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21.08.2012

12:25 Uhr

Euro-Krise

Obama schaut bang nach Griechenland

VonAstrid Dörner, Finn Mayer-Kuckuk, Martin Kölling

Das Ausland verfolgt die Diskussion um eine Pleite Athens mit großer Sorge. Barack Obama telefoniert regelmäßig mit Europa. Ein Scheitern der Rettungsversuche dürfte auch für ihn nicht folgenlos bleiben.

In den USA spricht man schon von „„Präsident Obamas tickender griechischen Bombe“. AFP

In den USA spricht man schon von „„Präsident Obamas tickender griechischen Bombe“.

Neue Unruhen in Griechenland kann US-Präsident Barack Obama im Moment gar nicht gut gebrauchen. Zu Hause tobt der Präsidentschaftswahlkampf, regelmäßig greift der republikanische Herausforderer Mitt Romney Obama für seine Wirtschaftspolitik und die hohe Arbeitslosigkeit an.

Die Bugwellen einer Pleite Griechenlands würden womöglich auch die USA zu spüren bekommen und der Opposition neuen Zündstoff liefern. Das weiß auch Obama. Bereits auf dem Treffen der G8 im Mai erklärte er, was die Euro-Krise für ihn bedeutet: „Wenn in Paris oder Madrid ein Unternehmen pleitegeht, dann bedeutet das weniger Einnahmen in Pittsburgh und Milwaukee.“ Was es heißt, wenn ein ganzes Land pleitegeht, darüber wollte der Präsident öffentlich lieber nicht spekulieren.

„Heißer Herbst“ für die Euro-Retter - Der Fahrplan in der Krise

Ende September/Anfang Oktober

Die „Troika“ der internationalen Kreditgeber Griechenlands will ihren neuesten Bericht über die Fortschritte bei den Reformen veröffentlichen. Die Analyse der Experten von EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) ist Grundlage für die Auszahlung der nächsten Kredittranche an Athen.

8. Oktober

Treffen der Euro-Finanzminister.

18. und 19. Oktober

EU-Gipfel in Brüssel. Dort könnten die Euro-Retter entscheiden, ob Athen weitere Kredite und möglicherweise mehr Zeit für sein Sparprogramm erhält oder ob der Geldhahn zugedreht wird. Im letzteren Fall droht Griechenland der Staatsbankrott mit anschließendem Euro-Austritt.

Desmond Lachman, Ökonom am konservativen Think-Tank American Enterprise Institute, veröffentlichte vergangene Woche eine Analyse mit dem Titel „Präsident Obamas tickende griechische Bombe“. Regelmäßig telefoniert Obama mit den Staatschefs der Euro-Länder, um sich auf den neusten Stand zu bringen.

Obama gilt als Befürworter eines Verbleibs Griechenlands in der EU. Im Juni bekräftigte er vor Journalisten, es sei in „jedermanns“ Interesse, dass das Land in der EU bleibe, und warnte die Griechen, dass sie es außerhalb der Europäischen Union noch schwieriger haben würden als jetzt.

Auch die Wirtschaftsmächte in Asien verfolgen die Spekulationen über eine Staatspleite Griechenlands mit großer Sorge. Besonders im ebenfalls hochverschuldeten Japan fürchten die Verantwortlichen die Folgen einer tiefen Rezession oder gar eines Zerbrechens der Euro-Zone. Denn dadurch würde die geordnete Haushaltssanierung entgleisen, mit der die Staatsschulden von 230 Prozent der Wirtschaftsleistung allmählich gesenkt werden soll.

Japans Exportindustrie leidet bereits jetzt stark unter dem schwachen Euro-Kurs, der Ausfuhren stark verteuert. Selbst die lange unverwundbare chinesische Wirtschaft zeigt inzwischen Schwächen. In Peking löst die Unfähigkeit der Europäer, ihre Probleme in den Griff zu bekommen, Befremden aus.

„Indem man die Probleme verschiebt, macht man sie immer nur schlimmer“, sagt Yu Yongding, ein prominenter Ökonom an der regierungsnahen Chinese Academy of Social Sciences (CASS). Yu beklagt vor allem die mangelnde Handlungsfähigkeit der Europäer. Regierungschef Wen Jiabao drückt den gleichen Gedanken aus, wenn er sagt: „Die Europäer sollten ihr Haus in Ordnung bringen.“

Die Kommentatoren sind sich weitgehend einig, dass ein zentral organisierter Nationalstaat wie China die weitaus bessere Organisationsform ist, da dieser gerade in der Krise auch harte Maßnahmen durchdrücken kann.

Kommentare (13)

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Zorn

21.08.2012, 13:54 Uhr

Na da habe ich doch die Lösung für Obama.
Wenn den USA, Japan, und China die Griechen so ans Herz gewachsen sind, könnten sie ja so eine Art AASM(Amerikanisch-Asiatischer-Stabilitäts-Mechanismus) beschließen, und Griechenland retten.
Eine andere Lösung wäre, die FED druckt 300 Mrd Dollar und schickt diese nach Griechenland, und Amerika hat wieder mal die Welt gerettet...
Aber ich vermute mal, ausser billiger Propaganda um von den Problemen in ihren eigenen Ländern abzulenken, werden die keinen Cent in Griechenland investieren. Denn das Geld könnte ja bald weg sein. Alimentieren sollen mal schön die Europäischen Länder Griechenland um Obamas Wiederwahl zu sichern.

VIELSPASSmitEUROBONDS

21.08.2012, 15:05 Uhr

... im Jahr 2001 war Griechenland in der misslichen Lage, ein für den Euro-Beitritt zu hohes Defizit zu haben. Daher beauftragte die griechische Regierung die Investmentbank Goldman Sachs, das Problem zu lösen ...
Barak Obama soll doch nochmal bei Goldmann vorsprechen,
vielleicht klappt es ein zweites mal ...
Unterstützung bekommt er mit Sicherheit vom ehem. Vizepräsidenten von Goldmann Sachs, Mario Draghi (derzeit EZB Präsident) ....
... oder Heli-Ben soll doch mal über die Akropolis fliegen und paar Geldscheine regnen lassen...
(besser: Goldmünzen, finden die Griechen schöner als Dollarpapier)

Account gelöscht!

21.08.2012, 15:09 Uhr

"Obama schaut bang nach Griechenland"

Der sollte besser auf sein eigenes Chaos blicken. Wenn dieses zusammenbricht, dann hat die ganze Welt wieder mal ein Problem, welches durch die USA verursacht wurde. Die US-Bubbles werden immer groesser und bedrohlicher. Aber das kleine Griechenland macht ihm Sorgen. Besorgniserregend.

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