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20.05.2014

16:53 Uhr

Euro-Krise

KfW finanziert Mittelstand in Griechenland

VonGerd Höhler

Griechische Betriebe bekommen bei den Banken kaum noch Kredite. Ändern soll das ein Projekt, an dem die deutsche Staatsbank KfW beteiligt ist. Der griechische Wirtschaftsminister Chatzidakis hofft auf weitere Geldgeber.

Der griechische Wirtschaftsminister Kostis Chatzidakis. dpa

Der griechische Wirtschaftsminister Kostis Chatzidakis.

Athen„Unser größtes Problem ist die Liquiditätsklemme“, sagt Telis Aivaliotis, Geschäftsführer des griechischen Chemie-Unternehmens Delta Chemicals. Ein typisches griechisches Mittelstandsunternehmen: 30 Beschäftigte, 30 Millionen Euro Jahresumsatz. „Kredite zur Finanzierung des laufenden Geschäfts sind teuer – wenn es sie überhaupt gibt“, sagt Aivaliotis.

So ergeht es fast allen Klein- und Mittelbetrieben im krisen- und rezessionsgeplagten Griechenland: Sie bekommen bei den Banken kaum noch Kredite. Die Zurückhaltung der Geldinstitute bei der Kreditvergabe ist verständlich, schließlich ist bereits jedes dritte ausgereichte Darlehen notleidend.

Jetzt gibt es wenigstens einen kleinen Lichtblick für die griechischen Unternehmen: Nach mehr als einjähriger Vorbereitung sollen im Herbst die ersten Förderkredite der „Institution für Wachstum“ vergeben werden. Angekündigt hatte das Projekt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bei einem Besuch in Athen im Sommer 2013. Das Ziel: Kleine und mittelgroße Unternehmen, die das Herz der griechischen Wirtschaft bilden, sollen günstigere Finanzierungsmöglichkeiten bekommen. Damit sollen Arbeitsplätze gesichert und das Wachstum angekurbelt werden.

Das Ende der Eurokrise?

Was bedeutet der Schritt Lissabons für die Eurozone?

Es ist ein Indiz, dass sich die Finanzlage im gemeinsamen Währungsgebiet erheblich beruhigt hat. Länder im Süden des Kontinents können sich zur Zeit zu sehr günstigen Konditionen an den Finanzmärkten Geld leihen.

Lissabon will keine Übergangshilfen mehr. Ist das realistisch?

Ja. Die EU-Kommission, die in der Troika vertreten ist, unterstützt den Beschluss für einen „sauberen Ausstieg“ ausdrücklich. „Das sorgt für eine bessere Stimmung und Vertrauen von (Finanz-)Investoren“, lautet die Devise des verantwortlichen EU-Vize-Kommissionspräsidenten Siim Kallas.

Das Vertrauen kehrt also in die Eurozone zurück?

Ja. Aber dies hat vor allem zwei Gründe. Da ist zunächst die Europäische Zentralbank (EZB). Die Notenbank versprach, den Euro um jeden Preis zu retten. EZB-Patron Mario Draghi ist auch bereit, gegen die niedrige Inflation sowie gegen die Deflation zu kämpfen. Deflation ist ein umfassender Preisverfall, der die Konjunktur ausbremsen kann.

Was ist der andere Grund?

Angesichts von Turbulenzen bei aufstrebenden Wirtschaftsriesen in Asien oder Südamerika gilt Europa wieder als ein „sicherer Hafen“ für Anleger. Aus Russland gibt es wegen der Annexion der Krim einen bedeutenden Kapitalabfluss. Nach Moskauer Schätzungen waren es allein im ersten Vierteljahr rund 50 Milliarden Euro. Von internationalen Kapitalströmen profitiert auch der krisengeschüttelte europäische Süden.

Wie ist die Lage in Griechenland?

Griechenland hat die schwere Rezession überwunden und wird wieder wachsen. Das soll auch dem angespannten Arbeitsmarkt zugutekommen. Jeder Vierte ist dort ohne Job. Athen erzielte 2013 erstmals seit langem einen Haushaltsüberschuss - ausgeblendet sind dabei jedoch der Schuldendienst und Kapitalspritzen an Banken.

Braucht Athen ein neues Rettungspaket?

Die griechische Koalitionsregierung ist dagegen. Finanzminister Ioannis Stournaras strebt aber an, Zahlungsfristen für die Hilfskredite weiter zu strecken, um dem Land Luft zu verschaffen. Entscheidungen der Eurogruppe wird es voraussichtlich erst im Herbst geben. Ende des Jahres läuft das Griechenland-Programm von europäischer Seite aus.

Wie sieht es in Zypern aus?
Viele wollen das Kapitel „Eurokrise“ abschließen. Ist das gerechtfertigt?

Nein. Es sind nach dem Willen der Brüsseler Währungshüter weitere Reformen in vielen Ländern der Eurozone nötig, um die Erholung dauerhaft abzusichern. Nach der Krise steigen die Schuldenberge der 18 Euro-Mitgliedstaaten im laufenden Jahr sogar weiter an - um einem Punkt auf 96 Prozent der Wirtschaftsleistung. In Griechenland wächst beispielsweise der staatliche Schuldenberg um zwei Punkte auf 177 Prozent. Erlaubt sind höchstens 60 Prozent. Für Entwarnung ist es also viel zu früh, sagen die Experten.


In einer ersten Phase stellen die staatliche deutsche KfW-Bankengruppe und der griechische Staat jeweils 100 Millionen für den Förderfonds zur Verfügung. Vergeben werden die Darlehen voraussichtlich ab September über die griechischen Geschäftsbanken. Die Zinsen sollen deutlich unter dem Marktniveau liegen. Die Kreditsumme ist auf maximal eine Million Euro pro Unternehmen begrenzt.

„So wollen wir eine möglichst breite Streuung der Mittel erreichen“, sagte KfW-Vorstandschef Ulrich Schröder dem Handelsblatt in Athen. Außerdem sollen die Kredite „möglichst schnell und unbürokratisch vergeben werden“, so Schröder.

Der griechische Wirtschaftsminister Kostis Chatzidakis hofft, dass sich künftig weitere Geldgeber an dem Förderfonds beteiligen:

Kommentare (11)

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20.05.2014, 17:49 Uhr

Prima, noch mehr Steuergelder in den korrupten Sumpf. Ist nach den hunderten Milliarden für die Banken ja eine echte Hausnummer mit den 100 Millionen....

Account gelöscht!

20.05.2014, 18:29 Uhr

Wie wär's wenn unsere maroden Straßen und Brücken finanziert würden?

Bitte am 25. Mai wählen gehen! Diesmal gibt es Alternativen zur Steuergeldprasserei der "Volks-"Parteien

Account gelöscht!

20.05.2014, 18:37 Uhr

Eben. Keine Prozenthürde mehr, kein Taktieren. Freie Wähler oder Piraten, wer mit der AFD nix anfangen kann. Alles besser als die etablierten Lügenbarone.

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