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25.06.2012

19:22 Uhr

Euro-Krise

Spanien reicht Antrag auf Bankenhilfe ein

Euro-Sorgenkind Spanien hat nach Worten von Wirtschaftsminister Luis de Guindos am Montag offiziell den lange erwarteten Antrag auf Hilfsmilliarden für seinen maroden Bankensektor an die Euro-Partner abgeschickt.

Spaniens Wirtschaftsminister Luis de Guindos. dapd

Spaniens Wirtschaftsminister Luis de Guindos.

MadridSpanien hat am Montag offiziell Finanzhilfen der Eurozone für seine angeschlagenen Banken beantragt. Wirtschaftsminister Luis de Guindos nannte in seinem entsprechenden Brief an Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker allerdings keine genaue Summe. Das nächste Treffen der Eurogruppe findet am 9. Juli statt. Bis dahin muss der Rettungsplan stehen.

Die spanische Zentralbank hatte in der vergangenen Woche einen Bedarf von bis zu 62 Milliarden Euro genannt, während die Euro-Länder mit einem nötigen Betrag von bis zu hundert Milliarden Euro rechnen. Prüfberichte von zwei unabhängigen Beratungsfirmen hatten einen Mindestbedarf von 16 bis 25 Milliarden Euro ergeben.

Spanische Banken im Herz- und Nierentest

Zwei Szenarien

Die spanische Regierung hat zwei Beratungsunternehmen die Finanzkraft der Banken des Landes unter die Lupe nehmen lassen. Dazu wählten die Berater zwei Szenarien, ein Basisszenario und ein kritisches Szenario.

Basisszenario

Der Kapitalbedarf von Banken richtet sich nach der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Denn läuft die Konjunktur schlecht und steigt die Arbeitslosigkeit ist auch mit geringeren Kreditrückzahlungen zu rechnen. Im Basisszenario ging der spanische Stresstest von folgenden Annahmen aus:

Wachstum: 2012 -1,7 Prozent, 2013 -0,3 Prozent, 2014 0,3 Prozent

Arbeitslosigkeit: 2012 23,8 Prozent, 2013 23,5 Prozent, 2014 23,4 Prozent

Immobilienpreise: 2012 -5,6 Prozent, 2013 -2,8 Prozent, 2014 -1,5 Prozent

Kritisches Szenario

Im kritischen Szenario ging der spanische Stresstest von folgenden Annahmen aus:

Wachstum: 2012 -4,1 Prozent, 2013 -2,1 Prozent, 2014 -0,3 Prozent

Arbeitslosigkeit: 2012 25 Prozent, 2013 26,8 Prozent, 2014 27,2 Prozent

Immobilienpreise: 2012 -19,9 Prozent, 2013 -4,5 Prozent, 2014 -2 Prozent

Die spanische Bankenlandschaft

Marktanteile spanischer Banken (gemessen in Prozent spanischer Vermögenswerte)

Santander (incl. Banesto) 19%
BBVA (incl. UNNIM) 15%
Caixabank (incl. Banca Cívica) 12%
BFA-Bankia 12%
Banc Sabadell (incl. CAM) 6%
Popular (incl. Pastor) 6%
Ibercaja - Caja 3 – Liberbank 4.2%
Unicaja – CEISS 2.7%
Kutxabank 2.6%
Catalunyabanc 2.5%
NCG Banco 2.5%
BMN 2.4%
Bankinter 2.1%
Banco de Valencia 1.0%

Quelle: Oliver Wyman

Die EU-Kommission nimmt Spanien nach dem Antrag auf Notkredite für seine maroden Banken stärker in die Pflicht. Spanien habe die Verpflichtung, die Empfehlungen der Europäischen Union umzusetzen, sagte Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia bei einem Forum in Madrid.

Brüssel hatte Spanien bereits am 30. Mai unter anderem empfohlen, die Mehrwertsteuer anzuheben, das Renteneintrittsalter zu erhöhen und die Gehälter der Staatsangestellten zu kürzen. Die konservative Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy hat bisher nur zugesagt, die Mehrwertsteuer im kommenden Jahr zu erhöhen. Auch die notwendigen Maßnahmen zur Senkung des spanischen Haushaltsdefizits seien „unumgänglich“, betonte Almunia. Spanien sei bei der Einhaltung des Defizit-Ziels für dieses Jahr in Rückstand geraten. Madrid hat sich verpflichtet, den Fehlbetrag von 8,9 Prozent im vergangenen Jahr auf 5,3 Prozent der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr zu drücken.

Nächste Rettung: Auch Zypern beantragt Bankenhilfe

Nächste Rettung

Auch Zypern beantragt Bankenhilfe

Das hoch verschuldete Zypern stellt einen Antrag auf EU-Hilfen und hofft auf mildere Sparvorgaben als sie etwa Griechenland auferlegt wurden. Die „Troika“ werde wohl nicht einziehen, hofft ein Regierungssprecher.

Die von Madrid beantragte Bankenhilfe bezeichnete der EU-Wettbewerbskommissar als „Rettungshilfe“. Die Regierung Rajoy meidet diesen Begriff konsequent und spricht nur von einer „Kreditlinie“, da nur die Banken, nicht aber der Staat betroffen sei.

Kommentare (15)

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Account gelöscht!

25.06.2012, 10:47 Uhr

Wer hätte das gedacht :D Das alles ist so vorhersehbar wie der Crash der zu 100% kommen wird und so böse zuschlagen wird, wie sich das so mancher NOCH nicht vorstellen kann, sollte niemand die Show endlich beenden.

Sorry aber was sich derzeit abspielt, mit einem Blick Richtung Ägypten und co da unten....also das könnte bald lustig werden. Ich hoffe die Völker Europas wachen auf und machen dem Wahnsinn ein Ende bevor es hier eskaliert.

Account gelöscht!

25.06.2012, 11:24 Uhr

Tja, und die nächsten Kandidaten sind dann wohl Zypern und Italien. Weil die 700 Mrd. Euro für Italien nicht ausreichen, wird der ESM-Gouverneursrat den Haftungsrahmen wohl bald aufstocken müssen.

Gut, dass diese Woche das Ermächtigungsgesetz durchgeht - da brauchen die Parlamentarier nämlich gar nicht mehr gefragt zu werden, ob sie einer solchen Aufstockung zustimmen.

sailing

25.06.2012, 11:56 Uhr

wer Bankrotteure wie die spanischen Banken unterstützt macht sich selbst schuldig. Wachstum ohne Nachhaltigkeit hat noch nirgendwo funktioniert. Diese notleidenden Institute abwickeln und zwar in der Form dass faule Kredite abgeschrieben werden werden, gute Kredite Bestandsschutz genießen.
Auf der anderen Seite kann es nicht sein, dass Steuerzahler andere Länder für "größenwahnsinnige Hasadeure" andere Länder gerade stehen müssen. Die Politiker müssen endlich aus ihrem "Tiefschlaf" aufwachen.

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