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10.04.2013

16:51 Uhr

Euro-Krise

Italien macht in der Rezession mehr Schulden

Die noch amtierende Regierung Monti rechnet für 2013 mit einem höheren Defizit in Italien. Ursprünglich hatte sie ein Defizit von 2,1 Prozent veranschlagt. Der Wert könnte nun aber höher ausfallen.

Italiens abgewählter Ministerpräsident Mario Monti. ap

Italiens abgewählter Ministerpräsident Mario Monti.

RomItalien droht in der Rezession ein noch höherer Schuldenberg. Das nach dem Wahlpatt noch amtierende Kabinett von Ministerpräsident Mario Monti geht in einem am Mittwoch veröffentlichten Planungspapier davon aus, dass die Verschuldung des Staates 2013 das Rekordniveau von 130,4 Prozent der Wirtschaftsleistung erreicht. Bislang erwartete die Regierung einen Rückgang der Schuldenstandsquote unter das 2012 erreichte Allzeithoch von 127 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Zugleich macht Italien aber bei der Haushaltskonsolidierung Fortschritte: Dank des jüngsten Sparkurses wird die EU Wirtschaftskommissar Olli Rehn zufolge das Strafverfahren gegen Italien wegen eines übermäßigen Defizits demnächst wohl einstellen.

Die Kommission in Brüssel hat in ihrer jüngsten Prognose für 2013 eine Neuverschuldung von 2,1 Prozent veranschlagt, womit Italien wieder deutlich unter der Drei-Prozent-Grenze des Stabilitätspakts liegen würde. Im Mai wird Rehn jedoch eine aktualisierte Vorhersage vorlegen. Die Regierung in Rom rechnet mittlerweile damit, dass die Haushaltslücke 2,9 Prozent betragen wird. Nach Ansicht Montis bietet ein Ende des Defizitverfahrens der künftigen Regierung die Möglichkeit, einen weniger strikten Sparkurs zu fahren und die Themen "Wachstum und Arbeitsplätze" stärker in den Fokus zu rücken. Dennoch dürfe sein Nachfolger nicht zu weit vom Sanierungspfad abweichen: "Glaubwürdigkeit ist schwierig zu erlangen, doch leicht zu verlieren."

Musterschüler und Sitzenbleiber - so verschuldet sind die Euro-Länder

Platz 1

Das am höchsten verschuldete Land der Euro-Zone ist - wer hätte es gedacht - Griechenland. Bei satten 175 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) liegt die Schuldenquote des Mittelmeerlandes. Ein kleiner Lichtblick: Immerhin haben es die Griechen in den vergangenen Jahren geschafft, ihr extrem hohes Haushaltsdefizit zu drücken: Nahm die Regierung 2009 noch neue Kredite in Höhe von 15,6 Prozent des BIP auf, wird sich die Defizitquote im Jahr 2012 - nicht zuletzt dank europäischer Hilfe - auf 7,3 Prozent des BIP verringern.

Platz 2

Auf Platz zwei der am meisten verschuldeten Euro-Länder landet Italien. Mit 123 Prozent des BIP stehen die Italiener laut Eurostat in der Kreide. Die Märkte bestrafen das mit höheren Zinsen, die der Regierung von Premierminister Mario Monti das Leben schwer machen. Mit einem harten Sparkurs steuert Rom dem entgegen: Die Defizitquote sank von 5,4 Prozent im Jahr 2009 auf voraussichtlich 2,0 Prozent in diesem Jahr.

Platz 3

Irland hatte vor allem unter der Bankenkrise zu leiden. Weil das kleine Land seine Banken stützen musste, hat es einen Bruttoschuldenstand von 116,1 Prozent des BIP. Auch das Haushaltsdefizit des früheren keltischen Tigers war in der Folge beängstigend hoch und lag 2010 bei 31 Prozent des BIP. Inzwischen konnte die Regierung das Defizit auf 8,3 Prozent senken - was immer noch deutlich zu hoch ist.

Platz 4

Genau wie Griechenland und Irland musste sich auch Portugal unter den Rettungsschirm flüchten. Das Land ächzt unter einer Schuldenquote von 113,9 Prozent der BIP. Auf Druck der EU reduzierten die Portugiesen ihr Haushaltsdefizit in den vergangenen Jahren deutlich: Waren es 2009 noch 10,2 Prozent des BIP, wird die Defizitquote in diesem Jahr voraussichtlich auf 4,7 Prozent sinken.

