Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.09.2011

07:14 Uhr

Euro-Krise

Rogoff warnt vor Banken-Sturm in Europa

VonDirk Heilmann

ExklusivAuch den Sparern in den Schuldenstaaten bleibt die Euro-Krise nicht verborgen: Wenn sie plötzlich ihre Konten räumen, könnten die Banken in Griechenland & Co. zusammenbrechen, meint Harvard-Professor Kenneth Rogoff.

Ein Sturm auf die Banken in den Schuldenstaaten könnte der Euro-Zone den Rest geben. dpa

Ein Sturm auf die Banken in den Schuldenstaaten könnte der Euro-Zone den Rest geben.

Der Harvard-Professor Kenneth Rogoff hat in einem Interview mit dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe) vor einem Run auf südeuropäische Banken gewarnt. Die Gefahr, dass die Sparer dort ihre Konten leerten und das Geld in sichere Länder wie Deutschland überwiesen, sei aktuell das größte Risiko für die Euro-Zone, sagte der ehemalige Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds, der als einer der weltweit führenden Experten für Staatsverschuldung gilt.

Was die Euro-Zone brauche, sei eine enge fiskalische Union, und das schnell. "Die Euro-Zone muss eine Evolution, die eigentlich eine Generation gedauert hätte, im Zeitraffer durchlaufen", sagte Rogoff. Deutschland müsse dabei auf strenge Regeln achten, um nicht "noch in hundert Jahren für Süditalien zu zahlen."

Eine Umschuldung einzelner Euro-Staaten dürfe kein Tabu sein, sagte der Autor des Wirtschafts-Bestsellers "Dieses Mal ist alles anders". Die Regierungschefs der Euro-Zone müssten aufhören, unhaltbare Positionen einzunehmen und eine glaubwürdige rote Linie ziehen. Statt Klartext zu reden, hätten sie die Europäische Zentralbank für die Rettung der Krisenländer eingespannt und damit ihre Glaubwürdigkeit schwer beschädigt.

Harvard-Professor Kenneth Rogoff. dpa

Harvard-Professor Kenneth Rogoff.

Rogoff warnte die Europäer, nicht zu sehr auf die Ratschläge der US-Regierung zu hören. Deren Interesse sei weniger eine langfristige Lösung der Euro-Krise. Sie wolle vor allem sicherstellen, dass die Währungsunion nicht vor der Präsidentenwahl Ende 2012 platze.

Der Ökonom bekräftigte seine Forderung, die Zentralbanken müssten Inflationsraten von vier bis sechs Prozent zulassen, um die Bekämpfung der Schuldenkrise zu erleichtern. "Im Vergleich zu einer neuen Finanzkrise, die womöglich einen Großteil der Ersparnisse ausradiert, wäre doch ein Verlust von fünf bis zehn Prozent durch höhere Inflationsraten ein gutes Geschäft", sagte er. Kenneth Rogoff erhält am Donnerstag in Frankfurt aus der Hand Josef Ackermanns den mit 50.000 Euro dotierten "Deutsche Bank Prize in Financial Economics".

Kommentare (17)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

petervonbremen

22.09.2011, 07:31 Uhr

Seht schön. Dem ist weiteres nicht hinzuzufügen.
Danke für den Artikel, kurz aber auf den Punkt gebracht!

Account gelöscht!

22.09.2011, 07:58 Uhr

Der zeigt nur die amerikanische Sicht und hat von Europa wenig Ahnung. Die Europäer werden den Amerikanern aber nicht die Freude bereiten, mit dem Kollaps der Eurozone bis nach der Präsidentschaftswahl zu warten. Immerhin haben die Wähler in den wenigen Geberländern auch noch was zu sagen - vor allem, wenn die neuen Parteien da sind!
Und Italien will sowieso nicht sparen. Die wollen mit Macht Eurobonds, so was nennt man dann dolce vita...
Man kann es drehen und wenden wie man will: es steht in Europa und Deutschland die größte politische, wirtschaftliche und soziale Katastrophe seit 1945 an. Den Politikern sei Dank!

F.Franz

22.09.2011, 08:13 Uhr

Völlig absurd. Wie schnell politisch geplanter Strukturwandelt läuft, sieht man doch an den Beispielen:

mezzogiorno, "Blühende Landschaften", NRW,

Und das waren immer nur überfinanzierte Teilproblemchen.

Mit der Übertragung des ohne Rücksicht auf die Wirtschaft durchgezogenen Wiedervereinigungsprozesses auf die Euro-Einführung haben doch Politiker (Ausgerechnet die sollen nun alles richten?) die Probleme erst geschaffen.

Es ist also nicht so, dass die Politik nur Probleme bei der Krisenbewältigung hat. Nein, sie ist die Krankheit von der sie hochdilletantisch versucht, die Heilung zu sein.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×