesamt 1,35 Milliarden Euro in Spanien engagiert. Auf rund 0,5 Milliarden Euro beliefen sich Forderungen gegenüber Banken und auf etwa 0,1 Milliarden Euro gegenüber den Staat. Der Rest entfiel im Wesentlichen auf Unternehmenskredite.

HRE

Die verstaatlichte Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) hält keine spanischen Staatspapiere, aber Papiere etwa von Kommunen oder staatsnahen Unternehmen im Wert von rund 4,5 Milliarden Euro. Dazu kommen 600 Millionen Euro für die Finanzierung gewerblicher Immobilien.

FMS Wertmanagement

Bei der Bad Bank der HRE sieht es anders aus: Die staatliche FMS Wertmanagement verfügt noch über spanische Papiere im Wert von 10,5 Milliarden Euro. In die Bad Bank wurden im Herbst 2010 Altlasten der HRE in Höhe von 173 Milliarden ausgelagert.

Allianz

Die Allianz hatte zum Ende des ersten Quartals spanische Staatsanleihen im Wert von rund 4,3 Milliarden Euro in den Büchern stehen.

MunichRe

Der weltgrößte Rückversicherer ist laut Quartalsbericht in dem Land mit rund 1,4 Milliarden Euro in Staatspapieren engagiert. Weitere 4,6 Milliarden Euro stecken in Pfandbriefen. Bei spanischen Banken ist der weltgrößte Rückversicherer nur mit 14 Millionen Euro engagiert. Zur Höhe der Beteiligung etwa an spanischen Unternehmensanleihen, macht die MunichRe keine Angaben.

Bayrische Landesbank

Die Bayerische Landesbank hat keine spanischen Staatsanleihen in den Büchern. Allerdings summieren sich dem Geschäftsbericht 2011 zufolge die nach Spanien insgesamt vergebenen Kredite auf knapp 5,8 Milliarden Euro.

Norddeutsche Landesbank

Die Norddeutsche Landesbank war zum Ende des ersten Quartals (31. März) noch mit 499 Millionen Euro in Spanien engagiert. Details sollen voraussichtlich bei der Vorstellung der Geschäftszahlen am Donnerstag bekanntgegeben werden.

Westdeutsche Landesbank

Die Engagements der WestLB in Spanien (Staatsanleihen) liegen bei 727 Millionen Euro, bei der Ersten Abwicklungsanstalt EAA in Düsseldorf sind es für den gesamten öffentlichen Bereich (public finance, also Staat, Gebietskörperschaften, Kommunen) 1,18 Milliarden Euro.

HSH Nordbank

Die HSH Nordbank ist per Stichtag 31. März mit insgesamt 176 Millionen Euro in spanischen Staatspapieren engagiert. Das umfasst laut Bank klassische Staatsanleihen ebenso wie staatlich abgesicherte Kredite an staatsnahe Betriebe.

Barnier will "sicherstellen, dass Banken Konkurs gehen können", und die Kosten von Banken-Rettungen "für den Steuerzahler klein halten", wie aus einer Zusammenfassung der Pläne hervorgeht. Zudem sollen die Aufsichtsbehörden die Möglichkeit erhalten, bei kriselnden Banken frühzeitig einzugreifen.

Barrosos Pläne für eine Bankenunion gehen jedoch viel weiter. Hinter ihnen steht die Idee eines einheitlichen Regelwerks für alle Banken in der Eurozone. Eine europäische Bankenregulierungsbehörde würde über die Einhaltung der Regeln wachen. Weitere Elemente wären eine gemeinsame Einlagensicherung der Banken und ein gemeinsamer Fonds zur Abwicklung maroder Banken. Bislang ist all dies auf nationaler Ebene organisiert - und damit auch die Haftung für Pleitebanken.

Auf dem Papier hätte Barrosos Vorschlag einige Vorteile. Ein europäischer Einlagensicherungsfonds hätte zur Folge, dass die europäischen Banken untereinander für die Sicherheit ihrer Spareinlagen einstehen würden. Einzelne Bank könnten so leichter aufgefangen werden, weil sich die Risiken breiter verteilen würden.

Durch einen gemeinsamen Fonds zur Abwicklung maroder Banken würde außerdem die schicksalhafte Verbindung zwischen den Staatsfinanzen eines Landes und seinem Bankensektor etwas gelockert. Da eine Rettung der eigenen Banken extrem teuer ist, haben Krisenländer ein Interesse daran, sie durch laxe Regulierung hinauszuzögern. Irland beispielsweise musste von den anderen Euro-Ländern massiv dazu gedrängt werden, unter den Rettungsschirm zu schlüpfen und Hilfen zur Bankenrettung anzunehmen. Gleiches gilt nun für Spanien. Umgekehrt sollen einige Krisenländer ihre Banken dazu gedrängt haben, billiges Geld bei der EZB zu leihen und dieses in nationale Staatsanleihen zu investieren.

Solche Interessenkonflikte könnten durch eine europäische Bankenregulierungsbehörde und einen gemeinsamen Bankenrettungsfonds abgemildert werden. "Grundsätzlich würde ein integrierter Bankenmarkt die europäische Währungsunion stabilisieren," sagt Bernhard Speyer, Abteilungsleiter Finanzmärkte und Regulierung bei der Deutschen Bank Research.

Kommentare (31)

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05.06.2012, 17:49 Uhr

Bin mal gespannt wann die Idee kommt, man solle am besten jedem Bürger ne Gelddruckmaschine in den Keller stellen damit die Geldprobleme endlich gelöst wären. Sorry aber das sind doch die Vollspacken hoch 10...das Haus brennt lichterloh welches diese Verbrecher selbst angezündet haben und jetzt stehen sie da und überlegen ob man vielleicht Spiritus reinkippen sollte, wäre immerhin besser als BEnzin.

Sperrt die doch endlich ein...

Account gelöscht!

05.06.2012, 18:00 Uhr

einfach nur taktieren...
da kommen immer wieder tolle populistische vorschläge die europa sofort erlösen würde und mutti müss leider sagen, dass es nicht geht... wir sind aber auch an allem schuld

Kritiker

05.06.2012, 18:05 Uhr

4 Jahre haten die Nieten von Politikern Zeit, das System zu stabilisieren und endlich die Zockerbanken und Hegdrfondzocker an die Leine zu nehmen. Nichts haben sie gemacht . Nur den Zockerbanden immer noch mehr Geld hinterhergeworfen. Die Banker kriegen weiterhin ihre Millinengehälter und Boni - als Belohnung für das ganze Desaster. Und die Bürger blute immer mehr aus. Den Politikern sei dank. Hoffentlich wird eines Tages eine Abrechnung erfolgen und man wird fragen, wer die Schuld trägt

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