Platz 5

Auch Belgiens Schuldenquote hat mit 113,9 Prozent vom BIP eine kritische Höhe erreicht. Bei Haushaltsdefizit hingegen sehen die Belgier inzwischen wieder ganz gut aus: Nach satten 10,2 Prozent im Jahr 2009 werden sie die in den Maastricht-Kriterien festgelegte Defizitquote von drei Prozent in diesem Jahr vorrausichtlich exakt einhalten.

Platz 6

Deutschlands Nachbarland Frankreich hat eine Verschuldungsquote von 90,5 Prozent des BIP. Ökonomen halten diese Schuldenlast für gerade noch tragbar, die Maastricht-Kriterien hingegen verletzen die Franzosen deutlich: Sie sehen eine Quote von höchstens 60 Prozent vor. Auch das französische Haushaltsdefizit ist mit 4,5 Prozent vom BIP im Jahr 2012 zu hoch.

Platz 7

Auch Deutschland, das sich gerne als Musterschüler der Euro-Zone sieht, drückt eine hohe Schuldenlast: 81,2 Prozent beträgt die Bruttoschuldenquote im Jahr 2012 - zu hoch für Maastricht. Beim Haushaltsdefizit hingegen sieht Europas größte Volkswirtschaft inzwischen richtig gut aus: Eurostat schätzt, dass Schäubles Defizitquote in diesem Jahr nur noch bei 0,9 Prozent des BIP liegt - der zweitbeste Wert aller Euro-Staaten.

Platz 8

Das letzte Land, das Schutz unter dem Euro-Rettungsschirm suchte, war Spanien. Dabei ist die Bruttoschuldenquote der Iberer gar nicht so hoch: mit 80,9 Prozent liegt sie unter der von Deutschland. Deutlich zu hoch ist allerdings das Haushaltsdefizit Spaniens: Kredite in Höhe von 6,4 Prozent muss die konservative Regierung in diesem Jahr aufnehmen - weniger als im letzten Jahr (8,5 Prozent) aber immer noch zu viel.

Platz 9

Bei Zypern wird immer gemunkelt, dass das Land als nächstes unter den Rettungsschirm schlüpfen könnte. Den Inselstaat drückt eine Schuldenquote von 76,5 Prozent des BIP. Immerhin: Das Haushaltsdefizit konnten die Zyprioten spürbar reduzieren: Es sankt von 6,3 Prozent des BIP im Vorjahr auf 3,4 Prozent in diesem Jahr. Die Maastricht-Grenze ist damit wieder in Reichweite.

Platz 10

Die Mittelmeerinsel Malta weist eine Bruttoverschuldungsquote von 74,8 Prozent des BIP auf. Im europäischen Vergleich reicht das für Platz zehn. Das Haushaltsdefizit von Malta bewegt sich innerhalb der Maastricht-Kriterien und wird in diesem Jahr voraussichtlich bei 2,6 Prozent liegen.

Platz 11

Deutschlands südlicher Nachbar Österreich weist eine Verschuldungsquote von 74,2 Prozent des BIP auf - Platz elf in Europa. Auch das Haushaltsdefizitdefizit der Alpenrepublik ist mit aktuell drei Prozent vom BIP vergleichsweise gering. Im Jahr 2011 hatte es mit 2,6 Prozent sogar noch niedriger gelegen.

Platz 12

Die Niederlande gelten ähnlich wie Deutschland als Verfechter einer strengen Haushaltspolitik. Das macht sich bemerkbar: Die Verschuldungsquote liegt bei nur 70,1 Prozent vom BIP. Weniger erfolgreich haben die Niederländer in den vergangen Jahren gewirtschaftet: Das Haushaltsdefizit lag 2009 bei 5,6 Prozent und hat sich danach nur leicht verringert. Im Jahr 2012 peilt die Regierung ein Defizit in Höhe von 4,4 Prozent des BIP an.

Platz 13

Slowenien ist das erste Land im Ranking, dessen Verschuldungsquote die Maastricht-Kriterien erfüllt: Sie liegt im Jahr 2012 bei 54,7 Prozent des BIP. Schlechter sieht es bei den Haushaltszahlen aus: Nach einen Defizit in Höhe von 6,4 Prozent des BIP im Jahr 2011 steuert die Regierung in diesem Jahr auf 4,3 Prozent zu. Die Gesamtverschuldung steigt also.

