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17.10.2012

14:54 Uhr

Euro-Krise

Schwarzarbeit rettet Krisenländer vor freiem Fall

Griechenland und Spanien sind bekannt dafür, dass viele Geschäfte unter der Hand laufen. Die Krise hat diese illegalen Geschäfte verstärkt. Doch gerade jetzt bewahrt der Schwarzmarkt die Länder vor dem totalen Absturz.

Die Schattenwirtschaft blüht derzeit besonders in den Krisenländern. dpa

Die Schattenwirtschaft blüht derzeit besonders in den Krisenländern.

Eine Viertelstunde lang hat Matheos unter der Spüle geschraubt, dann meldet er stolz: "Alles dicht!" 50 Euro verlangt der Installateur für den kurzen Besuch, aber als er nach der Quittung gefragt wird, verzieht er das Gesicht, als habe er in eine Zitrone gebissen: Dann werde es doch nur noch teurer, klagt Matheos, außerdem habe er gar keinen Quittungsblock dabei. So ähnlich verlaufen die meisten griechischen Handwerkerbesuche.

Nach einer Studie der Universität von Chicago verheimlichen die griechischen Selbstständigen dem Fiskus pro Jahr Einnahmen von 28 Milliarden Euro. Der Staat verliert dadurch Steuereinnahmen von 11,2 Milliarden Euro. Das entspricht in etwa dem Betrag, den das Land in den beiden kommenden Jahren mit dem derzeit diskutierten Sparpaket einsparen muss. Der Kellner in der Taverne bedient die Gäste schwarz, die Friseurin schneidet in ihrem Wohnzimmer die Haare der Nachbarinnen, der Mechaniker repariert den kaputten Stoßdämpfer ohne Rechnung: Die Länder Südeuropas sind dafür bekannt, dass viele Geschäfte unter der Hand abgewickelt werden. Im Norden gilt das gemeinhin als Ausdruck mediterraner Schlitzohrigkeit - und die schlechte Steuermoral als eine der Hauptursachen der Schuldenmalaise in der Euro-Zone.

In der derzeit im Süden wütenden Rezession sind es aber genau diese Geschäfte, die einen noch verheerenderen Absturz der Länder verhindern. "Die Schattenwirtschaft federt die Folgen der Krise deutlich ab", sagt Friedrich Schneider, Professor an der Universität Linz und international führender Forscher auf dem Gebiet. Der informelle Sektor dient als unsichtbares Auffangnetz für die Verlierer der Krise - und stützt zugleich die strauchelnden Volkswirtschaften. Nach Schneiders Berechnungen macht die Schattenwirtschaft in Deutschland 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, in Spanien aber mehr als 19 Prozent und in Griechenland sogar 24 Prozent. Aber dort kommen viele Menschen ohne Schwarzarbeit gar nicht mehr über die Runden.

Kommentare (10)

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Mini-Me

17.10.2012, 15:26 Uhr

Liebes HB, falsche Überschrift.

Richtg muß es heißen:
Schwarzarbeit stürzte Krisenländer in freien Fall

Zahlmeister

17.10.2012, 15:49 Uhr

Von den Griechen lernen, heißt siegen lernen !

merxdunix

17.10.2012, 15:55 Uhr

Was lernen wir daraus? Schwarzarbeit ist die Lösung aller Probleme! Also teuerste Politiker: Legalisiert endlich alle Arbeit, indem ihr sie steuerfrei stellt! Sorgt dafür, dass sie sich 1 zu 1 auszahlt! Holt euch die Steuern woanders, auf Grund und Boden oder Produktionsmittel meinetwegen!

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