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03.02.2015

17:04 Uhr

Euro-Krise in Griechenland

Das Ende der Tsipras-Show

VonJan Mallien

Der neue griechische Regierungschef Alexis Tsipras hat eine Woche seinen großen Auftritt zelebriert. Binnen weniger Tage verspielte er viel Vertrauen. Nun ist die Galavorstellung vorbei – und die richtige Arbeit beginnt.

Die Show ist vorbei, jetzt beginnt für Griechenlands neuen Ministerpräsidenten Tsipras der harte Alltag.

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Die Show ist vorbei, jetzt beginnt für Griechenlands neuen Ministerpräsidenten Tsipras der harte Alltag.

DüsseldorfAlexis Tsipras hat sich nicht lumpen lassen. Nach seinem Wahlsieg vor zwei Wochen ließ der neue griechische Ministerpräsident den Emotionen freien Lauf. Die „desaströse Sparpolitik“ sei ebenso beendet wie die Zusammenarbeit mit der Troika der Gläubiger aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und IWF.

Griechenland werde tausende entlassene Beamte in den Staatsdienst zurückholen und mit seinen internationalen Kreditgebern über einen Schuldenschnitt verhandeln. Das waren starke Worte, vor allem vor dem Hintergrund, dass Griechenland weiter auf Finanzhilfen angewiesen ist.

Die wichtigsten Player bei den Verhandlungen mit Griechenland

Wer sind die wichtigsten Gesprächspartner?

Wer sind die wichtigsten Gesprächspartner in der Griechenland-Krise? Seit dem Sieg von Syriza ist das Verhandeln mit dem Staat von der Größe Brandenburgs komplizierter geworden...

Jean-Claude Juncker

Der 60-Jährihe gilt als Europäer aus Leidenschaft. Er war und ist eine der Schlüsselfiguren bei der Euro-Rettung. Acht Jahre lang (von 2005 bis 2013) war der Luxemburger Vorsitzender der Eurogruppe, der die Finanzminister der Staaten mit Euro-Währung angehören. In dieser Funktion hat Juncker seit 2010 maßgeblich die Rettungsprogramme für Krisenstaaten wie Griechenland ausgehandelt. Der Christsoziale war 18 Jahre lang (bis Ende 2013) Premierminister in Luxemburg – inzwischen ist er Präsident der EU-Kommission.

Mario Draghi

Der 67 Jahre alte italienische Bankmanager und Wirtschaftswissenschaftler ist seit November 2011 Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Unter seiner Führung pumpte die Notenbank billiges Geld in das Bankensystem, schaffte die Zinsen im Euroraum quasi ab und schuf ein Kaufprogramm, um notfalls unbegrenzt Anleihen von Euro-Krisenstaaten zu erwerben. Kritiker werfen ihm vor, die Befugnisse der Notenbank überdehnt zu haben.

Christine Lagarde

Die französische Politikerin steht seit Juli 2011 an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF). Zuvor war sie Wirtschafts- und Finanzministerin in Paris. Die 59 Jahre alte Juristin erwarb sich während der Finanzmarkt- und Euro-Turbulenzen einen Ruf als umsichtige Krisenmanagerin. Auf ihr lastet jedoch, dass die französische Justiz gegen sie in einer Affäre um mutmaßliche Veruntreuung öffentlicher Mittel aus ihrer Zeit als Ministerin ermittelt.

Angela Merkel und Wolfgang Schäuble

Bundeskanzlerin Merkel hatte mit Beginn der dramatischen Finanzkrise in Griechenland auf die Bremse gedrückt. Die eiserne Devise von Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble: Keine Leistung ohne Gegenleistung, europäische Solidarität gegen griechische Anstrengung. In Athen wurde Merkel dann bei einem Besuch mit Plakaten begrüßt, auf denen sie mit Hitler-Bart zu sehen war. Nach dem Regierungswechsel in Athen ist Berlin für Kompromisse offen: Ein verlängertes Hilfsprogramm oder nochmalige Krediterleichterungen. Ein weiterer Schuldenschnitt wird aber abgelehnt.

Umso schneller steuert nun die griechische Regierung um. Im Interview mit der britischen „Financial Times“ deutet Finanzminister Yanis Varoufakis eine mögliche Abkehr vom geforderten Schuldenschnitt für sein Land an.

Statt des bisher geforderten Schuldenerlasses sei nun auch „eine Liste von Umschuldungsmaßnahmen“ möglich, um die Schuldenlast Griechenlands zu erleichtern, sagte Varoufakis. Dazu brachte der Minister neue Anleihen ins Gespräch, ebenso wie ein schärferes Vorgehen gegen Steuersünder. „Der Umschuldungs-Vorschlag des griechischen Finanzministers ist ein erstes Zurückrudern der neuen Regierung“, sagt Commerzbank-Analyst Christoph Weil.

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Die Euro-Länder haben aus seiner Sicht durchaus starke Hebel gegenüber der griechischen Regierung. Zum Beispiel darf die EZB eigentlich keine griechischen Staatsanleihen als Sicherheiten akzeptieren, wenn sich das Land aus dem Hilfsprogramm zurückzieht. Genau das aber hat Tsipras angekündigt. Ohne die Staatsanleihen als Sicherheiten könnten sich die griechischen Banken nicht mehr bei der EZB refinanzieren.

„Sollte die Fortführung des Hilfsprogramms für Griechenland in Frage stehen, könnte dies bereits die geldpolitische Refinanzierung gefährden. Das hätte fatale Folgen für das griechische Finanzsystem“, hatte Bundesbank-Vorstand Joachim Nagel im Handelsblatt-Interview gewarnt. Dies wäre zwar auch für die anderen Euro-Länder schlecht, vor allem aber träfe es die Griechen selbst.

Kommentare (40)

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Herr Franz Giegl

03.02.2015, 17:10 Uhr

Hoffentlich bleibt er und "seine" Regierung standhaft...

Nein zur derzeitigen EU und nein zur "Unterwanderung" durch USA/Israel !!!

Politik fürs Volk und nicht wie in Deutschland oder anderswo sogar aktiv gegen die eigenen Leute.

Sergio Puntila

03.02.2015, 17:10 Uhr

Sollte es so sein wird das auch das Ende der EU-Show werden. Man möchte es zwar nicht so gewollt haben und ggf wird der EURO als einziger Rest vom Schützenfest übrigbleiben: Europa deswegen begraben? warum?

Herr Fritz Yoski

03.02.2015, 17:20 Uhr

Ende der Merkel-Show
In nicht all zu ferner Zukunft werden Merkel und Schaueble dem deutschen Steuerzahler die Wahrheit sagen muessen.
"Sorry Leute, aber Eure Kohle haben jetzt andere weil wir uns zu daemlich angestellt haben"
Die "Rechts-Populisten" und "Eurohasser" hatten Recht. Die sogenannten Experten lagen wie immer meilenweit danenben..

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