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20.09.2011

15:30 Uhr

Euro-Krise

Ratingagentur rechnet mit Griechenland-Pleite

Griechenland wird zahlungsunfähig werden, meint die Ratingagentur Fitch. Denn Athen kämpft verzweifelt um die nächste Rate der Notkredite, schon im Oktober droht das Aus - und vielleicht der Austritt aus der Euro-Zone.

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London/Athen/BrüsselGriechenland wird nach Einschätzung der Rating-Agentur Fitch aller Voraussicht nach zahlungsunfähig werden, aber dennoch in der Euro-Zone verbleiben. Die Furcht vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone sei völlig übertrieben, erklärte der für staatliche Bonitätseinstufungen zuständige David Riley am Dienstag. Es sei zudem unwahrscheinlich, dass eine Zahlungsunfähigkeit systemisch wichtiger Finanzkonzerne oder Staaten zugelassen werde. Zuletzt war an den Finanzmärkten die Sorge gewachsen, dass auch Italien und Spanien in den Sog der Schuldenkrise geraten könnten. Eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands gilt an den Märkten seit langem als ausgemachte Sache.

Wie die Euro-Krise die Märkte beeinflusst

Welche unmittelbaren Folgen hat ein schwächerer Euro?

Ein Blick auf den Ölmarkt zeigt das recht anschaulich: Denn auf einem globalisierten Markt wie diesem ist ein schwächerer Euro gleichbedeutend mit einem stärkeren Dollar. Da auf dem Ölmarkt in US-Dollar gehandelt wird, muss in Euro logischerweise mehr für ein Barrel Rohöl bezahlt werden. Das kann auf längere Sicht auch Folgen für die Verbraucher haben: Denn wenn der Ölpreis steigt, verteuern sich auch andere Produkte wie Benzin und Heizöl. „Generell gilt: Was nicht in Euro gehandelt wird, wird teurer“, erläutert Adalbert Winkler, Professor für Development Finance an der Frankfurt School of Finance & Management.

Wie heftig ist der Kursrutsch denn?

Die aktuelle Schwäche am Devisenmarkt ist relativ: Der Euro ist in den vergangenen Monaten stark gesunken und lag am Dienstag zeitweise unter 1,36 Dollar - der Rekord liegt bei fast 1,60 Dollar im Jahr 2008. Allerdings hatte die Gemeinschaftswährung ihren Auftritt 1999 mit nur etwa 1,18 Dollar - und war dann sogar bis auf etwa 0,83 Dollar im Jahr 2000 abgesackt, bevor ein mehr oder weniger stetiger Aufwärtstrend einsetzte.

Gibt es denn auch positive Effekte eines schwächeren Euro?

Ja, das gilt etwa für den Export deutscher Produkte in Länder außerhalb der Eurozone wie etwa in den Dollar-Raum: „Denn Waren mit einem festen Europreis sind für den Abnehmer nun günstiger, was die Nachfrage steigert“, sagt Professor Michael Frenkel, Rektor der WHU - Otto Beisheim School of Management in Vallendar. Viele Produkte „Made in Germany“ sind seiner Ansicht nach bei einem schwachen Euro in Kombination mit ihrem hohen
Qualitätsstandard dann noch stärker gefragt. „Hiervon profitiert die stark auf den Export ausgerichtete deutsche Wirtschaft.“ Auf der anderen Seite verteuern sich natürlich die Importe.

Werden die Währungsschwankungen denn eins zu eins weitergegeben?

Das kann man so pauschal nicht beantworten. „Es ist immer die Frage, ob beispielsweise Importeure die Preisanpassungen auch mit Blick auf künftige Marktanteile wirklich umsetzen können“, gibt Professor Winkler zu bedenken. Das kann man sich in etwa so vorstellen wie bei den Discountern: Diese geben Preissteigerungen angesichts den gnadenlosen Konkurrenzkampfes in der Branche in aller Regel auch nicht im Alleingang weiter - aus Furcht, die Kundschaft abzuschrecken.

