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08.12.2012

14:40 Uhr

Euro-Krise

Die Sache mit den Schulden

VonMark Schieritz

Manche sagen: Deutschland kann sich die Rettung anderer Länder gar nicht leisten. Das stimmt so nicht ganz. Denn die entscheidende Frage dabei ist: Wie lange schwelt die Krise noch weiter?

Der Bund ist mit insgesamt 1.059 Milliarden Euro verschuldet, dazu kommen noch die Verbindlichkeiten der Länder, der Kommunen und der Sozialversicherungen. Das ergibt alles in allem nach ersten Schätzungen in diesem Jahr 2.193 Milliarden. Das wären 82,7 Prozent der Wirtschaftsleistung. dpa

Der Bund ist mit insgesamt 1.059 Milliarden Euro verschuldet, dazu kommen noch die Verbindlichkeiten der Länder, der Kommunen und der Sozialversicherungen. Das ergibt alles in allem nach ersten Schätzungen in diesem Jahr 2.193 Milliarden. Das wären 82,7 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Wenn Wolfgang Schäuble über Deutschland in Europa spricht, dann fällt oft das Wort vom „Stabilitätsanker“. Der Haushalt solide, die Finanzen im Griff - aus Sicht der Bundesregierung ist die wirtschaftliche Lage des Landes unerschütterlich.

Aber wie lange noch, da Milliarden für das Betreuungsgeld ausgegeben werden, die Konjunktur sich abschwächt und neue Hilfszahlungen an die Griechen anstehen? Oder anders gesagt: Wie viele Schulden haben wir eigentlich?

In normalen Zeiten ist die Antwort auf diese Frage nicht schwierig. Der Bund ist mit insgesamt 1.059 Milliarden Euro verschuldet, dazu kommen noch die Verbindlichkeiten der Länder, der Kommunen und der Sozialversicherungen. Das ergibt alles in allem nach ersten Schätzungen in diesem Jahr 2.193 Milliarden. Das wären 82,7 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Die Maßnahmen des griechischen Sparpakets

Renten

Die Rentner müssen mit Kürzungen um fast 4,8 Milliarden Euro rechnen. Alle Renten von 1000 Euro aufwärts werden um fünf bis 15 Prozent gesenkt. Das Weihnachtsgeld für Rentner wird abgeschafft; es war bereits von einer Monatsrente auf 400 Euro gekürzt worden. Die Gewerkschaften rechneten aus, dass damit die Rentner im Durchschnitt 2000 Euro im Jahr verlieren werden.

Arbeitnehmer

Die Abfindungen für entlassene Arbeitnehmer werden drastisch gesenkt. Arbeitgeber dürfen Verträge mit jedem einzelnen Arbeitnehmer schließen. Damit werden praktisch Tarifverhandlungen umgangen.

Staatsbedienstete

Auch den Staatsbediensteten werden die jeweils verbliebenen 400 Euro vom Weihnachtsgeld sowie vom Urlaubsgeld gestrichen. Viele Löhne und Gehälter sollen um sechs bis 20 Prozent verringert werden. Bis Ende 2012 sollen 2000 Staatsbedienstete in die Frühpensionierung gehen oder entlassen werden. Bis zum Eintritt des Rentenalters erhalten sie dann 60 Prozent ihres letzten Gehalts.

Gesundheitswesen

Im Gesundheitswesen sollen 1,5 Milliarden Euro eingespart werden. Unter anderem sollen die Versicherten sich mit höheren Eigenbeiträgen beim Kauf von Medikamenten beteiligen. Zahlreiche Krankenhäuser sollen schließen. Andere sollen sich zusammenschließen.

Gehaltskürzungen

Die Gehälter der Angestellten der öffentlich-rechtlichen Betriebe, wie beispielsweise der Elektrizitätsgesellschaft (DEI), sollen denen der Staatsbediensteten angeglichen werden. Dies bedeutet für die Betroffenen nach Berechnungen der Gewerkschaften bis zu 30 Prozent weniger Geld.

