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26.04.2011

11:39 Uhr

Euro-Krise

EZB entwirft Horror-Szenario für Griechen-Pleite

Die Warnung der EZB ist drastisch: Kippt Griechenland, wird das Chaos den Crash von Lehman-Brothers übertreffen. Sie gießt damit Öl ins Feuer: Die Angst vor der Umschuldung treibt die Zinsen jetzt schon auf Rekordhöhen.

Eine Pleite Griechenlands könnte schlimmer werden als der Lehman-Crash, sagt die EZB. Quelle: dapd

Eine Pleite Griechenlands könnte schlimmer werden als der Lehman-Crash, sagt die EZB.

Brüssel/DüsseldorfDer Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Jürgen Stark, hat rund ein Jahr nach dem Ausbruch der Euro-Schuldenkrise vor einer neuen Bankenkrise gewarnt. Wenn es in strauchelnden Euroländern zu Umschuldungen komme, sei das für die Geldhäuser verheerend: "Im schlimmsten Fall könnte die Umschuldung eines Mitgliedslandes die Auswirkungen der Lehman-Pleite in den Schatten stellen", sagte Stark in einem Interview mit dem ZDF-Nachrichtenportal heute.de. Eine schwere lokal begrenzte Haushaltskrise könne negative Auswirkungen auf das ganze europäische Bankensystem haben.

Eine Umschuldung berge weitere unvorhersehbare Gefahren. "Eine Schuldenreduzierung erscheint vielleicht als der einfache Weg, aber die zugrunde liegenden Haushalts- und Strukturprobleme würden nicht gelöst", sagte Stark. In der Folge wären die betreffenden Länder "auf unabsehbare Zeit von den Finanzmärkten abgeschnitten und auf fremde Finanzhilfe angewiesen", betonte der EZB-Chefvolkswirt. Die in Schieflage geratenen Länder müssten verloren gegangenes Vertrauen an den Finanzmärkten zurückgewinnen und notwendige Reformen durchführen. Einige Mitgliedsländer hätten "ihre Reform-Hausaufgaben, die übrigens von der Europäischen Zentralbank immer wieder angemahnt wurden, seit Beginn der Währungsunion sträflich vernachlässigt", so Stark.

Mit seiner Warnung gießt Stark erneut Öl ins Feuer: Die Märkte glauben längst nicht mehr daran, dass Griechenland seine Schulden pünktlich und vollständig zurückzahlen wird. Am Dienstag schnellten die Zinsen für griechische Staatsanleihen auf neue Rekordstände: Auf seine zweijährigen Anleihen musste Griechenland 23.65 Prozent Zinsen zahlen, auf Zehnjährige sogar 15.06 Prozent. Damit sind die Zinsen auf zweijährige Staatsanleihen allein im April um acht Prozent gestiegen. Der Zinsabstand zwischen zehnjährigen griechischen und deutschen Anleihen hat sich in diesem Monat um 2,13 Prozent ausgeweitet. Auch die Kreditausfallversicherungen für Griechen-Anleihen erreichten mit 1345 Basispunkten einen neuen Höchststand. Die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland in den nächsten fünf Jahren umschulden muss, beträgt damit aus Sicht des Marktes 66 Prozent.

Auch die neuesten Nachrichten aus Griechenland dürfte den Finanzmärkten keinen Grund zum Optimismus geben: Der Schuldenstaat steckt tiefer in den roten Zahlen als angenommen. Das Haushaltsdefizit lag 2010 bei 10,5 Prozent der Wirtschaftsleistung, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat am Dienstag mitteilte. Damit verfehlte das südosteuropäische Land sein Sparziel von acht Prozent. Zuletzt hatten die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) mit einem Fehlbetrag von 9,6 Prozent gerechnet. 2009 lag das griechische Defizit allerdings noch bei 15,4 Prozent.

Die Regierung in Athen kündigte an, an dem Sparplan festzuhalten, der mit EU und IWF vereinbart wurde. Die nötigen Maßnahmen würden ergriffen, teilte das Finanzministerium mit. Grund für die Revision der Defizitzahlen sei, dass das Land tiefer in der Rezession stecke als erwartet. In Irland, das wie Griechenland EU-Finanzhilfen bekommt, schnellte das Haushaltsdefizit auf 32,4 Prozent der Wirtschaftsleistung in die Höhe, nach 14,3 Prozent 2009. Die hohen Kosten der Bankenrettung machen der Regierung in Dublin schwer zu schaffen und haben das Land unter den Euro-Rettungsschirm gezwungen.

Kommentare (36)

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Wolfi

26.04.2011, 13:22 Uhr

so ein Schwachsinn, die Typen sollte man einsperren

Damokles

26.04.2011, 13:29 Uhr

Die Umschuldung wird kommen.....
Sie ist nur ein Damoklesschwert welches fallen kann neben vielen anderen.....
Das Chaos wird ausgelöst durch irgend eines oder auch mehrere.
Seid wachsam und seid vorbereitet !!!!

Bullshit

26.04.2011, 13:38 Uhr

Jeder der eins und eins zusammenzählen kann, sollte es mittlerweile kapiert haben dass selbst scheinbar sichere Länder wie Deutschland ein gehöriges Problem haben. Wir (Deutschland) leben in einem XXXL Aufschwung in dem es weder unsere Politiker noch irgendwelche Banker oder unsere "Asse" die Volkswirte schaffen nicht mehr auszugeben als wir einnehmen, scheinbar ist es jedem egal. Solange man meint man könne einen Aufschwung auf Pump finanzieren um dann anschließend in schlechten Zeiten die neuen Defizite auch auf Pump zu finanzieren der lebt in einer Traumwelt jedes Kind mit 10 Jahren kapiert dass man einen Euro nur einmal ausgeben kann.. Aber zum Glück haben wir unsere hellen Köpfe die seit ca 60 Jahren immer noch nicht die Zinseszins Rechnung gelernt haben... Wir und auch Griechenland haben kein Strukturelles Problem, wir haben eine "Elite" die nicht rechnen kann!
Armes Deutschland!

Zitat:
"Eine Umschuldung berge weitere unvorhersehbare Gefahren. "Eine Schuldenreduzierung erscheint vielleicht als der einfache Weg, aber die zugrunde liegenden Haushalts- und Strukturprobleme würden nicht gelöst", sagte Stark.

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