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13.11.2013

17:01 Uhr

Euro-Krise

Spanien verlässt die Intensivstation

VonAnne Grüttner

Als erstes Land steigt Spanien aus dem Hilfsprogramm der Euro-Länder aus und finanziert sich künftig wieder vollständig am Markt. Auf der iberischen Halbinsel scheint die Trendwende geschafft zu sein.

ESM-Chef Klaus Regling hat gute Nachrichten für Spanien. ap

ESM-Chef Klaus Regling hat gute Nachrichten für Spanien.

MadridDie Euro-Gruppe wird Spanien bei ihrem morgigen Treffen mit einigen mahnenden Worten, aber auch mit Glückwünschen von der Intensivstation entlassen. Das steht bereits so gut wie fest. „Das (spanische Kredit-)Programm läuft in einem Monat aus und alle, einschließlich der spanischen Regierung, haben Vertrauen. Neue Finanzhilfen sind nicht nötig“, erklärte diese Woche ESM-Chef Klaus Regling in einem Interview mit einer spanischen Zeitung. Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem und EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn hatten sich zuvor ähnlich positiv geäußert.

Gut anderthalb Jahre ist es her, dass die der Fusion von sieben Sparkassen hervorgegangene spanische Großbank Bankia beinahe unter ihren faulen Immobilienkrediten zusammenbrach und nur durch eine schnelle Verstaatlichung gerettet werden konnte. Der Finanzmarkt verlor das Vertrauen in den spanischen Bankensektor und in die Fähigkeit des Staates, die Banken ausreichend zu kapitalisieren: Spanien verlor den Zugang zu den Finanzmärkten und musste schließlich Finanzhilfe vom Euro-Rettungsschirm, damals noch der EFSF, beantragen.

Die spanische Arbeitsmarktreform

Geringere Abfindungen

Bis 2012 mussten einem Angestellten in Spanien bei grundloser Kündigung eine Abfindung von 45 Tageslöhnen pro Jahr im Unternehmen gezahlt werden. Die konservative Regierung reduzierte diese Abfindung auf 20 Tageslöhne und legte für die Zahlungen zudem eine neue Höchstdauer von 24 im Unterschied zu davor 41 Monaten fest.

Flexiblere Kündigungen

Lange unterteilte der Arbeitsmarkt in Spanien sich vor allem in zwei Fraktionen: Eine „Elite“ nahezu unkündbarer Festangestellter und Angerstellten, die sich von Zeitvertrag zu Zeitvertrag hangelten. Die Einführung eines neuen, flexibleren Kündigungsrecht erlaubte 2012 erstmals auch das Aussprechen betriebsbedingter Kündigungen bei sinkenden Unternehmensumsatz.

Lockere Tarifverträge

Gleichzeitig wurden auch Gehälter variabler gestaltet. Unternehmen erhielten die Möglichkeit, in Absprache mit den Mitarbeitern Löhne und Arbeitszeiten individuell zu vereinbaren - ohne sich an die geltenden Tarifverträge halten zu müssen.

Bonus für junge Angestellte

Weil in Spanien besonders viele junge Menschen arbeitslos sind, zahlt der Staat Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern eine Prämie. Pro eingestelltem 16-30-Jährigen gibt es bis zu 3300 Euro, für Frauen im gleichen Alter bekommt die Firma sogar bis zu 3600 Euro.

Bonus für alte Angestellte

Besonders betroffen von der schlechten Wirtschaftslage sind auch die älteren Arbeitslosen. Die Regierung zahlt daher jedem Unternehmen, das einen über 45-jährigen Spanier einstellt, bis zu 3900 Euro (für Frauen bis zu 4500 Euro). Der neue Mitarbeiter muss in den 18 Monaten vor Vertragsbeginn jedoch mindestens zwölf Monate arbeitslos gewesen sein. 

Zeitverträge mit Limit

Befristete Verträge dürfen nur noch maximal zwei Jahre gelten und nicht mehr verlängert werden. Soll der Angestellte im Unternehmen bleiben, muss der Vertrag in einen unbefristeten umgewandelt werden.

Einen Kredit über maximal 100 Milliarden Euro bewilligten die Eurostaaten im Juli letzten Jahres, auszuzahlen an den spanischen Bankenrettungsfonds FROB und ausschließlich zu nutzen für die Sanierung des Bankensektors. Im Gegenzug musste Spanien seine Banken umfangreichen Bilanzprüfungen und Stresstests durch externe Wirtschaftsberater unterziehen lassen, seine Bankenaufsicht reformieren und eine Auffanggesellschaft für faule Immobilienkredite gründen, die Bad Bank Sareb.

Kommentare (42)

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13.11.2013, 17:13 Uhr

Selten so gelacht.

Account gelöscht!

13.11.2013, 17:14 Uhr

Man hätte am Rande erwähnen können, dass Spanien in einigen Monaten dem Billionen-Club beitreten wird (offene Staatsverschuldung >1.000.000.000.000,- EUR).
Was für Erfolge!

Account gelöscht!

13.11.2013, 17:14 Uhr

...die Berichterstattung wird immer abenteuerlicher:
"Spanien hat mittlerweile wieder Zugang zu den Kapitalmärkten und kann notfalls selbst das nötige Geld für weitere Kapitalspritzen vom Markt aufnehmen. "

Kapitalmärkten ? Ja, auf diesen Märkten befinden sich hauptlich die Banken, die wiederum dem Staat Spanien Kredite gibt. Die Anleihen werden dann anschließend bei der EZB abgeladen, um neue Kredite zu erhalten. Tolle Erholung....

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