Platz 14

Ein Musterbeispiel für solide Haushaltsführung ist Finnland: Die Bruttoverschuldungsquote der Skandinavier liegt bei 50,5 Prozent und bewegt sich damit locker in dem Rahmen, den der Maastricht-Vertrag vorgibt. Auch die Haushaltszahlen können sich sehen lassen: In den vergangenen vier Jahren lag Finnlands Defizit nie über der Drei-Prozent-Marke. Im Jahr 2012 werden es nach Prognose von Eurostat gerade einmal 0,7 Prozent sein.

Platz 15

Auch die Slowakei weist eine niedrige Gesamtverschuldung auf: Die Bruttoverschuldungsquote liegt bei 49,7 Prozent des BIP. In den vergangen Jahren allerdings hatten die Slowaken zunehmend Probleme: Bei acht Prozent des BIP lag das Haushaltsdefizit im Jahr 2009, in diesem Jahr werden es laut Eurostat-Prognose 4,7 Prozent sein.

Platz 16

Geldsorgen sind in Luxemburg ein Fremdwort. Die Verschuldungsquote des Großherzogtums liegt bei niedrigen 20,3 Prozent. Der Regierung gelingt es in den meisten Jahren auch, mit den eingenommenen Steuermitteln auszukommen. In den vergangenen drei Jahren lag das Haushaltsdefizit stets unter einem Prozent des BIP. Die anvisierten 1,8 Prozent in diesem Jahr sind da schon ein Ausreißer nach oben.

Platz 17

Hätten Sie es gewusst? Der absolute Haushalts-Musterschüler der Euro-Zone ist Estland. Das baltische Land hat eine Gesamtverschuldung, die bei extrem niedrigen 10,4 Prozent des BIP liegt - ein echter Spitzenwert. 2010 und 2011 gelang es der Regierung sogar, einen kleinen Haushaltsüberschuss zu erwirtschaften. In diesem Jahr läuft es etwas schlechter: Voraussichtlich wird die Regierung Kredite in Höhe von 2,4 Prozent des BIP aufnehmen. Die Maastricht-Kriterien halten die Esten damit aber immer noch locker ein.

Trotz der Fortschritte bei der Haushaltskonsolidierung ist die enorme Staatsverschuldung - Italiens hat nach Griechenland die höchste in der EU - für Brüssel weiter Anlass zu Sorge. Der hohe Schuldenberg und die Exportschwäche seien die beiden größten Probleme Italiens, mahnte Rehn. Die Kommission legte einen Bericht zu wirtschaftlichen Ungleichgewichten in den EU-Ländern vor. Dabei weist sie auf Fehlentwicklungen in Euro-Staaten hin, die die gesamte Währungsgemeinschaft gefährden können.

Kommentare (1)

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10.04.2013, 18:50 Uhr

Die Alternative für Deutschland hat besonders ältere Unterstützer und Mitglieder. Und das ist gut so.

Hier steckt eine geballte Ladung von Wissen vieler erfahrener Professoren und Doktoren aus der Ökonomie. Zudem ist das Euro-Problem schon sehr lange bekannt. Unsere Politiker haben das deutsche Volk jahrelang zum narren gehalten. Diese Politiker gehören für 300 Jahre eingesperrt. Die Begründungen dafür sind seitenlang. Die Bevölkerung der Euro-Länder wurden und werden durch die heimischen Politiker bewusst nicht aufgeklärt. Aufklärung tut not.

Die fehlende Aufklärung will die Alternative für Deutschland nachholen. Stellen wir uns vor, dass die alternative für Deutschland in den Bundestag einzieht. In dieser Position kann die AfD das Volk allumfassend erreichen. Was folgen wird, ist ein massenhafter Austritt der Mitglieder aus den anderen Parteien. Das sind der blanke Horror und ein Dorn im Auge der anderen Parteien. Deshalb wird permanent gegen die AfD gehetzt und gestänkert. Die erfahrenen Professoren und Doktoren aus der Ökonomie, die der Alternative für Deutschland sehr nahe stehen und unterstützen, sollen plötzlich alle Nationalsozialisten und Faschisten sein? So ein Blödsinn.

Die Wahrheit ist, dass CDU, CSU, FDP, SPD, Grüne, Linke und Piraten um ihre Stimmen fürchten, die im Herbst an die Alternative für Deutschland gehen. Deshalb werden Verschwörungstheorien gegen die AfD in jeder Hinsicht geschmiedet.

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