Hat die Euro-Schwäche auch Auswirkungen auf Geldanlagen und Kredite?

Ja. „Ist Geld in ausländischer Währung angelegt, macht sich dies im Depot positiv bemerkbar“, erläutert Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Er rät aber ab, die Geldanlage einzig und allein auf Währungsgeschäfte auszurichten. „Hier sollte immer das Prinzip der vernünftigen Streuung des Vermögens auf unterschiedliche Anlageformen gelten.“ Ein schwacher Euro ist für Kredite, die in Fremdwährung laufen - etwa manche Immobilienfinanzierungen - schlecht. „Denn sie werden je nach Restschuld entsprechend teurer.“

Dennoch stemmt sich das hoch verschuldete Land weiter mit aller Macht gegen den Finanz-Kollaps und kämpft um die nächste Rate der Notkredite von Europartnern und Internationalem Währungsfonds (IWF). Eine am Montagabend ergebnislos abgebrochene Telefonkonferenz von Finanzminister Evangelos Venizelos mit den Troika-Experten von EU, IWF und Europäischer Zentralbank (EZB) soll am Dienstagabend fortgesetzt werden. Noch ist es Venizelos noch nicht einmal gelungen, dass die Troika wieder nach Athen reist und vor Ort die griechischen Sparbemühungen überprüft. „Dazu wird es auch erst kommen, wenn genügend Elemente dafür vorliegen“, hieß es dazu am Dienstag aus der EU-Kommission.  

Die Lage bleibt vertrackt. Athen braucht im Oktober acht Milliarden Euro aus dem laufenden Kreditprogramm über 110 Milliarden Euro, sonst droht noch im selben Monat die Pleite. Ohne positiven Bericht der Troika über die Sanierung gibt es kein frisches Geld. Eigentlich sollte das Geld im September fließen.

Doch nach dem Abbruch der Troika-Mission in Athen vor drei Wochen vertagten die Euro-Finanzminister am Freitag ihre Entscheidung auf den kommenden Monat. Die Entscheidung der Regierung, eine klaffende Finanzierungslücke durch eine eilige Eigentumssteuer zu füllen und diese per Stromrechnung einzuziehen, hat noch nicht alle Partner überzeugt. Der IWF-Vertreter in Griechenland, Bab Traa, hatte Ministerpräsident Giorgos Papandreou am Montag zur Beschleunigung der Strukturreformen gedrängt und auch mehr Tempo bei der Reform des Öffentlichen Dienstes angemahnt. Gegen diesen Plan wollten am Abend in Athen abermals tausende Angestellte auf die Straße gehen.

Kommentare (11)

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alfred

20.09.2011, 15:56 Uhr

"Die Käufer dieser Papiere gehen damit kein Risiko ein, da diese durch den internationalen Rettungsschirm gedeckt sind."

Wat denn nu? Risiko oder kein Risiko??
Wenn die Griechen aus der EZ austreten, werden sie auch nicht unter den Rettungsschirm schluepfen koennen. Da frage ich mich wer leiht denen unter diesen Umstaenden noch Geld? 1,625 Milliarden Euro sind ja kein Pappenstiel, wenn der Schuldner jede Minute pleite gehen kann, und Kreditoren mit einem gehoerigen Haircut rechnen muessen. Kann es sein dass es sich dabei um Geld der Griechischen Zentralbank handelt. Fuer die paar mikrigen Zinsen kann ich mir nicht vorstellen, dass private Investoren auch nur einen Cent fuer die bankrotte Regierung locker machen.

Petra

20.09.2011, 16:09 Uhr

Seit Jahren mit normaler, hauptschulüblicher Zins- und Zinseszinsrechnung vorhersehbar...

Lucrecius

20.09.2011, 16:49 Uhr

€1.625 Mrd mit Risikoabsicherung "Rettungsschirm" also auch Deutschland!
Wir haben schon wieder Geld fuer Griechenland lockergemacht!!!
Ein Skandal!

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