Kindergeld

Familien, die mehr als 18 000 Euro im Jahr verdienen, haben keinen Anspruch auf Kindergeld mehr.

Rentenalter

Das Rentenalter wird für alle von 65 Jahre auf 67 Jahre angehoben.

Die Zeiten sind allerdings nicht normal - und das liegt an der Krise. Denn sobald die Rettungsgelder mit eingerechnet werden, geht es nicht mehr nur um Fakten, sondern um Prognosen und um Weltanschauungen.

Zum Beispiel im Fall der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie hat 1.124 Milliarden Euro an die Banken in der Euro-Zone verliehen. Ein großer Teil des Geldes floss ebenfalls in die Schuldenstaaten Südeuropas. Für ein Drittel aller Ausfälle muss die Bundesbank aufkommen. Das sind bis zu 375 Milliarden Euro.

Wenn einzelne Länder die Währungsunion verlassen, steigt der maximale Verlust für Deutschland. Scheiden die Krisenländer aus - also Italien, Spanien, Griechenland, Zypern, Irland und Portugal -, liegt er bei 389 Milliarden Euro. Zerbricht der Geldclub komplett, schlagen sogar 719 Milliarden Euro zu Buche. Zudem hat die EZB für 209 Milliarden Euro Staatsanleihen aus den Krisenländern aufgekauft, auch hier trägt die Bundesbank ein Drittel aller Verluste. Damit lägen die Staatsschulden bei bis zu 2.981 Milliarden Euro.

Kommentare (27)

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Account gelöscht!

08.12.2012, 15:13 Uhr

@alle
@hafnersp

Die Rettungsgelder für die GR-Hilfe können wir uns sparen.
Denn GR kann sich sehr wohl selbst helfen:

Wichtige Meldung aus GR.

Der Geologe Foskolos gibt heute in einem Interview des Senders SKAI an, dass es bereits in 1986 wissenschaftliche Arbeiten wegen der Erdöl- und Gasvorkommen in der südlichen Ägäis gegeben habe. Diese Arbeiten wurden dann auf Anordnung der durchführenden amerikanischen Mineralölgesellschaft(en) sehr plötzlich eingestellt, es wurde stattdessen in Libyen weiter gearbeitet.

Das Erdöl- und Gasvorkommen reicht etwa von der südlichen Ägäis (südlich von Zypern) bis fast an das Ionische Meer heran. Es handelt sich um ein riesiges Feld, etwa doppelt so groß wie das Feld in Saudi Arabien, das in diesem geographischen Bereich bisher als das Größte galt. Der Wert dürfte ca.

-- 600 MILLIARDEN Euro --

betragen. Die Förderung sei sehr einfach zu bewerkstelligen, da das Vorkommen bereits bei U-Boot-Aufnahmen deutlich zu sehen gewesen sei.

Der Geologe Foskolos gab im Interview an, er sei selbst als Wissenschaftler dabei gewesen, er sei nun alt und habe nichts mehr zu befürchten und deswegen sei er bereit, dies alles zu erzählen. Er habe auch bereits mit jedem der wichtigen griechischen Politiker über die Sache gesprochen.

Nexus

08.12.2012, 15:16 Uhr

Das wird eine ziemlich lange Krise. Da braucht man nur einen Blick auf die demografische Entwicklung zu werfen. Wie sollen unter diesen Umständen und mit diesen Politikern Schulden abgebaut werden? Die kennen und können nur den Schuldenaufbau. Diese Systematik hat sich tief eingefressen - ähnlich wie die Steuermoral in Südeuropa - und wird nur mit einem Knall gelöst.

schwendorf

08.12.2012, 15:20 Uhr

Das Geld ist nicht "zwingend" verloren - das beruhigt ungemein. Wer kümmert sich eigentlich noch um die von Millionen Otto Normaldeutschen erarbeitete und angesparte Kaufkraft?

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